Edelmetalle: Spekulanten scheuen Silber

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Edelmetalle: Spekulanten scheuen Silber

von Kerstin Dämon

Der Silberpreis stagniert unterhalb der 20-Dollar-Marke. Jetzt drehen auch noch die institutionellen Investoren dem Metall den Rücken. Sie setzen auf fallende Preise. Lohnt das Edelmetall noch?

Vor rund einem Jahr begaben sich Silber und Gold auf eine Preistalfahrt - seitdem stagnieren beide Edelmetalle auf niedrigem Niveau: Der Goldpreis liegt derzeit knapp unter der Marke von 1300 Dollar. Die Notierung stieg am Kassamarkt um 0,1 Prozent auf 1295,26 Dollar je Unze.

Seit Beginn des Jahres ergibt sich damit ein Goldpreisanstieg von 7,8 Prozent. Die Unze Silber kostet derzeit 19,44 Dollar - auch ihr Preis ist damit nahezu unverändert. Von dieser Entwicklung haben die Investoren nun offenbar die Nase voll.

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Laut dem kürzlich veröffentlichten Commitment of Traders-Report (COT) setzen spekulative Investoren im großen Stil auf fallende Silberkurse. Sie reduzierten die Zahl ihrer Netto-Long-Positionen - also der Wetten auf steigende Preise - um 30 Prozent auf nur noch 8.076 statt 11.537 Futures.

Der COT-Datenbericht wird jeden Freitagabend von der amerikanischen Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht und stellt die Handelsbewegungen von Hedgefonds, Spekulanten und Anlegern dar. Zumindest letztere scheinen in Bezug auf Silber optimistischer zu sein. Berücksichtigt man alle drei Händlertypen, gab es bei Silber-Optionen dennoch einen Gesamtrückgang von fast zehn Prozent. So schlecht war das Vertrauen in das Edelmetall zuletzt im Februar gewesen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

  • Auf welche Silbermünzen wird welcher Steuersatz erhoben?

    Die Lieferungen, die Einfuhr und der innergemeinschaftliche Erwerb von Sammlungsstücken unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 %. Diese generelle Begünstigung verstößt gegen Artikel 103 der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie, nach dem lediglich die Einfuhr der Steuerermäßigung unterworfen werden darf. Ab dem 1. Januar 2014 kommen auf im Inland ausgeführte steuerpflichtige Lieferungen von Silbermünzen 19 % Steuern.

  • Sind auch 10-Euro-Silbermünzen betroffen?

    Umsätze mit gesetzlichen Zahlungsmitteln sind von der Umsatzsteuer befreit. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Zahlungsmittel wegen ihres Metallgehalts oder ihres Sammlerwerts umgesetzt werden. In diesem Fall sind die Umsätze steuerpflichtig.

  • Was ist mit Silberbarren?

    Silberbarren sind von der Änderung nicht betroffen, da deren Lieferungen bereits nach geltendem Recht dem allgemeinen Umsatzsteuersatz unterliegen.

  • Gibt es eine Ungleichbehandlung zwischen Gold und Silber?

    Umsätze mit Goldmünzen können entsprechend der Mehrwertsteuersystemrichtlinie als Anlagegold steuerfrei sein. Dazu heißt es: „Lieferungen von Gold zu Anlagezwecken entsprechen ihrer Art nach anderen Finanzanlagen, die von der Steuer befreit sind. Die Steuerbefreiung erscheint daher als die geeignetste steuerliche Behandlung der Umsätze von Anlagegold.“ Davon abgesehen unterscheiden die gesetzlichen Regelungen nicht zwischen Gold- und Silbermünzen.

     

Das sei aber kein Grund zur Sorge. Bereits im März sagte "Silberjunge" Thorsten Schulte im Interview mit WirtschaftsWoche Online, dass der Rohstoffmarkt eine dreijährige Baisse erlebe: "Wir haben im letzten Jahr Rekordabflüsse aus Rohstofffonds erlebt. Zur Jahreswende hatten Großinvestoren und Kleinspekulanten den Silber-Future an der US-Terminbörse Comex im Rekordumfang verkauft. Im Januar war der Optimismus der nordamerikanischen Analysten und Berater für Silber sehr niedrig", so der Experte vor zwei Monaten.

Wenn man den COT-Report betrachtet, hält der Pessimismus an. Die Stimmung der Silber-Fans ist auf dem Tiefpunkt angelangt.

Für Schulte ist das kein Grund, Silber den Rücken zu kehren, wie er jetzt gegenüber WirtschaftsWoche Online sagt. Aus antizyklischer Sicht bestehe für Silberanleger sogar eine Chance aus den Verkäufen von Groß- und Kleinanlegern. "Wenn der Markt dann dreht, kaufen die Spekulanten die Futures wieder zurück. Und das macht etwas mit dem Preis", so der Experte. Diese Eindeckungsnot sorge dafür, dass der gewöhnliche Anleger keine allzu großen Verluste erwarten muss.

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Hinzu kommt, dass sich physisches Silber - konkret Silbermünzen - weiterhin gut verkauft. Der Absatz mit Münzen ist in den USA binnen eines Jahres um gut zwölf Prozent gestiegen. China importierte im Frühjahr dieses Jahres 22 Prozent mehr Silber als noch im Vorjahresquartal und auch reine Silberfonds kaufen zu.

Das wird den Preis nicht lange unberührt lassen. Und da Silber ein begehrtes Metall in der Industrie ist, kann der Preis mit einer Erholung der globalen Konjunktur ebenfalls anziehen.

Rohstoffkäufer sollten also nicht gleich aufgeben. Schulte: "Strategische Investoren sehen bei Silberpreisen unter 20 Dollar hervorragende mittel- bis langfristige Chance-Risiko-Relationen."

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1 Kommentar zu Edelmetalle: Spekulanten scheuen Silber

  • Aus meiner Sicht kann es gar nicht schnell genug gehen mit dem Preisverfall bei Gold und Silber. Ich wünsche mir Gold bei 650-770 Dollar und Silber bei 10-12 Dollar, weit unter den Kosten für die Förderung neuer Metalle. Dann heißt es viel Geld in die Hand nehmen und physisches Material kaufen. Glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, die Schuldenkrise, Eurokrise, Dollarkrise ist gelaufen? Momentan wird doch nur massenhaft neues Schuldgeld ins System gepumpt um mit niedrigsten Zinsen das "Schneeballsystem noch etwas am Laufen zu halten". Verzweifelt werden neue Kreditnehmer gesucht, die mit neuen und höheren Schulden Wachstum erzeugen. Da aber schon die heute alle Marktteilnehmer (Staaten, Unternehmen, Private) bis zur Halskrause im Schuldensumpf stecken und mir nicht klar ist wo bei ständig fallenden Einkommen breite Bevölkerungsschichten zusätzliches Einkommen generieren können, geschweige denn zusätzliche Schulden aufgenommen werden sollen, ist der Crash nur verschoben aber nicht aufgehoben. Ohne neue Schulden kein Wachstum, ohne nennenswerte Einkommenszuwächse und angemessen bezahlte Jobs kein zusätzlicher Konsum und somit kein Wachstum. Es bleibt also nur die Möglichkeit der Amerikaner, Kreditausgabe an jeden der eine Unterschrift leisten kann. Ergebnis ist ja bekannt. Da sind mir Edelmetalle auf jeden fall sicherer als massenhafte Kreditausfälle mit Enteignung von Sparern und Anlegern zur Systemstützung. Warum wird denn wohl in Frankfurt eine gigantische Banken-Abwicklungsanstalt hochgezogen, weil alles planbar, steuerbar und kontrollierbar ist? Game over, nur noch eine Frage der Zeit.

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