Elsässers Auslese: Bankaktien – die Ampeln springen auf rot

kolumneElsässers Auslese: Bankaktien – die Ampeln springen auf rot

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Die technologischen Neuerungen auf dem Markt stellen eine Bedrohung für die Großbanken dar, meint Kolumnist Markus Elsässer.

Kolumne von Markus Elsässer

Gehen die Banken in den nächsten Jahren in die Knie? Hinter den Kulissen sieht es nicht gut aus. Ein Abgesang auf eine einst herausragende Branche. Eine Kolumne.

Von 1975 bis 1977 habe ich voller Stolz eine Banklehre in Köln absolviert. Dabei habe ich für meinen späteren Beruf als Value Investor dort mehr gelernt, als an der Universität im Studium samt Promotion. Die Ausbildung bei den deutschen Banken war fantastisch. Heute tut es mir in der Seele weh, wenn ich sehe, was aus unseren Banken geworden ist.

Werfen wir einen Blick weiter zurück: Die drei Großbanken, Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank im Verbund mit den Sparkassen- und Genossenschaftsorganisationen haben wesentlichen Anteil am wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Eigenkapital der Bevölkerung und der Industrie war zerstört. Mit umfangreichen Kreditfinanzierungen griffen sie jahrzehntelang Unternehmern unter die Arme. Nur so konnte nach und nach die Eigenkapitalbasis in Deutschland wieder aufgebaut werden. Darüber hinaus engagierten sich die Leiter der Banken in den Aufsichtsräten der Industrie. Ihr branchenübergreifendes Wissen und ihre Personalkontakte waren von großer Wichtigkeit.

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Zur Person

  • Markus Elsässer - Value Investor

    Nach einer Industriekarriere ist Elsässer seit 1998 selbständiger Value Investor und gründete vor dreizehn Jahren den Value Fonds "ME Fonds - Special Values“ (www.aqualutum.de). Elsässer wuchs in London, Hongkong und Paris auf. Nach Banklehre und Wirtschaftsstudium in Köln arbeitete er in einer Wirtschaftsprüfungs-Sozietät, als Finanzdirektor bei Dow Chemical Deutschland, in Sydney für Benckiser und in Singapur für die Storck Gruppe. Darüber hinaus arbeitete er einige Jahre eng mit dem New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte zusammen, mit dem er unter anderem 2001 gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall zu Felde zog. Im Jahr 2012 gründete er mit dem Profifußballer Simon Rolfes das Sport-Management Unternehmen  Rolfes & Elsässer - The Career Company.

Sie agierten nicht einfach als Financiers, sondern zugleich auch als Mentoren, Unternehmensberater und Headhunter in einem bei den Unternehmen im Mittelstand und Großindustrie.

Bankmanager wie Herman Josef Abs von der Deutschen Bank, Jürgen Ponto von der Dresdner Bank, „Paulchen“ Lichtenberg von der Commerzbank sind hier als tonangebende Persönlichkeiten der ersten Stunden zu erwähnen. Sie prägten eine ganze Generation nachfolgender Führungspersönlichkeiten in ihren Banken. Auf der regionalen Ebene operierten die Leiter der Großfilialen, den sogenannten Kopfstellen, mit weitgehender Autonomie. Sie konnten ihre genaue Kenntnis der persönlichen Verhältnisse der Unternehmerfamilien in das Bankgeschäft mit einfließen lassen. Chef der Dresdner Bank in Münster, Ulm oder Lübeck zu sein, war ein toller Job, eine autonome und hoch angesehene Position. Unter dem Gesichtspunkt täglicher Berufszufriedenheit war das sicher viel besser als in den Vorstand nach Frankfurt befördert zu werden.

Wertpapierprofis in fast jeder Filiale

Die Großbanken in Deutschland boten dem Kunden einen echten Service rund ums Geld und Kapital. Fast in jeder Filiale gab es einen Wertpapierberater beziehungsweise eine Wertpapierabteilung. Diese Leute waren wirkliche Profis und hatten langjährige Erfahrung in ihrem Metier. Sie durften ihre eigenen Ansichten über die verschiedenen Aktien vertreten.

Ich erinnere mich gut, wie wichtig meiner Großmutter als „lebenslänglicher“ Kundin der Deutschen Bank in Karlsruhe ihr Wertpapierberater war. Man saß regelmäßig, auch ganz spontan, in der Kassenhalle zusammen und stritt sich intensiv darüber, ob es zum Beispiel an der Zeit war, bei der Rheinelektra AG auszusteigen und ob man bei KSB-Pumpen einsteigen sollte. Ja, bundesweit wurde ein individueller Service auf hohem Fachniveau geboten. Und zwar ohne „Private Wealth“ Abteilungen oder Vermögensverwaltungsverträge. Man war Bankkunde mit Konten, gegebenenfalls Krediten und Aktiendepots, etc. Das genügte.

Und warum gibt es das heute nicht mehr? „Ja, das rechnet sich alles nicht mehr“, bekomme ich immer wieder zu hören. Doch das Argument hinkt. Denn wie sah es damals mit den Aktionären und dem Geschäft der Banken aus? Schauen Sie sich mal die alten Bilanzen an. Die Banken florierten, sie konnten das Filialnetz aufbauen, machten Jahr für Jahr Gewinne und zahlten den Aktionären regelmäßig Dividenden. Die Bankaktien waren eine gute Geldanlage. Das ist doch erstaunlich.

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