ThemaFonds & ETFs

alles zum Thema
_

Ende eines Mythos: Hedge-Fonds in der Krise

von Elisabeth Atzler Quelle: Handelsblatt Online

Hedge-Fonds haben die Anleger enttäuscht. Ganz besonders trifft diese Misere Dach-Hedge-Fonds. Die Investoren ziehen reihenweise Geld ab. Einer der großen Stars der Branche sieht inzwischen ganz alt aus.

Starinvestor John Paulson fuhr 2011 mit Hedge-Fonds hohe Verluste ein. Quelle: Reuters
Starinvestor John Paulson fuhr 2011 mit Hedge-Fonds hohe Verluste ein. Quelle: Reuters

Spätestens die hohen Verluste des Starinvestors John Paulson haben den Mythos Hedge-Fonds endgültig ins Wanken gebracht. Paulson, der als einer der wenigen die Finanzkrise kommen sah und dann Milliarden verdiente, fuhr 2011 hohe Verluste ein und liegt auch 2012 im Minus. Die Gesamtbranche schafft im ersten Halbjahr immerhin ein Plus, doch es liegt dem Datendienstleister Hedge Fund Research zufolge auch nur bei 1,7 Prozent. Für Anleger ist das enttäuschend, allein schon, weil es am Aktienmarkt mehr zu verdienen gab.

Anzeige

Ganz besonders trifft diese Misere Dach-Hedge-Fonds, die ihrerseits einzelne Hedge-Fonds auswählen und einst die Branche prägten. Die Finanzkrise hat ihre Schwäche klar offengelegt: In guten Jahren für die Branche haben sie meist weniger verdient als Einzel-Hedge-Fonds, in schlechten Jahren aber mehr verloren.

Durch die enttäuschenden Ergebnisse stellen Dachfonds ihre eigene Existenzberechtigung infrage: Sie versuchen eigentlich, neue vielsprechende Manager möglichst früh zu entdecken, und wollen durch geschickte Auswahl der Zielfonds sowie rasche Umschichtungen Risiken minimieren - eine Art Sicherheitspuffer für die Investoren, die oft erste Erfahrungen mit Hedge-Fonds über Dachkonstruktionen sammeln; auch Privatanlegern bleibt vor allem dieser Weg für Anlagen in Hedge-Fonds.

Geldanlage Zehn attraktive Anleihen

Polen: Sicherer Hafen

Ob die Fußball-Europameisterschaft Polen einen zusätzlichen Aufschwung beschert hat, wird sich noch abschließend zeigen. Gut steht das Land auf jeden Fall da. Kein anderes Land in Europa ist so gut durch die Finanzkrise gekommen wie das nach der Bevölkerungszahl sechstgrößte Europas. Eine Rezession gab es nicht, die Wirtschaft boomt, das deutsche Nachbarland gilt schon als sicherer Hafen in Osteuropa.

Polens Rating ist mittelmäßig: A- bei den Agenturen S&P und Fitch, die siebthöchste Bonitätsnote. Moody’s stuft Polen mit A2 ein, die sechshöchste Note. Damit gilt Polen als sichere Anlage, solange keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten.

Das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für 2012 ist das EU-Limit von drei Prozent bereits als Ziel definiert. 2011 wuchs die Wirtschaftsleistung um 4,3 Prozent, das stärkste Plus seit 2008. Die Schulden der öffentlichen Hand betrugen Ende 2011 56,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In der Euro-Zone beliefen sich die Schulden 2011 dem Internationalen Währungsfonds zufolge im Durchschnitt auf rund 88 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In den USA betrugen sie sogar 102 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Und Ministerpräsident Donald Tusk will noch mehr. Das Haushaltsdefizit will er halbieren, das Renteneintrittsalter in Polen wird von 65 Jahren bei Männern und 60 Jahren bei Frauen auf 67 angehoben.

Die Staatsanleihen des Landes sind attraktiv, ihre Rally geht vermutlich weiter. Auch schön für Anleger: Polnische Pensionsfonds müssen mindestens 95 Prozent ihrer Gelder im Inland anlegen. Das macht den polnischen Anleihemarkt weniger schwankungsanfällig. Ein sicherer Hafen in Osteuropa eben.

Aktuelle Rendite: 2,46 %

Zahlt sich der Wissensvorsprung aber nicht aus, schlagen die höheren Gebühren von Dachfonds voll durch: Sie berechnen die Gebühren der Zielfonds und verlangen zusätzlich selbst eine Vergütung für ihre Leistung - am Ende bleibt weniger für die Investoren übrig. Gerade in Phasen insgesamt mauer Kapitalmarktrenditen und niedriger Zinsen macht sich der Unterschied bemerkbar. "Das ist ein Problem für die ganze Branche, bei Dachfonds wird es besonders deutlich", sagt Jacob Schmidt, Chef der Londoner Beratungsfirma Schmidt Research Partners.

Investoren haben längst reagiert und ziehen sich aus Dachfonds zurück. Seit 2008 sind per saldo mehr als 180 Milliarden Dollar abgeflossen, während Einzel-Hedge-Fonds nach einer Schwächephase wieder Geld einsammeln. Die Folge: Die Bedeutung der Dachfonds sinkt. Im Jahr 2007 verwalteten sie fast 800 Milliarden Dollar und 43 Prozent des damaligen Gesamtvermögens der Branche. Zuletzt kamen sie auf 640 Milliarden Dollar. Das sind gerade noch 30 Prozent der 2130 Milliarden Dollar, die heute in Hedge-Fonds stecken.

Weitere Artikel

Auch die Dachfonds selbst haben reagiert. Ihre Anzahl ist in den vergangenen fünf Jahren von fast 2 500 auf zuletzt knapp 2 000 gesunken. Etliche Anbieter gaben auf, andere fusionierten. Es gab mehrere große Übernahmen: Der weltgrößte Hedge-Fonds-Anbieter Man Group übernimmt Financial Risk Management, Gottex aus der Schweiz und Penjing aus Hongkong fusionieren, ebenso Kenmar und Olympia sowie UBP und Nexar. Die Ratingagentur Fitch meint aber, dass die Fusionen sich damit dem Ende nähern: "Nach der jüngsten Konsolidierungswelle bleiben nur noch eine Handvoll Kandidaten für größere Zukäufe", heißt es in einer Studie. Schmidt glaubt, dass sich die Konsolidierung auch auf andere Art fortsetzen und "durchaus brutal ausfallen" werde. Die verbleibenden Dachfonds müssten entweder schrumpfen und sich spezialisieren - auf Anlagen in Asien oder auf kleine, neue Fondsmanager - oder künftig stattdessen als Berater für Investoren agieren. Auch Fitch rechnet damit, dass Dachfonds sich mehr auf Beratungsangebote ausrichten.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.07.2012, 15:19 Uhrallesverloren

    Jetzt wird es aber höchste Zeit, das die SPD Troika ihr Herz über die Hürde wirft, um diesen armen Hunden zu helfen.

    Dach-Fond klingt doch schon fast wie Rettungsschirm.

    Na, wo sind den die Helfer.

  • 15.07.2012, 16:31 Uhrschwaebischehausfrau

    Lesen Sie -lesen sie - lesen sie - lesen sie

    Der Ökonomiker fasst in diesen Tagen alle wichtigen Ereignisse der letzten Jahre zusammen.
    Barclays hat mit 800 Trillionen spekuliert. Es muß jetzt Schluss sein, auch mit ESF etc.
    Bitte kucken Sie das Video auf youtube: Wie funktioniert Geld:
    http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ
    Hier der Originaltext des ESM
    http://www.freiewelt.net/blog-3321/der-vertragsentwurf-zur-transferunion-ist-%F6ffentlich%28%21%29---ziel-ist-die-beendigung-staatlicher-haushaltssouver%E4nit%E4t.html

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-191-update-enteignung.html

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.htmltp://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-300-sinn-lich-okonomenstreit.html

    • http://www.heise.de/tp/artikel/37/37234/1.html

    • http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-301-nachrichten-ticker-1007.html

    • Lesen Sie standpunkt 301 hier ein Auszug
    • Kommentar: Nein, es ist eine Bankenkrise mit inkludierter Vertrauenskrise von Bank zu Bank. Die geschilderten Lösungsansätze sind grundsätzlich richtig, aber nur nützlich, wenn vorher die Bankenbilanzen vom Giftmüll befreit, Schattenbanken und Zweckgesellschaften konsolidiert und nicht mehr lebensfähige Banken abgewickelt werden, ohne jede Rücksicht auf Rang und Namen.
    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-304-hintergrundwissen.html
    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-298-nachrichten-ticker-0807.html
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/skandal-um-libor-deutsche-bank-beantragt-kronzeugenregelung-a-844446.html
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bankhaus-metzler-klage-gegen-deutsche-bank-wegen-libor-a-843455.html
    http://silbermuenzgeld.wordpress.com/2011/11/01/pelzig-im-zdf-macht-krisenvorsorge-01-11-2011/
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1456738/Pelzig-haelt-sic

Alle Kommentare lesen

Tool: Immobilienscout24

Immobilien-Wertfinder

Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet.

weitere Fotostrecken

Blogs

Es kann bis 9000 gehen
Es kann bis 9000 gehen

Die Rally läuft, und sich dagegen zu stemmen, ist gefährlich. Mindestens ein kräftiger Schub sollte noch kommen – nach...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.