Energiewende: Schlechte Nachrichten für deutsche Mieter

Energiewende: Schlechte Nachrichten für deutsche Mieter

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Mieter und Vermieter sind meist nicht gewillt Sanierungen durchzuführen. Die einen schrecken vor Lärm und Staub zurück, die anderen vor scheinbar unrentablen Investitionen

von Niklas Hoyer

Die Bundesregierung will  die Energiewende vorantreiben. Künftig sollen Mieter weniger Rechte bekommen, sich gegen energetische Sanierungen zu wehren. Ob das etwas bringt, ist mehr als zweifelhaft.

40 Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf Wohnhäuser. An dieser Stellschraube will die Bundesregierung nun ansetzen, um die lahmende Energiewende voranzutreiben. Aus Sicht der Bundesregierung liegt es vor allem an den Mietern, dass nicht mehr Häuser gedämmt und saniert werden. Immerhin leben in über 22 Millionen der rund 40 Millionen Wohnungen hierzulande nicht die Eigentümer. Das Kalkül: Mieter sollen weniger Rechte bekommen, sich gegen energiesparende Sanierungen zu sperren. So sollen sich mehr Eigentümer für die Sanierung entscheiden.

Keine Mietminderung wegen Sanierungslärm

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Konkret soll das Ziel der Energiespar-Sanierung rechtlich mehr Gewicht bekommen. Damit sind neue Fenster und Heizungen gemeint oder bessere Fassadendämmungen. Mietern bescheren diese Sanierungen meist wochenlang Lärm, Staub oder ein Gerüst vor dem Fenster. Deswegen die Miete zu mindern wie bei anderen Arbeiten, soll aber drei Monate lang nicht mehr möglich sein. Die Regierung will so gerade private Vermieter zu Investitionen ermuntern. "Es kommt dem Mieter zugute, wenn es künftig günstigere Nebenkosten geben kann, weil der Energieverbrauch verringert wird", argumentiert Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Mietern soll allerdings ein Sonderkündigungsrecht zum Ende des übernächsten Monats bleiben.

Immobilieneigentümer begrüßen die Pläne. Ihr Lobbyverband, Haus & Grund, nennt sie überfällig. Klimaschonende Modernisierungen würden dadurch wesentlich erleichtert. Mieter freuen sich naturgemäß weniger. Ihr Verband, der Deutsche Mieterbund, schlägt Alarm gegen das "Mietrechtsverschlechterungsgesetz" und glaubt nicht an einen Schub für Erneuerungen. Sollten in einem Zehn-Familien-Haus zwei Mieter die Miete um 20 Prozent kürzen, wären das bei einer Miete von je 600 Euro zusammen 240 Euro im Monat, rechnet Direktor Lukas Siebenkotten als Beispiel vor. "Hiervon aber wird kein vernünftig denkender Eigentümer eine Investition in Höhe von 300 Euro pro Quadratmeter, also etwa 200 000 Euro für ein Zehn-Familien-Haus, abhängig machen."

Später entstehende Einsparungen werden zum Problem

Tatsächlich dürfte die Frage entscheidend sein, ob und wie schnell sich die Investitionen für eine energetische Sanierung rechnen. Wenn der Eigentümer nur investiert, der Mieter aber von den Energieeinsparungen allein profitiert, kann die Rechnung nicht aufgehen. In solch einem Fall wird kaum ein Eigentümer eine Immobilie sanieren. Kluge Modelle, bei denen ein Teil der vermiedenen Energiekosten auf die Miete aufgeschlagen wird, bringen im Idealfall Mietern und Vermietern Vorteile.

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Ein Problem bleibt, dass den sofort anfallenden Sanierungskosten erst auf längere Dauer entstehende Einsparungen gegenüberstehen. Die Immobilieneigentümer in Deutschland sind häufig  älter (knapp die Hälfte der deutschen Eigentümer ist älter als 60 Jahre) – wenn sich die Investition zu ihren Lebzeiten nicht rechnet, werden auch die jetzt geplanten Gesetzesänderungen kaum etwas bringen.

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