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kolumne Engelmanns Eigenhandel: Die 100-Billionen-Frage: Wie rettet man den Euro?

Kolumne von Oliver Engelmann

US-Ökonom Paul Krugman fordert, zur Krisenbekämpfung die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Die Zeche zahlt der Bürger – mit höherer Inflation.

Die Euro-Gruppe eilt Zypern zur Hilfe und gewährt dem Land einen 10-Milliarden-Euro-Kredit. Im Gegenzug muss Präsident Nikos Anastasiades die Körperschaftssteuer anheben und die heimischen Sparer zur Kasse bitten. Die Ratingagenturen haben schon lange den Glauben an die Kreditfähigkeit des Landes verloren. Staatsanleihen der Mittelmeerinsel werden als Ramschpapiere bewertet.

Rating (S&P/Moody's/Fitch): CCC+/ Caa3 / BB-

Bild: AP/dpa

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Wäre der lustige Glückshase nicht im Showbusiness, sondern an der Börse, ihm wäre sein dämliches Grinsen schon lange vergangen. Das Plüschmonster, das 1993 in Hape Kerkelings Fernsehsatire "Kein Pardon" durch die Unterhaltungssendung "Witzischkeit kennt keine Grenzen" stolperte und dabei tapfer die Launen des cholerischen Showmasters Heinz Wäscher ertrug, müsste angesichts der kritischen Lage, in der sich Europa dieser Tage befindet, erkennen, dass "Witzischkeit" eben doch Grenzen kennt. Und das nicht nur bei der Suche nach gewinnbringenden Anlagen. Kerkelings Credo bewahrheitet sich: Mehr denn je erscheint das ganze Leben wie ein Quiz - ein Quiz, in dem Notenbanker wie Politiker nur die Kandidaten sind!

Die 100 Billionen Euro Frage lautet: Wie rettet man die Euro-Zone? Einen Publikumsjoker in Form von Volksentscheiden, der bei der Beantwortung dieser schwierigen Frage helfen könnte, sehen die Verfassungen in vielen der 17 Euro-Zonen-Staaten nicht vor. Auch dürfte das Ergebnis solcher Volksentscheide ziemlich vorhersehbar sein: Bürger in den wirtschaftlich starken Ländern der Euro-Zone dürften wohl einen strikten Sparkurs in ganz Europa empfehlen, während die in den notleidenden Staaten Konsolidierungsprogramme aller Wahrscheinlichkeit nach als Nagel am Sarg ihrer Volkswirtschaften geißeln und stattdessen Hilfsprogramme ohne Gegenleistungen fordern würden.

Estland

Estland machte 2011 keine Schulden, sondern generierte sogar einen Überschuss von 164 Millionen Euro beziehungsweise einem Prozent des BIPs. Der Schuldenstand des Staates belief sich damit auf geradezu lächerliche 965 Millionen Euro. Mit der neu eingeführten Luftverkehrsabgabe hätte Estland seine Staatsschulden komplett begleichen können. Die Summe, die Finanzminister Wolfgang Schäuble durch die Ticketsteuer einnahm, entspricht dem kompletten Haushaltsdefizit des Landes.

Bild: AP

Keynes lebt

Vielleicht sollten Politiker und Zentralbanker einen Telefonjoker bemühen. Zum Beispiel Paul Krugman, seines Zeichens Professor der Volkswirtschaftslehre an der amerikanischen Princeton University. Der skizziert in seinem jüngst erschienenen Buch "Vergesst die Krise! - Warum wir jetzt Geld ausgeben müssen" sein Rezept zur Lösung der amerikanischen Wirtschafts- und der europäischen Banken- und Staatsschuldenkrise. Krugman übt sich nicht in theoretisch-akademischer Besserwisserei - versandt mit herzlichen Grüßen aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft. Nein, wer das Buch des Nobelpreisträgers liest, bekommt eher den Eindruck: Hier macht sich jemand ernsthaft Gedanken um einen Weg aus der Krise.

Dabei kann Krugmans Plan zur Rettung der Welt mit einem Begriff zusammengefasst werden: Keynesianismus. Wiewohl der geistige Vater jenes wirtschaftspolitischen Modells, der britische Ökonom John Maynard Keynes, schon im Jahre 1946 verstorben ist, lebt seine Theorie noch heute fort. Mit Blick auf den katastrophalen Verlauf der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre, in der weder Regierungen noch Notenbanken Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft ergriffen hatten, forderte Keynes, der Staat müsse in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mittels der Finanz- und Geldpolitik die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigern, um so die Vollbeschäftigung wiederherzustellen. Krugman bläst nun ebenfalls in dieses Horn. Aber deutlicher stärker als sein akademischer Vorfahre. Krugman geißelt den amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, und den Federal Reserve Vorsitzenden, Ben Bernanke, ebenso als hasenfüßig wie Politiker und Zentralbanker der Euro-Zone.

Wofür die Deutschen bei der Euro-Rettung haften

Zwar hat es in den vergangenen Jahren weder dies- noch jenseits des Atlantiks an staatlich finanzierten Konjunkturprogrammen gemangelt, auch fluteten sowohl die amerikanische als auch die europäische Zentralbank die Märkte in nie gesehenem Ausmaß mit Liquidität. Dem amerikanischen Professor erscheint all das aber als nicht ausreichend, um der schwierigen Lage in Amerika und Europa Herr zu werden. Präsident Obamas 787 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm beispielsweise - aufgelegt als Antwort des amerikanischen Staates auf die Verwerfungen im Gefolge der Subprime-Krise - war in Krugmans Augen nur ein Tropfen auf den heißen Stein - gemessen an der gesamten Wirtschaftskraft der Staaten.

Schuldenkrise Taumelt Europa dem kollektiven Bankrott entgegen?

Deutschland hat sich mit den Hilfspaketen für die Euro-Krisenländer schon jetzt übernommen. Doch die Lasten für die Rettung des Südens steigen weiter. Wie lange geht das noch gut?

Schuldenkrise: Taumelt Europa dem kollektiven Bankrott entgegen?

Diese These Krugmans erscheint überraschend, empfindet man als volkswirtschaftlicher Laie 787 Milliarden Dollar doch schon als eine schier unvorstellbare Summe. Auch den Europäern attestiert der Nobelpreisträger Kleinmut und Zaghaftigkeit. Viel entschlossener müssten die Regierungen und die Europäische Zentralbank vorgehen: Die einen, in dem sie einer um ein Vielfaches größeren gesamteuropäischen Verschuldung zustimmten, die andere, in dem sie die geldpolitischen Schleusen noch weiter öffnet. Nur so seien Wachstum und Beschäftigung zu bewahren.

 

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.08.2012, 20:13 Uhrallesverloren

    Den Euro kann man nicht retten. Man kann den Euro vielleicht noch 10 Jahre länger bestehen lassen, indem man den Nordländern alle Schulden aufhalst. Dieser Zeitgewinn steht aber in keinem Verhältnis zu den Nachteilen.

    Statt eines lokalen Brandes wird es einen europäischen Flächenbrand geben.

    Die Hedgefonds und Staatsfonds werden sich alle sinnvollen Vermögenswerte in Europa unter den Nagel reissen. Die Hegefonds mit ihrem Eigenkapital und die Staatsfonds indem sie unbegrenzt ihre Papierwährungen drucken.

    Forderungen gegen einzelne Länder werden zu einem Bruchteil ihres Wertes aufgekauft, die Nordländer (insbesondere Deutschland) haften mit ihrer Zukunft und Europa wird eine Kolonie des Finanzkapitals.

    Wir sollten den Euro vorher aufgeben, bevor es zu spät ist.

  • 01.08.2012, 12:29 UhrKHD

    Um die 100 Billionen EURO Frage richtig zu beantworten, benötigt man keine Joker. Die richtige Antwort lautet : der EURO ist nicht zu retten.
    Die EURO Zone konvergiert zur Zeit in eine hohe Inflation, die sich über gerade angekündigten Massnahmen der EZB und nach dem Einsatz des ESM noch beschleunigen wird. Diese Inflation wird ab einem gewissen Grad zu einer Währungsreform mit nationalen Währungen führen.
    Indikatoren für die zur Zeit noch schleichende Inflation ist einerseits der stetig fallende Aussenwert des EURO, vor allem gegenüber der ebenfalls stark inflationierten Währung Dollar.
    Andererseits kontrakarieren die vom IWF und EU verordneten Sparmassnahmen in Staaten der Südperipherie die nötige Zinserhöhung durch die EZB im EURO Raum und bringen im Ergebnis statt der zu erwartenden Deflation in den kleinen Wirtschaftseinheiten eine höhere Inflation der Gesamteinheit EURO Raum, wodurch wiederum die Sparmassnahmen in den kleinen Einheiten neutralisiert und damit zur Sysiphusarbeit werden.

  • 31.07.2012, 23:28 UhrLilly

    "Krugmans Motto: Man sollte sein Geld ausgeben, bevor es immer weniger wert ist."

    Bezogen auf Staaten bedeutet es: das eine bedingt das andere.
    Geld ausgeben, um neues zu drucken, um mehr auszugeben, um wieder neues zu drucken und noch mehr auszugeben, etc. etc. also Inflation vom Feinsten.

    Es braucht somit schlussendlich keine Parallelwährung oder Währungsreform. Es reicht der Stempel auf jeden Geldschein:
    EuroLira.

    Schöne Grüße nach Princton und beehren / belehren Sie uns bitte nie wieder.

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