Engelmanns Eigenhandel: Die 100-Billionen-Frage: Wie rettet man den Euro?

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Die 100-Billionen-Frage: Wie rettet man den Euro?

Kolumne von Oliver Engelmann

US-Ökonom Paul Krugman fordert, zur Krisenbekämpfung die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Die Zeche zahlt der Bürger – mit höherer Inflation.

Wäre der lustige Glückshase nicht im Showbusiness, sondern an der Börse, ihm wäre sein dämliches Grinsen schon lange vergangen. Das Plüschmonster, das 1993 in Hape Kerkelings Fernsehsatire "Kein Pardon" durch die Unterhaltungssendung "Witzischkeit kennt keine Grenzen" stolperte und dabei tapfer die Launen des cholerischen Showmasters Heinz Wäscher ertrug, müsste angesichts der kritischen Lage, in der sich Europa dieser Tage befindet, erkennen, dass "Witzischkeit" eben doch Grenzen kennt. Und das nicht nur bei der Suche nach gewinnbringenden Anlagen. Kerkelings Credo bewahrheitet sich: Mehr denn je erscheint das ganze Leben wie ein Quiz - ein Quiz, in dem Notenbanker wie Politiker nur die Kandidaten sind!

Die 100 Billionen Euro Frage lautet: Wie rettet man die Euro-Zone? Einen Publikumsjoker in Form von Volksentscheiden, der bei der Beantwortung dieser schwierigen Frage helfen könnte, sehen die Verfassungen in vielen der 17 Euro-Zonen-Staaten nicht vor. Auch dürfte das Ergebnis solcher Volksentscheide ziemlich vorhersehbar sein: Bürger in den wirtschaftlich starken Ländern der Euro-Zone dürften wohl einen strikten Sparkurs in ganz Europa empfehlen, während die in den notleidenden Staaten Konsolidierungsprogramme aller Wahrscheinlichkeit nach als Nagel am Sarg ihrer Volkswirtschaften geißeln und stattdessen Hilfsprogramme ohne Gegenleistungen fordern würden.

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Keynes lebt

Vielleicht sollten Politiker und Zentralbanker einen Telefonjoker bemühen. Zum Beispiel Paul Krugman, seines Zeichens Professor der Volkswirtschaftslehre an der amerikanischen Princeton University. Der skizziert in seinem jüngst erschienenen Buch "Vergesst die Krise! - Warum wir jetzt Geld ausgeben müssen" sein Rezept zur Lösung der amerikanischen Wirtschafts- und der europäischen Banken- und Staatsschuldenkrise. Krugman übt sich nicht in theoretisch-akademischer Besserwisserei - versandt mit herzlichen Grüßen aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft. Nein, wer das Buch des Nobelpreisträgers liest, bekommt eher den Eindruck: Hier macht sich jemand ernsthaft Gedanken um einen Weg aus der Krise.

Dabei kann Krugmans Plan zur Rettung der Welt mit einem Begriff zusammengefasst werden: Keynesianismus. Wiewohl der geistige Vater jenes wirtschaftspolitischen Modells, der britische Ökonom John Maynard Keynes, schon im Jahre 1946 verstorben ist, lebt seine Theorie noch heute fort. Mit Blick auf den katastrophalen Verlauf der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre, in der weder Regierungen noch Notenbanken Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft ergriffen hatten, forderte Keynes, der Staat müsse in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mittels der Finanz- und Geldpolitik die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigern, um so die Vollbeschäftigung wiederherzustellen. Krugman bläst nun ebenfalls in dieses Horn. Aber deutlicher stärker als sein akademischer Vorfahre. Krugman geißelt den amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, und den Federal Reserve Vorsitzenden, Ben Bernanke, ebenso als hasenfüßig wie Politiker und Zentralbanker der Euro-Zone.

Wofür die Deutschen bei der Euro-Rettung haften

  • IWF-Beitrag zum Rettungsschirm

    Hierfür haften die Deutschen mit 15 Milliarden Euro.

  • EFSF-Hilfen für Krisenländer

    Falls Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien und Zypern ausfallen beträgt die Haftungssumme der Deutschen 80 Milliarden Euro.

  • Hilfen aus dem EU-Haushalt (EFSM)

    Die Haftung beträgt insgesamt 10 Milliarden Euro.

  • Haftungszusagen ESM

    Die Haftungszusagen für den ESM belaufen sich auf 190 Milliarden Euro.

  • Erstes Rettungspaket für Griechenland

    Allein das erste Rettungspaket für die Griechen schlägt mit 15 Milliarden zu Buche.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Deutschlands Haftungssumme für die Käufe von Staatsanleihen durch die EZB umfasst 57 Milliarden Euro.

  • Target-Forderungen an Krisenländer

    Der größte Haftungsbetrag von 408 Milliarden Euro wird fällig, falls es zu einem Zahlungsausfall kommen sollte und die Krisenländer aus dem Euro austreten.

Zwar hat es in den vergangenen Jahren weder dies- noch jenseits des Atlantiks an staatlich finanzierten Konjunkturprogrammen gemangelt, auch fluteten sowohl die amerikanische als auch die europäische Zentralbank die Märkte in nie gesehenem Ausmaß mit Liquidität. Dem amerikanischen Professor erscheint all das aber als nicht ausreichend, um der schwierigen Lage in Amerika und Europa Herr zu werden. Präsident Obamas 787 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm beispielsweise - aufgelegt als Antwort des amerikanischen Staates auf die Verwerfungen im Gefolge der Subprime-Krise - war in Krugmans Augen nur ein Tropfen auf den heißen Stein - gemessen an der gesamten Wirtschaftskraft der Staaten.

Schuldenkrise Taumelt Europa dem kollektiven Bankrott entgegen?

Deutschland hat sich mit den Hilfspaketen für die Euro-Krisenländer schon jetzt übernommen. Doch die Lasten für die Rettung des Südens steigen weiter. Wie lange geht das noch gut?

Quelle: dpa

Diese These Krugmans erscheint überraschend, empfindet man als volkswirtschaftlicher Laie 787 Milliarden Dollar doch schon als eine schier unvorstellbare Summe. Auch den Europäern attestiert der Nobelpreisträger Kleinmut und Zaghaftigkeit. Viel entschlossener müssten die Regierungen und die Europäische Zentralbank vorgehen: Die einen, in dem sie einer um ein Vielfaches größeren gesamteuropäischen Verschuldung zustimmten, die andere, in dem sie die geldpolitischen Schleusen noch weiter öffnet. Nur so seien Wachstum und Beschäftigung zu bewahren.

 

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