Engelmanns Eigenhandel: Draghis gefährliches Versprechen

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Draghis gefährliches Versprechen

Kolumne von Oliver Engelmann

Unser Kolumnist mag noch nicht daran glauben, dass die Krise am Anleihemarkt der Euro-Zone endgültig vorbei ist. Die Märkte wiegen Politiker und Anleger in trügerischer Sicherheit.

"Alles wird gut!" - das sagte schon Nina Ruge und zuckte mit der Augenbraue. Und hätte sie jene beschwörende Formel auf den Rentenmarkt bezogen, man müsste ihr fast schon hellseherische Fähigkeiten attestieren. Denn in der Tat scheint es dieser Tage so, als gehöre die Krise am Markt für festverzinsliche Wertpapiere in der Euro-Zone endgültig der Vergangenheit an. Ein Blick auf Renditen und Spreads genügt, um das beeindruckende Ausmaß der Erholung zu erkennen. Tagtäglich leuchten auf dem Nachrichtendienst Bloomberg Meldungen in flammendem Rot auf, die die frohe Kunde verbreiten: "Risikoaufschlag spanischer zu Bundesanleihen fällt unter 300 Basispunkte", "Rendite 10J-Anleihen Italien unter 4 Prozent, erstmal seit November 2010" oder "10y-Anleihen aus Frankreich rentieren mit Rekordtief von 1,708 Prozent". Die "Euro-Retter" dürfte das erfreuen.

Nicht gegen die Notenbank

Anzeige

Seit der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, im Spätsommer des vergangenen Jahres erklärte, die Notenbank sei bereit, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den Euro zu erhalten, kennen Anleihen der Peripherie - von wenigen schwachen Handelstagen abgesehen - nur noch eine Richtung: nach oben! Die Versicherung Draghis, falls notwendig entschieden handeln zu wollen, spannt ein Sicherheitsnetz unter das Trapez, auf dem die Akteure mit den Anleihen hin- und herschwingen. Wer will sich schon gegen die Notenbank stellen? Es herrscht in der Kulisse die Meinung vor, dass Zentralbanken in der Regel die tieferen Taschen haben. Gegen sie zu spekulieren, erscheint den meisten daher so aussichtsreich wie eine Partie Schach gegen Gari Kasparow. Ob diese Einschätzung gerechtfertigt ist oder nicht, bleibt abzuwarten. Vom Devisenmarkt weiß man, dass Interventionen einer Notenbank zu Gunsten einer Währung oftmals nur kurzfristige Effekte bewirken. Auf lange Sicht - so versichern einem erfahrene Händler - setzen sich immer die starken, einem Trend zu Grunde liegenden volkswirtschaftlichen Faktoren durch. Ob das in Bezug auf Draghis Versprechen, gegebenenfalls unbegrenzt Staatsanleihen der Euro-Zone kaufen zu wollen, auch zutrifft: Man weiß es nicht! Bislang hat der Markt dieses Versprechen keinem Test unterzogen. Und man könnte vermuten, dass derjenige, der die Druckerpresse im Keller stehen hat, tatsächlich bessere Karten hat als derjenige, der die Anleihen schwächerer Euro-Staaten für überbewertet hält.

Niedrige Rendite Die Mär vom Ende der Anleihe

Müssen Anleihen jetzt raus aus dem Depot?

Quelle: dpa/Montage

Bundesbank kritisiert Staatsfinanzierung 

Die Politik der Europäischen Zentralbank scheint auf den ersten Blick clever. Allein die Drohung, die Kurse der Anleihen zu stützen, hat bewirkt, dass diese zum Steigflug angesetzt und sich mittlerweile Meilen von jenen Renditeständen entfernt haben, die man in Rom, Madrid und andernorts als kritisch, da nicht auf Dauer nicht tragbar identifiziert hatte. Im Grunde eine gute Sache! Doch es gibt auch Kritik. Und die kommt sogar aus den eigenen Reihen. In der vergangenen Woche wurde der Inhalt einer Stellungnahme bekannt, die die Deutsche Bundesbank gegenüber dem Bundesverfassungsgericht abgegeben hat. Das versucht sich zurzeit eine Meinung über die Rechtmäßigkeit des Europäischen Stabilitäts-Mechanismus (ESM) zu bilden und ist in dieser Frage auf die Expertise der Frankfurter Zentralbanker angewiesen. Und die überraschen nun mit Antworten auf Fragen, die wahrscheinlich gar nicht gestellt wurden. Laut "Handelsblatt" bezweifelt man zu Füßen des Ginnheimer Spargels (so heißt der nahe der Bundesbank gelegene Fernsehturm in Frankfurt), ob die geldpolitische Wirkungskette tatsächlich gestört und der Kauf von Staatsanleihen somit gerechtfertigt sei. Jene Störung der geldpolitischen Wirkungskette war es nämlich, die Mario Draghi als Begründung für sein außergewöhnliches Vorgehen benannt hatte. Auch die Gefahr eines Austritts einzelner Staaten aus dem Euro darf nach Meinung der Bundesbank nicht als Begründung für ein solch umfangreiches Versprechen herhalten, wie es der Vorsteher der Europäischen Zentralbank im vergangenen Jahr abgegeben hat. Im grauen Betonklotz an der Wilhelm-Epstein-Strasse scheint man das "Outright Monetary Transaction Programm" (OMT) der EZB - so es denn wirklich eines Tages zum Einsatz käme - eher im Bereich der verbotenen Staatsfinanzierung denn in dem der Geldpolitik zu verorten.

Der Markt ist tot

Das Versprechen Mario Draghis ist aber auch noch aus anderen Gründen anfällig für Kritik. So hebelt es den freien Markt im Grunde genommen aus - genauso gut könnte man die Preise der Anleihen als Teil eines sozialistischen Fünfjahresplanes im Vorhinein festlegen. Investoren bekommen keine faire Prämie mehr für das Risiko, das sie übernehmen! Lägen der Bewertung des Rentenmarktes fundamentale Faktoren zu Grunde und würden sich die Preise der Anleihen im freien Spiel der Kräfte von Angebot und Nachfrage bilden, so ist anzunehmen, dass die Renditeabstände griechischer, italienischer, spanischer, portugiesischer und irischer Anleihen zu Bundesanleihen deutlich höher wären als sie es heute sind. Ein Blick nach Italien genügt, um zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%