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kolumne Engelmanns Eigenhandel: Gefährliche Renditen bei Bundesanleihen

Kolumne von Oliver Engelmann

Unser Kolumnist, der lange Zeit sinkende Renditen und steigende Kurse für Bundesanleihen richtig vorhergesagt hat, wird vorsichtiger. Den Kauf deutscher Staatsanleihen würde er nach den Beschlüssen des Brüsselers Gipfels, die Krisenstaaten wieder billiges Geld beschaffen, erst auf einem höheren Renditeniveau wieder erwägen.

Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Bundesrepublik Deutschland kann sich so billig verschulden wie nie zuvor. Damit Anleger ihre Euros in vergleichsweise sicheren Bundesanleihen parken durften, zahlten sie sogar zeitweise einen negativen Zins für kurzlaufende (bis zu einem Jahr laufende) Papiere. Anders gesagt: Die Bundesregierung zahlte auf neue Schulden keine Zinsen, sondern bekam sogar noch Geld geschenkt. Bei der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite nach dem ersten Rettungspaket der EU zwar wieder bis auf 3,5 Prozent an. Mit dem Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen und der wachsenden Sorge um die Euro-Länder Italien und Spanien sanken sie aber auf rund 1,2 Prozent. Seit diesem Tief ging es nur wenig aufwärts.

Bild: Bloomberg

Man kann das Bundesverdienstkreuz dafür verliehen bekommen, jahrzehntelang den Lebensraum der Bachstelze in der südlichen Wetterau vor Zerstörung bewahrt zu haben. Oder für ein "kompromissloses Bekenntnis zu gesellschaftspolitischer Verantwortung". So wie Marius Müller-Westernhagen. Dem heftete der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder 2001 höchstselbst den Orden an die Brust - am Bande, versteht sich! Westernhagen mache sich für Integration und Toleranz stark, so hieß es damals in der Begründung für die Verleihung des höchsten deutschen Ordens.

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Ein famoses Beispiel für Westernhagens Liebe zu Integration und Toleranz verkörpert der Text seines Erfolgshits "Dicke". Darin heißt es unter anderem: "Dicke haben schrecklich dicke Beine. Dicke haben 'n Doppelkinn. Dicke schwitzen wie die Schweine, stopfen, fressen in sich rinn." Wer diese Zeilen liest, den springen die Schlagworte Integration und Toleranz geradezu an.

Kummer gewohnt

Doch Dicke sind Kummer gewohnt. Es machen sich nicht nur Verdienstkreuz behangene Barden über Sie lustig, sondern auch Vertreter jener Spezies, die eigentlich für das seelische Heil ihrer Schutzbefohlenen Verantwortung tragen. So mancher "Pädagoge" empfindet es als besonderen Ausweis seines Humors, adipöse Kinder im Sportunterricht vor versammelter Klasse bloß zu stellen. So wie einer der Sportlehrer meiner Kindertage, der mich den Hürdenlauf auf einer separaten Bahn üben ließ - dort hatte er zuvor die Hindernisse auf den Kopf gestellt, so dass selbst eine fußkranke Maus sie problemlos hätte überwinden können.

Ein einziger Gedanke tröstet mich noch heute über jene schwere Demütigung hinweg: Der Sportlehrer wird noch viele Jahre in seiner muffigen Turnhalle verbracht haben, während ich das Glück hatte, mit meinem adipösen Körper durch die Weltgeschichte gondeln zu dürfen.

Hürden abgesenkt

Vielleicht tue ich jenem Sportlehrer aber auch Unrecht - vielleicht wollte er mir nur etwas Gutes tun. Denn manchmal müssen Hürden einfach abgesenkt werden, damit sie auch von Schwächeren überwunden werden können. Das scheint auch das Credo der Staats- und Regierungschefs gewesen zu sein, die sich am vergangenen Donnerstag und Freitag zu einem weiteren Krisengipfel im malerischen Brüssel trafen. Das Ei des Kolumbus, das sie in der Nacht von Donnerstag auf Freitag legten, besteht - vereinfacht gesprochen - aus einem Absenken der Hürden, die es bislang für finanzschwache Staaten zu überwinden galt, wollten sie finanzielle Hilfen der europäischen Partner in Anspruch nehmen.

Bemerkenswert an der Entscheidung, die Vergabe von finanziellen Hilfen künftig nicht mehr an strenge Sparprogramme zu knüpfen, die von der mittlerweile wohl berühmtesten Troika der Weltgeschichte aus Europäischer Zentralbank (EZB), Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) überwacht werden, ist, dass in Europa augenscheinlich mit zweierlei Maß gemessen wird. Während die Griechen, Iren und Portugiesen unter der Last der ihnen aufgebürdeten Sparprogramme ächzen, sollen Spanier und Italiener davon weitestgehend verschont bleiben.

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