Engelmanns Eigenhandel: Gold vor mehrjähriger Hausse?

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kolumneEngelmanns Eigenhandel: Gold vor mehrjähriger Hausse?

Kolumne von Oliver Engelmann

Goldbesitzer mussten in diesem Jahr einiges verkraften. Zu herben Verlusten gesellten sich Verschwörungstheorien über die Ursache des Preisabsturzes. Unser Kolumnist hat den Glauben ans Gold dennoch nicht verloren.

Ein verzückter Blick, ein Ausruf: "13 Trillionen, 224 Billionen, 567 Milliarden, 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer!" Mit diesen Worten auf den Lippen - oder sollte man besser sagen: auf dem Schnabel - taucht jener Erpel mit Zwicker und Gamaschen, den wir als Dagobert Duck kennen, buchstäblich in seinen Reichtum ein. Des alten Duck Geldspeicher ist Sinnbild für den ultimativen Reichtum, der auf harter Arbeit ebenso wie auf Geiz beruht - Motto: Geld hat man nicht vom Ausgeben. Doch ist Ihnen schon einmal eines aufgefallen? Im Planschbecken des Milliardärs finden sich nur an wenigen Stellen Bündel von Geldscheinen. In der Hauptsache ist der Duck'sche Geldspeicher mit Münzen gefüllt. Mit Goldmünzen! Zufall? Oder subtiler Hinweis der Zeichner auf wahre Werte?

Keine andere Vermögensklasse regt den menschlichen Geist so sehr zu Verschwörungstheorien der zum Teil verrücktesten Art an wie das gelbe Edelmetall, dem die Menschheit schon seit mehr als 2000 Jahren hinterher jagt. Mal wird vermutet, die Regierung der Vereinigten Staaten habe schon lange all ihre Goldbestände verkauft und wer Fort Knox besichtigen würde, fände nur noch leere Paletten und Spinnweben vor. Auch das Gold in den Kellern der Bank of England gab schon Anlass zur Spekulation, vermuteten Verschwörungstheoretiker doch, die Barren, die ihre Majestät Elisabeth II. erst im vergangenen Jahre besichtigte, bestünden im Inneren aus vergleichsweise wertlosem Wolfram. Und auch das deutsche Gold, das zu einem großen Teil in den Vereinigten Staaten gelagert wird, war schon Gegenstand erregter Debatten. Ich liebe Verschwörungstheorien und deshalb liebe ich auch Gold!

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Goldbesitzer mussten in diesem Jahr schon einiges verkraften. Zu herben Verlusten gesellten sich Spott und Häme all derjenigen, die Gold schon lange für überbewertet gehalten hatten. Es scheint gesellschaftlich fast zum guten Ton zu gehören, Goldbesitzer als eine Kaste realitätsfremder Spinner zu klassifizieren. Und natürlich tragen all jene Verschwörungstheorien, die sich um das gelbe Edelmetall ranken, nicht unwesentlich dazu bei, Goldbesitzer in eine Ecke mit Ufo-Forschern und anderen Weltfremden zu stellen. Das Problem: Verschwörungstheorien sind deshalb so kritisch, weil sie in der Hauptsache eines sind: Theorien! Keinem Normalsterblichen wird Zutritt nach Fort Knox gewährt; keine Notenbank wird einer Untersuchung ihrer Goldbestände auf Wolfram zustimmen. Und auch die Ursachen der massiven Einbrüche, die der Goldpreis in diesem Jahr zu verzeichnen hatte, bleiben weiterhin im Dunkeln.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

  • Goldnachfrage

    Die gesamte Goldnachfrage im dritten Quartal 2014 betrug 929,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q3'13: 952,8) gefallen.

    Quelle: World Gold Council

  • Schmucknachfrage

    Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im dritten Quartal 2014 insgesamt 534,2 Tonnen und ist damit um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q3'13: 556,3) gefallen.

  • Industrienachfrage

    Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im dritten Quartal 2014 auf 97,9 Tonnen und fiel, verglichen mit den 103,1 Tonnen im dritten Quartal 2013, um fünf Prozent.

  • Goldbarren- und Münznachfrage

    Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im dritten Quartal 2014 deutlich gesunken – auf 245,6 Tonnen. Ein Minus von 21 Prozent im Vergleich zu 2013 (Q3: 312,3).

  • EFTs und ähnliche Produkte

    Dass die Gesamtnachfrage nach Gold gefallen ist, ist auch auf die Abflüsse aus Gold-EFTs zurückzuführen. Im dritten Quartal 2014 beliefen sich diese auf 41,3 Tonnen. Allerdings ist das deutlich weniger als im Vorjahr. Im dritten Quartlal 2013 betrugen sie noch 120,2 Tonnen.

  • Notenbanken

    Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im dritten Quartal 2014 92,8 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von neun Prozent (Q3'13: 101,5).

  • Investment gesamt

    Die Goldnachfrage im Investment belief sich im dritten Quartal 2014 auf 204,4 Tonnen. Das ist eine minimale Steigerung von sechs Prozent, im Vorjahresquartal waren es 192 Tonnen.

Waren Verkäufe großer Investment-Legenden wie George Soros für den Absturz des Goldpreises verantwortlich? Oder hat sich - um einen Begriff der linken Frontfrau Sahra Wagenknecht zu benutzen - eine internationale "Finanzmafia" verschworen, den Goldpreis zu manipulieren? Oder haben am Ende gar die wichtigen Notenbanken der Welt für den signifikanten Einbruch gesorgt? Fragen über Fragen - keine Antworten. Nur Theorien. Verschwörungstheorien.

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3 Kommentare zu Engelmanns Eigenhandel: Gold vor mehrjähriger Hausse?

  • Interessanter Artikel. Allerdings vermisse ich den Iran in der Liste der Länder mit dem meisten Zentralbankgold. Da wurde fleißig aufgeholt.

  • Zitat Engelmann: "Ich persönlich habe meinen Glauben an die langfristige Werthaltigkeit des Goldes trotz der Kurseinbrüche dieses Jahres nicht verloren."

    Ich auch nicht!

  • In vielen Diskussionen und Foren wird Wert, Flexibilität, Stabilität von Gold immer mit anderen Anlageklassen verglichen. Tatsächlich ist Gold das einzig werthaltige, das Jahrtausende überdauert hat. Hunderte von Papierwährungen sind gekommen und unter gegangen. Goldbesitzer hatten nach jedem neuen Währungsstart immer ein beachtliches Anfangsvermögen, während die Papierwährung in der Regel gegen Null tendierte. In unserer modernen Zeit wurde neben der Papierwährung noch die "digitale Währungserzeugung" möglich, was die Stabilität eines Währungsraumes durch Zunahme von unbegrenzter Liquiditätserzeugung durch kaum mehr kontrollierbare Vermehrung und Manipulation weiter verschärft. Ich denke, wir befinden uns in der Endphase unseres aktuellen Geldsystems, da auch die Vorherrschaft des Dollars bei vielen Marktteilnehmern nicht mehr uneingeschränkt toleriert wird. Übrigens finden "hinter den Kulissen" jede Menge mit Goldversprechen gedeckte Kredit- und Finanzierungsgeschäfte statt. Auch Banken und Staaten müssen bei großen Krediten des IWF oder von anderen Staaten wie China oder Japan z. B. Kredite mit Gold oder Zentralbankgold bürgen. Wird nur leider immer gerne verschwiegen. Fazit: Wer glaubt, unser gegenwärtiges Papiergeldsystem würde ewig so weiter laufen muss ja kein Gold kaufen. Zumindest kann man sich mit dem wertlosen Papier später noch ein Lagerfeuer anzünden. Es entspricht aber jeder Vergangenheitserfahrung, das Staaten jemals Schulden zurück zahlen oder Papiergeld ewig Bestand hat. Der Euro ist z. B. nach etwas mehr als zehn Jahren bereits am Ende. Wer die Liste von Staatspleiten der letzten zehn Jahre sieht, und die Verschuldungsspirale aller Nationen weltweit, muss bemerken das hier unaufhaltsam der Countdown läuft. Ich habe da lieber etwas werthaltigeres in Besitz als nur einen Schuldschein aus Papier oder Zahlen auf einem digitalen Buchungskonto.

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