Engelmanns Eigenhandel: Margaret Thatcher und der Euro: Die Geschichte gibt ihr Recht

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Margaret Thatcher und der Euro: Die Geschichte gibt ihr Recht

Kolumne von Oliver Engelmann

Unser Kolumnist würdigt die Standhaftigkeit der in der vergangenen Woche verstorbenen früheren britischen Premierministerin – nicht nur in Währungsfragen.

Als Margaret Thatcher am 22. November 1990 in einer Sitzung des Unterhauses von einem Abgeordneten der oppositionellen Labour Party gefragt wurde, ob sie beabsichtige, auch nach dem Ausscheiden aus Ihrem Amt ihren eigenen, persönlichen Kampf gegen eine europäische Gemeinschaftswährung und eine unabhängige Notenbank fortzusetzen, da sorgte ein Hinterbänkler mit einem Zwischenruf für ausgelassene Heiterkeit. "Nein, sie wird der Präsident!", rief der in den Raum und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Sogar die "Eiserne Lady" amüsierte sich über den ungewöhnlichen Vorschlag, eines Tages die Führung der Europäischen Zentralbank zu übernehmen und kommentierte den Zwischenruf mit den Worten: "What a good idea!" Allerdings nicht, ohne sogleich eine einschränkende Bedingung hinzuzufügen. Wäre sie Präsidentin der Europäischen Zentralbank, dann gäbe es keine Notenbank, die niemandem verantwortlich sei, am wenigsten den nationalen Parlamenten, erklärte Thatcher mit erhobenem Zeigefinger, und erntete dafür viel Applaus.

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Europa-Kritikerin

Margaret Thatcher hat aus ihrer kritischen Haltung gegenüber Europa nie einen Hehl gemacht. Schon im Jahre 1984 setzte sie ein deutliches Zeichen, als sie den sogenannten "Britenrabatt" aushandelte. Mit der Begründung, die britische Landwirtschaft sei kleiner als die der anderen Staaten der Europäischen Gemeinschaft (EG), weshalb Großbritannien nicht in gleichem Umfang von Agrarsubventionen profitiere, forderte Thatcher damals einen Nachlass auf den britischen Nettobeitrag zum Haushalt der EG. Und bekam ihn! Thatchers entschlossenes Vorgehen sparte der britischen Staatskasse bis heute Milliarden. Und wurde zugleich Beleg für die Abneigung, die man in Großbritannien gegenüber Europa hegt. Eine gemeinsame Währung? Eine Notenbank, die niemandem Rechenschaft ablegen muss? Für die konservative Baroness Thatcher ein Gräuel! Und auch für viele ihrer Landsleute. Kein Wunder also, dass man sich in London später dazu entschied, dem Euro nicht beizutreten, sondern die eigene Währung samt Notenbank zu behalten und so einen vom Rest Europas unabhängigen Weg zu beschreiten. Die Haltung der früheren britischen Premierministerin, sich dem damals herrschenden politischen Mainstream so entschieden zu widersetzen,  verdient Respekt. So mancher hierzulande wünschte sich inzwischen wohl, Helmut Kohl wäre ein ebenso entschiedener Gegner der europäischen Währungsunion gewesen.

Das Pfund hätte sie niemals geopfert

Mit ihrer kritischen Haltung gegenüber Europa und einer Gemeinschaftswährung stand Margaret Thatcher in starkem Kontrast zu dem früheren deutschen Bundeskanzler. Helmut Kohl sieht in der Einführung des Euro noch heute eine der größten Errungenschaften seiner Regierungszeit - nach der deutschen Wiedervereinigung. Und auf deren Altar hat er - glaubt man den Geschichtsbüchern - die D-Mark geopfert. Dass der Euro ohne eine europaweit einheitliche Wirtschafts- und Finanzpolitik der an der Gemeinschaftswährung beteiligten Staaten über kurz oder lang in Probleme geraten könnte, interessierte 1992 keinen der politisch Verantwortlichen - weder in Bonn noch andernorts. Bis auf Margaret Thatcher. Allerdings zog die aus jener Erkenntnis einen anderen Schluss. Für sie bedeutete die Einführung des Euro nichts anderes, als die Etablierung eines föderalen, europäischen Bundesstaates durch die Hintertür. Und einen solchen lehnte die "Eiserne Lady" entschieden ab. "Downing Street 10" durch eine im fernen Brüssel sitzende Regierung ersetzen zu lassen, wäre für Margaret Thatcher niemals in Frage gekommen. Sich dem Euro entgegenzustellen, war für Thatcher also nicht nur eine Frage des Geldes, bei dem die Freundschaft bekanntermaßen sowieso aufhört, sondern vor allem eine Frage der politischen Unabhängigkeit.

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