kolumneEngelmanns Eigenhandel: Staatsanleihen - Anlegern droht Enteignung

05. Februar 2013
Kolumne von Oliver Engelmann

Seit Jahresbeginn erleichtern "collective action clauses" den Euro-Staaten die Umschuldung ihrer Verbindlichkeiten. "Umschuldung", meint unser Kolumnist, steht für nichts anderes als eine teilweise Enteignung der Gläubiger. Dass Anleger gemäß der neuen Klauseln darüber abstimmen dürfen, macht den Forderungsverzicht nicht angenehmer. Für Kleinanleger gilt deshalb heute mehr denn je, dass festverzinsliche Wertpapiere - egal von wem  - nicht mehr länger  risikolose "Witwen- und Waisenpapiere" sind.

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Kleinaktionäre sind in der Regel machtlos. Wer nur eine geringe Anzahl Dividendentitel sein Eigen nennt, dürfte das sicher schon so empfunden haben. Zwar hat man als Aktionär das Recht, an der Hauptversammlung der Gesellschaft, deren Papiere man hält, teilzunehmen. Auch darf man als Miteigentümer des Unternehmens über so gewichtige Dinge wie die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, die Ausschüttung einer Dividende oder geplante Kapitalmaßnahmen abstimmen.

Doch was auf dem Papier nach einer großartigen Möglichkeit aussieht, Einfluss auf die Geschäftspolitik des "eigenen" Unternehmens zu nehmen, entpuppt sich in der wirtschaftlichen Realität als stumpfe Waffe. Denn der Kleinaktionär - das sagt schon der Name - besitzt nur einen kleinen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft - das Gewicht seiner Stimme ist somit begrenzt. Dominiert werden die Hauptversammlungen schon seit vielen Jahrzehnten von Großaktionären und den Vertretern von Kreditinstituten, Versicherungen und Investmentfonds, die ihr eigenes Stimmrecht oder das ihrer Kunden ausüben.

Trost am Buffet

Da verwundert es nicht, dass Kleinaktionäre ihren Trost seit jeher am kalten Buffet suchen, das auf Hauptversammlungen oft kostenfrei serviert wird. Oder sollte ich besser schreiben "serviert wurde"? Ich erinnere mich noch gut an das Aktionärstreffen eines Stahlunternehmens, das ich vor 25 Jahren als Auszubildender im Auftrag meines damaligen Arbeitgebers - einer deutschen Großbank - besuchen durfte.

Engelmanns Eigenhandel Französische Staatsanleihen: Kaufen, halten oder verkaufen?

Unser Kolumnist bemüht sich, zu Schulzeiten angesammelte Ressentiments nicht auf sein Anlageurteil durchschlagen zu lassen. Trotzdem bleibt er skeptisch für französische Staatspapiere.

Engelmanns Eigenhandel: Französische Staatsanleihen: Kaufen, halten oder verkaufen?

Zwei Dinge hinterließen damals einen nachhaltigen Eindruck auf mich: zum einen, dass ich als Vertreter meiner Bank - natürlich nach vorheriger, genauer Instruktion durch den Chef - das Stimmrecht für eine mir geradezu absurd hoch erscheinende Anzahl von Aktien ausüben durfte, zum anderen, dass sich in einer Pause der Hauptversammlung am kalten Buffet eine Schlacht abspielte, die selbst die von Worringen - immerhin die blutigste Schlacht des Mittelalters - in den Schatten zu stellen schien. Heerscharen von Aktionären stürzten sich auf Kaffee, belegte Brote und Frikadellen - mancher wickelte die Buletten sogar in eigens mitgebrachtes Zeitungspapier(!) ein, um sie anschließend in seiner Aktentasche zu verstauen und als Abendbrot mit nach Hause zu nehmen.

Seit 1987 habe ich keine Hauptversammlung mehr besucht, aber es steht zu befürchten, dass die Gratis-Verköstigung von Aktionären angesichts des Effizienzstrebens deutscher Unternehmensvorstände nicht mehr zu den Tagesordnungspunkten einer Hauptversammlung gehört und den Aktionären zwischenzeitlich so auch noch die letzte Freude geraubt wurde.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 09.02.2013, 10:53 Uhrseemann

    Geld für den Staat in Form von "Staatsanleihen"!? Nun, die Großen
    Geldvertreiber mögen darin inren Sinn sehen, da "der Staat" jede Macht hat (wie schon im tausendjährigen Reich) seine Bürger zu knechten bis die Schwarte kracht, eben für die Besitzer dieser
    verzinsten Schuldscheine. Die Besitzer können i. d. R. davon ausgehen dass der verschuldete Staat nach seiner Pfeife tanzt.
    Man sieht es aktuell seit einem Jahrzehnt in diesem Europa, vor
    ann. drei Jahrzehnten z. B. im fernen Argentinien und was folgte.
    Der kleine Mann sollte sich da raushalten, wenn er den Staat,
    den Staatsapparat zu kennen scheit.

  • 05.02.2013, 20:45 UhrCharly

    Seien wir doch mal realistisch, solche Zinspapiere haben den Charakter der staatlichen Version eines Junk-Bonds, - Nur dass Junk-Bonds in der Regel höher verzinst sind.

    Solche Papiere tragen doch die Erwartung des Betruges schon in sich, sie bieten sich gewissermassen dafür an.

    Betrachten wir es noch mal tiefer, - und ich habe das in der einen oder anderen Form bereits geäussert - die sogenannte Finanzkrise ist nur die äusserlich sichtbare Ansicht des Problems, eine Seite einer multidimensionalen Medaille oder die Spitze des Eisbergs die gerade aus dem Wasser ragt.

    Der bittere Kern ist der Zerfall der zivilatorischen Werte des Westens.
    Generationen haben dafür gekämpft und zum Teil ihr Leben gelassen um aus einem dunklen Mittelalter der Willkür wo das Recht des Stärkeren galt zur modernen Staatsvorstellung des Rechtsstaats zu kommen. Seit etwa drei Jahrzehnten sind diese Werte wieder im sinken. Wir sind längst zurück auf dem Weg in den Wilden Westen bzw. in ein High-Tech Mittelalter in dem es keine Rechte mehr gibt ausser der Willkür der Herrschenden.

    Schaut mal auf Demonstrationen, - dort sind nicht mehr die Jungen vertreten die ihre Zukunft gestalten wollen sondern die Älteren die für den Erhalt der rechtsstaatlichen Ordnung demonstrieren.

    Die dekadente Jugend ist damit beschäftigt auf ihren Smartphones zu herum wischen in dem irrigen Glauben das bequeme Leben der Spassgesellschaft würde immer so weitergehen.

    Die sogenannte Finanzkrise ist nur die Folge des Problems - nicht deren Ursache. Der bequemen Gesellschaft fehlt lange schon die Widerstandskraft um gegen die Entzivilisierung vorzugehen.

    Und hört mal genau hin, dann hört ihr die Klavierspieler, sie spielen schon auf der Titanic.

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