Engelmanns Eigenhandel: Staatsanleihen - Anlegern droht Enteignung

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Staatsanleihen - Anlegern droht Enteignung

Kolumne von Oliver Engelmann

Seit Jahresbeginn erleichtern "collective action clauses" den Euro-Staaten die Umschuldung ihrer Verbindlichkeiten. "Umschuldung", meint unser Kolumnist, steht für nichts anderes als eine teilweise Enteignung der Gläubiger. Dass Anleger gemäß der neuen Klauseln darüber abstimmen dürfen, macht den Forderungsverzicht nicht angenehmer. Für Kleinanleger gilt deshalb heute mehr denn je, dass festverzinsliche Wertpapiere - egal von wem  - nicht mehr länger  risikolose "Witwen- und Waisenpapiere" sind.

Kleinaktionäre sind in der Regel machtlos. Wer nur eine geringe Anzahl Dividendentitel sein Eigen nennt, dürfte das sicher schon so empfunden haben. Zwar hat man als Aktionär das Recht, an der Hauptversammlung der Gesellschaft, deren Papiere man hält, teilzunehmen. Auch darf man als Miteigentümer des Unternehmens über so gewichtige Dinge wie die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, die Ausschüttung einer Dividende oder geplante Kapitalmaßnahmen abstimmen.

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Doch was auf dem Papier nach einer großartigen Möglichkeit aussieht, Einfluss auf die Geschäftspolitik des "eigenen" Unternehmens zu nehmen, entpuppt sich in der wirtschaftlichen Realität als stumpfe Waffe. Denn der Kleinaktionär - das sagt schon der Name - besitzt nur einen kleinen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft - das Gewicht seiner Stimme ist somit begrenzt. Dominiert werden die Hauptversammlungen schon seit vielen Jahrzehnten von Großaktionären und den Vertretern von Kreditinstituten, Versicherungen und Investmentfonds, die ihr eigenes Stimmrecht oder das ihrer Kunden ausüben.

Trost am Buffet

Da verwundert es nicht, dass Kleinaktionäre ihren Trost seit jeher am kalten Buffet suchen, das auf Hauptversammlungen oft kostenfrei serviert wird. Oder sollte ich besser schreiben "serviert wurde"? Ich erinnere mich noch gut an das Aktionärstreffen eines Stahlunternehmens, das ich vor 25 Jahren als Auszubildender im Auftrag meines damaligen Arbeitgebers - einer deutschen Großbank - besuchen durfte.

Engelmanns Eigenhandel Französische Staatsanleihen: Kaufen, halten oder verkaufen?

Unser Kolumnist bemüht sich, zu Schulzeiten angesammelte Ressentiments nicht auf sein Anlageurteil durchschlagen zu lassen. Trotzdem bleibt er skeptisch für französische Staatspapiere.

Dunkle Wolken über der Pariser Börse - Viele Anleger fragen sich, ob französische Anleihen weiterhin als Geldanlage geeignet sind Quelle: dapd

Zwei Dinge hinterließen damals einen nachhaltigen Eindruck auf mich: zum einen, dass ich als Vertreter meiner Bank - natürlich nach vorheriger, genauer Instruktion durch den Chef - das Stimmrecht für eine mir geradezu absurd hoch erscheinende Anzahl von Aktien ausüben durfte, zum anderen, dass sich in einer Pause der Hauptversammlung am kalten Buffet eine Schlacht abspielte, die selbst die von Worringen - immerhin die blutigste Schlacht des Mittelalters - in den Schatten zu stellen schien. Heerscharen von Aktionären stürzten sich auf Kaffee, belegte Brote und Frikadellen - mancher wickelte die Buletten sogar in eigens mitgebrachtes Zeitungspapier(!) ein, um sie anschließend in seiner Aktentasche zu verstauen und als Abendbrot mit nach Hause zu nehmen.

Seit 1987 habe ich keine Hauptversammlung mehr besucht, aber es steht zu befürchten, dass die Gratis-Verköstigung von Aktionären angesichts des Effizienzstrebens deutscher Unternehmensvorstände nicht mehr zu den Tagesordnungspunkten einer Hauptversammlung gehört und den Aktionären zwischenzeitlich so auch noch die letzte Freude geraubt wurde.

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