Engelmanns Eigenhandel: Verzweifelung unter Privatanlegern

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Verzweifelung unter Privatanlegern

Kolumne von Oliver Engelmann

Wer sein Vermögen hauptsächlich in festverzinslichen Wertpapieren anlegte, steht vor schmerzhaften Entscheidungen. Kleinste Bewegungen können qualvoll sein - wie bei einem Hexenschuss.

Arthur Schopenhauer definierte Glück dereinst als Leben ohne Schmerzen. Seit dem vergangenen Wochenende weiß ich, dass der große Frankfurter Philosoph damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Denn als ich Samstagmorgens mit Schwung und voller Tatendrang aus dem Bett steigen wollte, durchfuhr mich ein Rückenschmerz mir bis dato unbekannter Dimension. Gewiss, Männer neigen zur Wehleidigkeit und machen in punkto Schmerz aus jeder Mücke einen Elefanten.

Doch trotz dieser Einsicht und dem festen Willen, ein kleines Zipperlein nicht zur schwerwiegenden Verrenkung hochzustilisieren - zumal eh niemand da war, der mich hätte bemitleiden können -, brauchte ich sage und schreibe eine Dreiviertelstunde, um - an Türrahmen und Wänden entlang hangelnd - das Badezimmer zu erreichen.

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Einen Hexenschuss, so nennt der medizinische Laie wohl jenen Blitz, der mir von jetzt auf gleich in den Rücken gefahren war und jede Form der Bewegung zur Qual werden ließ. Später, im Wohnzimmer auf der Couch liegend, fragte ich mich, wie ich mich nun wohl in meiner Wohnung bewegen könnte, ohne mich ständig an Bücherregalen, Schränken und Kommoden festzuhalten. Und da kam mir der zündende Gedanke, die rettende Idee: Ich erinnerte mich an Marko Kantaneva.

Indoor Nordic Walking

Wie kaum ein anderer hat sich Marko Kantaneva um den Breitensport verdient gemacht. Denn der Finne erfand im Jahre 1997 das "Nordic Walking", eine Sportart, bei der man - einen Teil des Körpergewichts auf zwei Stöcken abstützend - flotten Schrittes durch die Natur wandert. Insbesondere für etwas molligere Zeitgenossen bietet das "Nordic Walking" eine gelenkschonende Alternative zum herkömmlichen "Jogging".

Nur böse Ketzer behaupten, Kantaneva habe lediglich nach einem Weg gesucht, Skistöcke auch im Hochsommer verkaufen zu können. Heute betreiben allein in Deutschland Zehn-, wenn nicht sogar Hunderttausende das "Nordic Walking" und in mancher Parkanlage könnte man schon zu dem Trugschluss gelangen, der doch eigentlich in unseren Breitengraden vom Aussterben bedrohte Klapperstorch sei in großen Schwärmen aus Afrika nach Deutschland zurückgekehrt.

Während mir also am Samstag der Rücken entsetzlich zwickte, erinnerte ich mich an den Erfinder des "Nordic Walking", vor allem aber auch daran, dass ich mir vor Jahren selbst einmal ein Paar jener Zauberstöcke in dem Glauben zugelegt hatte, ich könnte mit ihrer Hilfe zu einem mopsfidelen Athleten mutieren. Meine Karriere als Nordic Walker war allerdings schon nach drei Trainingseinheiten beendet: Zum einen war es mir peinlich, auf Krücken gestützt durch die Frankfurter Parkanlagen zu laufen, zum anderen bildeten sich schon nach kurzer Zeit Blasen und Schwielen an meinen Händen.

Die Stöcke mussten so fortan das Schicksal manch anderen Sportgerätes teilen und in meiner Besenkammer vor sich hin stauben. Bis zum Samstag. Denn kaum hatte ich mich ihrer erinnert, da humpelte ich auch schon zu jener Besenkammer und kramte die Stöcke hervor, mit denen ich nun eine neue Trendsportart betreibe: das "Indoor Nordic Walking".

Keine auskömmlichen Renditen mehr

Wer darauf verfällt, sich an Nordic Walking Stöcken durch die eigenen vier Wände zu bewegen, der muss schon ziemlich verzweifelt sein. Verzweifelt dürften dieser Tage auch viele Privatanleger sein. Wer sein Vermögen bislang hauptsächlich in festverzinslichen Wertpapieren anlegte, sieht sich heute einem Umfeld gegenüber, das Anlageentscheidungen ähnlich qualvoll werden lässt wie Bewegungen bei Hexenschuss.

Vorbei die Zeiten, in denen man mit einem Depot aus Staatsanleihen, Pfandbriefen und Industrieanleihen auskömmliche Renditen erwirtschaften konnte - das Ganze auch noch bei äußerst geringen Ausfallwahrscheinlichkeiten. Leser einschlägiger Fachzeitschriften erwarten sich von der Lektüre solcher Publikationen oftmals konkrete Tipps zur Vermögensanlage. Empfehlungen wie "Kaufen Sie die Anleihe X oder Y!" wären ihnen am liebsten. Nur sind solcherlei Empfehlungen in letzter Zeit selten geworden. Blicken wir auf die drei oben genannten Anleihetypen und das aktuelle Marktumfeld, wird schnell klar warum.

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