Engelmanns Eigenhandel: Viel Glück mit Anleihen der Draghi-Profiteure

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kolumneEngelmanns Eigenhandel: Viel Glück mit Anleihen der Draghi-Profiteure

Kolumne von Oliver Engelmann

Seit Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) ankündigte, alles zu tun, um den Euro zu halten, haben Staatsanleihen der südeuropäischen Krisenstaaten massiv gewonnen. Ihre Renditen und damit die Zinsen, die Regierungen zahlen müssen, haben sich mit Siebenmeilenstiefeln wieder denen deutscher Papiere genähert. Unser Kolumnist grämt sich trotzdem nicht über entgangene Gewinne.

Über was ärgert sich der Börsianer mehr? Über unrealisierte Verluste oder über entgangene Gewinne? Wenn ich das Verhalten eines meiner Kollegen zum Maßstab nehme, dann wohl eher über entgangene Gewinne. Denn seit geraumer Zeit liegt mir jener Kollege nahezu täglich mit dem Kursverlauf irgendeines dubiosen "Hightech"-Unternehmens in den Ohren, das in kürzester Zeit seinen Marktwert verhundertfacht hat! So zumindest klingt es in seinen Erzählungen. Das Kuriose: Wiewohl er die Aktie und ihr Schicksal nahezu täglich beobachtet, gehört er nicht zum Kreis derjenigen, die mit einem Investment in die Aktie ihr Vermögen binnen kürzester Zeit vervielfacht haben.

In Wahrheit mildern die Kursgewinne der Aktien nur die Verluste des Kollegen. Denn der hatte schon investiert, als die Aktie noch um ein Vielfaches über dem derzeitigen Kurs notierte und man der Firma Chancen zubilligte, in ihrem Geschäft den Lauf der Welt auf revolutionäre Weise zu verändern. Daraus wurde leider nichts. Die Wut über die entgangenen Gewinne der vergangenen Tage und Wochen wiegt merkwürdigerweise ungleich schwerer als die über den zuvor entstandenen (Total)Verlust.

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Fulminanter Kursanstieg

Ähnlich empfinden viele, die im Frühjahr 2012 "freiwillig" auf einen Großteil ihrer Forderungen gegenüber dem griechischen Staat verzichten mussten. Denn kaum waren die Altanleihen jener Gläubiger zu denkbar schlechten Bedingungen und unter Inkaufnahme herber Verluste in neue, langlaufende Staatsanleihen mit Kupons getauscht, die eher denen deutscher Bundesanleihen ähneln, da setzten diese auch schon zu einem fulminanten Kursanstieg an, der die Notierungen von einem Tief bei knapp 14 Euro auf mittlerweile nahezu 70 Euro ansteigen ließ. Wer auf dem Kurstief nicht runtergemischt hat - und das dürften viele der in ihrem Vertrauen auf staatliche Schuldner Erschütterten gewesen sein - ärgert sich nun umso mehr. Vor allem dann, wenn besondere Schlauberger den Kauf der Griechen-Bonds im Nachhinein als sogenannten "No-Brainer-Trade" bezeichnen! Herzlichen Dank auch!

Gbureks Geld-Geklimper Die EZB spielt mit Staatsanleihen - und mehr

Zwischen Mario Draghi und Jens Weidmann schwelt ein Konflikt. Erst in einem Jahr werden wir erfahren, wie ernst er wirklich ist. Bis dahin nimmt das Spiel mit Staatsanleihen skurrile Formen an.

Kontrahenten im Kampf um die richtige Geldpolitik: Jens Weidmann und Mario Draghi. Quelle: dpa/Montage

Ähnliches gilt - in geringerem Umfang - auch für die Anleihen anderer Peripherie-Staaten, ja selbst für die Belgiens und Frankreichs. Denn seit der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) jenes berühmte Wort gelassen ausgesprochen hat, wonach die Notenbank alles tun werde, um den Euro zu erhalten, fühlen sich viele Anleihegläubiger, als hätten sie neben der Anleihe gleichzeitig auch noch einen Credit Default Swap auf den Emittenten erworben, der sie im Falle aller Fälle gegen jedweden Verlust absichert! Auch die niedrigen Zinsen und die langfristigen Tendergeschäfte der Notenbank haben die Kurse nahezu aller vom Markt zuvor kritisch beäugten Staatsanleihen über das vergangene Jahr hinweg kräftig ansteigen lassen. So engte sich der Renditeabstand zwischen spanischen und deutschen Staatsanleihen seit Mitte 2012 um sagenhafte 400 Basispunkte ein, der zwischen französischen und deutschen immerhin noch über 100 Basispunkte! Solche Veränderungen von Renditedifferenzen zwischen einzelnen Emittenten stellen im Anleihenuniversum Distanzen wie zwischen zwei Galaxien im All dar! Wer im Sommer 2012 beispielsweise griechische, spanische, italienische, portugiesische, französische oder irische Staatsanleihen gekauft hat, kann sich zwischenzeitlich über massive Kursgewinne seiner Papiere freuen! Und derjenige, der den Zug verpasst hat? Muss der sich schwarz ärgern?

"Wer wird denn gleich in die Luft gehen?"

Wer nicht investiert war, könnte angesichts der massiven Kursgewinne europäischer Staatsanleihen tatsächlich versucht sein, in die Luft zu gehen wie das berühmte "HB-Männchen". Doch gilt in dieser Frage, was in Bezug auf jede Börsenentscheidung gilt: "Wenn man vom Rathaus kommt, ist man immer klüger!" Dass Mario Draghis Versprechen, alles tun zu wollen, um den Euro zu retten, so nachhaltig wirken würde, war zum Zeitpunkt jenes heiligen Schwurs nicht unbedingt abzusehen. Wer sich im vergangenen Jahr noch an die vergeblichen Versuche der EZB aus den Jahren 2010 und 2011 erinnerte, die Kurse von Staatsanleihen der Euro-Land-Peripherie durch eigene Käufe von Wertpapieren zu stützen, durfte durchaus daran zweifeln, dass die Notenbank in der Lage sein würde, den Markt dauerhaft in die Schranken zu weisen. Bislang hat die EZB diesen Beweis auch nicht antreten müssen, kannten die Renditen seit Draghis Bekenntnis zum Euro im Handel doch stets nur eine Richtung: nach unten.

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