Engelmanns Eigenhandel: Zypern-Chaos: Sparen ist eine kostspielige Tugend

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Zypern-Chaos: Sparen ist eine kostspielige Tugend

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Unser Kolumnist erinnert sich an die guten alten Zeiten, in denen die Vorsorge noch Spaß machte - Und warnt davor, wie Sparen in Zeiten der Euro-Krise immer mehr zum Drahtseilakt wird

Kolumne von Oliver Engelmann

Nicht genug, dass Inflation und Minizinsen Sparguthaben schmelzen lassen. Am Beispiel des kleinen Zypern soll jetzt wohl erprobt werden, ob der europäische Sparer seine offene Enteignung in stiller Demut hinnimmt, fürchtet unser Kolumnist.

Erinnern Sie sich noch an Backbert und Steuerbert? Oder an Pomm-Fritz und Pomm-Friedel? Oder an Walter Wildfang, Schlapf und Emmerich? Wer seine Kindheit in den 70ern oder  später verlebt hat, dürfte die Herrschaften kennen. Denn neben Didi und Dodo gehören all diese bunten Charaktere zu den Helden einer Comicserie, die seit 1974 vom Deutschen Sparkassen Verlag produziert und in den Sparkassen kostenlos an Kinder verteilt wird. Selige Zeiten, in denen wir nach der Schule die Sparkasse stürmten, um das neueste KNAX-Heft zu ergattern. Mein persönlicher Lieblingsknaxianer war natürlich Gantenkiel, der Schreiber und Bankier! Zwar konnte der es in Sachen Vermögen nicht mit dem legendären Dagobert Duck aufnehmen, doch faszinierte mich an ihm die Vorstellung, eines Tages selbst in einem Kaufmannskontor zu sitzen und Zahlenkolonnen in ein Hauptbuch einzutragen. Mit einem Gänsekiel - versteht sich!

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Als das sparen noch Spaß machte

Selig waren die Zeiten damals übrigens nicht nur wegen der Knax-Hefte. Auch das Sparen machte noch Spaß. Man schleppte von Zeit zu Zeit sein Schwein zur Bank, schlachtete es mitten in der Schalterhalle und fand die vielen Münzen nur wenig später wie von Zauberhand verwandelt als einen Eintrag im Sparbuch wieder. Und für jede Mark, die man auf diesem Sparbuch hatte, bekam man am Jahresende mindestens drei Prozent Zinsen - welch wundersame Geldvermehrung! Manch Erwachsener nörgelte damals: "Drei Prozent Spareckzins - viel zu niedrig!" Nur Kinder legten ihr Geld zu solchen "Micky-Maus-Zinsen" an. Wie sich die Zeiten gewandelt haben! Böten Banken und Sparkassen heute eine Verzinsung von drei Prozent auf ihre Spareinlagen, sie dürften sich vor Kunden wohl kaum retten können.

Sparer leiden schon seit Jahren unter den niedrigen, hauptsächlich durch die Geldpolitik der Zentralbanken beeinflussten Einlagezinssätzen der Kreditinstitute. Oftmals wird über den Zins noch nicht einmal die Inflation ausgeglichen, auch der Fiskus will seinen Anteil - per saldo verliert der Sparer so Jahr für Jahr Geld.

Mehr Zins, mehr Risiko

Wenn die Bank Pleite geht

  • Europäische Regelung

    Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100 000 Euro pro Anleger.

  • Deutschland

    Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

  • Alternative Regelungen

    Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

  • Risiken

    Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

  • Auf Nummer Sicher

    Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Ein weiterer Vorteil: Der Schriftverkehr mit den Behörden erfolgt im Entschädigungsfall auf Deutsch.

Kein Wunder, dass sich so mancher in den vergangenen Jahren nach Alternativen umgesehen hat - nicht selten mit verheerenden Folgen für sein Erspartes. Ob Staatsanleihen, Geldmarktkonten bei isländischen Banken oder offene Immobilienfonds - vieles, was als ähnlich sicher erschien wie die Anlage von Geld auf Spar- oder Festgeldkonten deutscher Kreditinstitute, entpuppte sich im Nachhinein als mit hohen Risiken behaftete Investition. Dabei wurden Bankkunden von manch negativen Entwicklungen ebenso überrascht wie ihre Berater. So galten griechische Staatsanleihen noch vor Jahren als sichere Anlagemöglichkeit, wurden isländische Banken aus der ganzen Welt mit Einlagen überschüttet und offene Immobilienfonds als langweilige, aber solide Kapitalanlage betrachtet. Die alte Börsenregel, wonach eine höhere Verzinsung von Kapital nur durch die Übernahme eines höheren Risikos zu erzielen ist, blieb weitestgehend unbeachtet, weil Risiken weit und breit nicht zu entdecken waren.

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