exklusivErnsthaftes Kaufinteresse: Ecclestone greift nach Nürburgring

15. Januar 2014
Foto von Bernie Ecclestone Quelle: APBild vergrößern
Der 1930 geborene Engländer Bernard Ecclestone ist Formel-1-Chef und wurde 2013 angeklagt wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue. Quelle: AP

Für den insolventen Traditions-Rennparcours Nürburgring winkt Rettung von prominenter Seite: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat sich mitten im laufenden Bieterverfahren überraschend als ernsthafter Kaufinteressent für die deutsche Rennstrecke in Stellung gebracht.

„Wir haben ein Angebot gemacht und wir warten nun, ob es akzeptiert wird“, sagte Ecclestone in einem gemeinsamen Interview mit dem Handelsblatt und der Wirtschaftswoche. „Wir glauben, dass wir für die Rennstrecke mehr leisten können als jeder andere.“ Er hoffe auf eine rasche Entscheidung, betonte Ecclestone. „Schon in den nächsten Wochen könnte es eine Einigung geben.“

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Der einflussreiche Formel-1-Chef schlägt damit eine unerwartete Volte. Im vergangenen Sommer hatte der 83-Jährige Manager, gegen den derzeit in mehreren Ländern wegen der Umstände des Verkaufs der Formel-1-Rechte im Jahr 2006 Verfahren laufen, bekannt, dass er sich grundsätzlich einen Erwerb der Rennstrecke vorstellen könnte. Wenige Wochen danach hatte Ecclestone dann allerdings abgewinkt und erklärt, er habe darüber nachgedacht, aber es sei für ihn nicht praktikabel. Sein jetziges Bekenntnis kommt deshalb überraschend. „Wir wollen sicherstellen, dass es auch in Zukunft jedes Jahr ein Formel-1-Rennen in Deutschland gibt“, begründete er gegenüber den beiden Blättern die neue Kehrtwende. Bisher sind in Deutschland jedes Jahr abwechselnd Hockenheim und Nürburgring Austragungsort des deutschen Formel-1-Grand-Prix-Rennens.

Nürburgring-Verkauf ADAC beschwert sich bei EU-Kommission

Der Druck auf die Nürburgring-Insolvenzverwalter nimmt zu: Auch der ADAC sieht beim laufenden  Verkaufsprozess Verstöße gegen das Europarecht. Der Automobilclub hat sich deshalb bei der EU-Kommission beschwert.

Nürburgring-Verkauf : ADAC beschwert sich bei EU-Kommission

Genaue Angaben über die Höhe seiner Offerte wollte Ecclestone nicht machen. „Das darf ich nicht sagen, denn wir haben eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben“, sagte er zur Begründung. Ecclestone sieht sich aber noch nicht auf der Zielgerade. „Es gibt einen oder zwei weitere Interessenten“, sagte er. „Aber wir werden nur zahlen, was wir glauben, dass der Nürburgring wert ist.“ Der Nürburgring, der fast komplett im Besitz des Bundeslandes Rheinland-Pfalz ist, hatte im Sommer 2012 Insolvenz angemeldet. Eine private Finanzierung der Rennstrecke und des angeschlossenen Freizeitparks war gescheitert. Die Nürburgring-Verwalter Jens Lieser und Thomas Schmidt versuchen nun, die die Rennstrecke mit Unterstützung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu verkaufen. Lieser gab sich jedoch zu Ecclestone bedeckt. „Wir äußern uns nicht zu den Interessenten im Rahmen des laufenden Bieterverfahrens“, sagte er lediglich.

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Unterdessen ist fraglich, ob der Verkaufsprozess wie geplant bis spätestens Ende März abgeschlossen werden kann. Bei der EU-Kommission sind nach Berichten der WirtschaftsWoche zwei Beschwerden wegen angeblicher Verstöße gegen das Europarecht eingegangen. So bestätigte der Automobilclub ADAC, dass er das Verfahren „weder für transparent noch für diskriminierungsfrei“ halte und deshalb die Großkanzlei Freshfields mit einer Stellungnahme an die Kommission beauftragt hat. Auch das Gebot der wirtschaftlichen Diskontinuität sieht der ADAC verletzt, wenn die Rennstrecken im Paket mit dem Freizeitpark verkauft werden sollten. Der gemeinnützige Verein Ja zum Nürburgring hat eine vergleichbare Beschwerde eingereicht, in der er einen Abbruch des Verkaufsprozesses fordert. Darauf wollen sich die Insolvenzverwalter nicht einlassen. Laut Lieser behielten sich allerdings vor, den Zeitplan noch zu verändern, wenn die Gespräche mit den Interessenten mehr Zeit benötigen würden.

Lesen Sie ab Donnerstag, 6 Uhr, das komplette Interview mit Bernie Ecclestone auf WirtschaftsWoche Online.

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