ETF-Boom: "Geld in ETFs ist dummes Geld"

ETF-Boom: "Geld in ETFs ist dummes Geld"

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Eine Röntgenaufnahme eines Sparschweins mit Geldstücken

von Niklas Hoyer

Kostengünstig und transparent sollen sie sein: Indexfonds, auch ETFs genannt. Aber was ist dran? Wir haben uns bei Befürwortern und Kritikern umgehört.

"Kein Fondsmanager, mehr Rendite" – auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Stärken von ETFs bringen, wenn es nach ihren Befürwortern geht. Hinter dem Kürzel, das für Exchange Traded Funds steht, verbergen sich im allgemeinen Sprachgebrauch passiv anlegende, börsengehandelte Indexfonds.

Passiv heißt, dass hier kein Fondsmanager aktiv bestimmte, besonders aussichtsreiche Aktien auswählt, sondern der Fonds möglichst genau die Entwicklung eines bestimmten Index nachvollziehen soll. Rein theoretisch stecken also zum Beispiel in einem Dax-ETF immer genau die Aktien, die auch Mitglied im Dax sind: Steigt der Dax um ein Prozent, steigt auch der Dax-ETF um ein Prozent.

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Diese simple Funktionsweise überzeugt viele Anleger: Vor gut 15 Jahren kamen die ersten ETFs in Europa auf den Markt. Auf der Börsenhandelsplattform Xetra sind heute über 1000 ETFs gelistet. Europaweit haben Anleger über 400 Milliarden Euro in ETFs investiert. Kein Pappenstiel – und doch nur etwa fünf Prozent des auf aktiv verwaltete Fonds entfallenden Vermögens.

Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim, hat Vor- und Nachteile börsengehandelter Indexfonds, kurz ETFs, erforscht. Im Interview mit Jessica Schwarzer erläutert er Chancen, Risiken und strategische Vorteile.

"Keine Ahnung, keine Aussicht auf Überrendite" – so umschreiben Kritiker denn auch die Wesensmerkmale der ETFs. Sie weisen darauf hin, dass ETFs immer nur mit dem Markt steigen und fallen – eine Überrendite, also ein Renditeplus im Vergleich zur allgemeinen Marktentwicklung, sei so nicht möglich. Ob Aktienkurse durch die Unternehmensentwicklung, also etwa Umsatz und Gewinn, gerechtfertigt sind oder nicht, ist den ETFs außerdem völlig egal.

"Geld in ETFs ist dummes Geld. Es macht aktiven Fondsmanagern das Geschäft etwas leichter", sagt Eckhard Sauren, Dachfondsmanager aus Köln. Sauren sammelt bei Anlegern Geld ein, um es dann in besonders aussichtsreiche, aktiv verwaltete Fonds zu stecken. Den Unterschied machen aus seiner Sicht die Fondsmanager. Wer besonders gute Fondsmanager erkennen kann, habe durchaus Chancen, den Markt zu schlagen, sagt Sauren. Laut eigenen Angaben haben 80 Prozent der von der Sauren-Gruppe ausgewählten Fondsmanager im Anschluss besser abgeschnitten als der jeweilige Vergleichsindex. So habe etwa der hauseigene Aktien-Dachfonds Sauren Global Growth seit dem Jahr 2000 den weltweiten Industrieländer-Aktienindex MSCI World um Längen geschlagen.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

  • Aktienfonds

    Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

  • Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

    Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

  • Geldmarktfonds

    Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

  • Immobilienfonds

    Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

  • Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

    Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

  • Mischfonds

    Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Aktienkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

  • Rentenfonds

    Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Über die vergangenen fünf Jahre hat der Sauren Global Growth inklusive Dividenden nur knapp 50 Prozent Ertrag gebracht, während der MSCI World über 70 Prozent geschafft hat. Sauren verweist auf die schwierige Entwicklung vieler Schwellenländer, die im MSCI World nicht abgebildet sind, im Sauren-Fonds aber Einfluss haben. Auch der US-Einfluss sei im MSCI World deutlich größer als im Sauren Global Growth. Das habe in den vergangenen Jahren gut funktioniert. Für die Zukunft sehe er in einem sehr großen US-Gewicht aber eher Risiken.

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Viele Studien zeigen jedenfalls, dass kaum ein Fondsmanager es schafft, auf längere Sicht den Markt zu schlagen. "Je länger die Anlagedauer, desto unwahrscheinlicher ist ein besseres Abschneiden aktiver Ansätze", sagt Alexander Kihm, Mitgründer des Finanz-Startups Fairr, das ETF-Sparpläne mit staatlicher Förderung anbietet. "Wir wissen nicht, wer in Zukunft Glück und Pech haben wird. Deshalb verlassen wir uns lieber auf die bewährten Grundsätze der Geldanlage", sagt Kihm.

Diese Grundsätze seien ein langer Atem. Kein Rein-und-Raus in der Hoffnung auf ein geschicktes Timing. Breite Streuung statt der Auswahl einzelner Aktien. Und eine Risikosteuerung nach verbleibender Anlagedauer bis zum gewünschten Ausstiegszeitpunkt – je mehr Zeit bleibt, desto mehr riskantere, aber auch renditestärkere Anlagen dürfen ins Portfolio.

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