
DüsseldorfImmer mehr Dachfonds-Anbieter nutzen passive Produkte. Sie setzen auf die preisgünstigen und transparenten börsennotierten Indexfonds – sogenannte Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Gut 30 ETF-Dachfonds gibt es mittlerweile.
Das Ziel der Fondsmanager: Sie wollen immer an den Märkten präsent sein, in denen die Kurse steigen und möglichst jene meiden, an denen es gerade knallt. Vor allem in den vergangenen Monaten konnten die Anleger gut verdienen, die rechtzeitig zwischen den Anlageklassen hin- und hersprangen oder zwischenzeitlich sogar auf fallende Kurse setzten.
Doch nur die wenigsten Profis konnten überzeugen. Eine Auswertung des Analysehauses Scope Analysis zeigt: Auch die ETF-Dachfonds schützen vor den Turbulenzen an den Märkten nicht. Im Gegenteil, sie stürzten teilweise empfindlich ab. Am schlimmsten traf es den Aktiv Constant Profit Global T (ISIN: DE000A0M13T8), der im vergangenen Jahr fast 32 Prozent an Wert verlor. Der Mischfonds von Dr. Seibold Capital hatte noch vor wenigen Jahren zu den besten ETF-Dachfonds gehört. Wenig Freude hatten Anleger auch mit dem Artus Global Selection HI Fonds (DE000A0M2H05), der um 23,1 Prozent eingebrochen ist. „Natürlich sind auch viele ETF-Dachfonds im vergangenen Jahr unter die Räder gekommen“, sagt Sasa Perovic, Leiter ETF-Analyse bei Scope, mit Blick auf die extremen Marktturbulenzen in 2011.
Doch es gibt Ausnahmen: Zu den erfolgreichsten Produkten zählen derzeit die Fonds der Investmentgesellschaft Avana Invest. Die Dachfonds decken die vier Anlageklassen Aktien Europa, Renten Europa, Aktien Emerging Markets und Rohstoffe ab. Avana-Gründer und -Geschäftsführer Götz Kirchhoff setzt auf ein Trendfolgesystem. Der Computer erkennt dabei Trends und gibt dann die entsprechenden Kauf- oder Verkaufssignale. Die Strategie scheint aufzugehen: Mit einem Kursplus von 7,3 Prozent hat der Avana Index Trend Europa Control (ISIN: DE000A0RHDC7), ein Renten-Dachfonds, besser abgeschlossen als jeder andere Dachfonds.
„Das Modell hat funktioniert und die Trendwechsel am Rentenmarkt rechtzeitig angezeigt“, sagt Kirchhoff. Nach einem Zinshoch im Dezember 2010 waren die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen im Zuge der Griechenlandkrise binnen weniger Monate von 2,8 Prozent auf nur noch 1,5 Prozent gefallen. Der Computer gab ein Signal und das Fondsmanagement wechselte Ende April von der Short- auf die Long-Seite. Etwas schwächer entwickelte sich das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Veritas. Der ETF-Dachfonds Renten (ISIN: DE0005561690) legte im vergangenen Jahr 4,6 Prozent zu – Platz zwei unter den ETF-Dachfonds.
ETF-Dachfonds sind kein passives Investment
Weniger gut funktionierte das Trendfolgesystem beim Avana Index Trend Europa Dynamic (ISIN: DE000A0RHDB9), der im vergangenen Jahr 12,7 Prozent verloren hat. „Zwei Ereignisse haben uns kalt erwischt“, gibt Kirchhoff zu. Als Griechenlands Premier Giorgos Papandreou Anfang November überraschend eine Volksabstimmung über die Sparmaßnahmen in dem hochverschuldeten Land ankündigte und die Börsen auf Talfahrt schickte, hatte der Dachfonds gerade wieder auf steigende Kurse gesetzt. Der Computer erkannte dann jedoch schnell einen neuen Trend und der Fonds setzte auf fallende Kurse. Doch wenige Wochen später fluteten die Notenbanken in Europa, den USA und Japan überraschend die Märkte – die Börsen legten kräftig zu. „Politische Börsen wie derzeit lassen sich schwerlich mit Trendfolgemodellen greifen“, sagt Kirchhoff. „Trotzdem sind diese Modelle langfristig das beste Mittel, um das Beste aus den Märkten herauszuholen.“
Auch der älteste reine ETF-Dachfonds, 2007 aufgelegt von der Investmentgesellschaft Veritas, bekam die Schuldenkrise zu spüren. Der ETF-Dachfonds P (ISIN: DE0005561674), mit einem Volumen von 350 Millionen Euro der größte unter den ETF-Dachfonds, büßte immerhin 14,19 Prozent ein. Damit hat der Kursrutsch an den Aktienmärkten den Fonds voll erwischt. Und das, obwohl das Management die Aktienquote auf null Prozent herunterfahren könnte. Viele Aktienindizes entwickelten sich allerdings noch schlechter als der Dachfonds.
Besser schnitt der neueste Fonds aus dem Hause Veritas ab: Der ETF-Dachfonds Emerging Markets plus Money (ISIN DE0009763326) verlor auf Jahressicht gut zehn Prozent. Das Ergebnis trügt jedoch. Zur Jahresmitte hat Veritas die Strategie eines bestehenden Fonds komplett überarbeitet und ihm einen neuen Namen gegeben. Da die ISIN gleich blieb, floss das Ergebnis der ersten Monate des Jahres mit in die Jahresperformance ein. „Seit dem 1. Juli hat der Fonds aber nur 3,1 Prozent an Wert verloren, der MSCI Emerging Markets dagegen mehr als neun Prozent“, sagt Veritas-Chef Markus Kaiser.
Die Idee der ETF-Dachfonds ist einfach: Die Indexfonds funktionieren wie Bausteine. Der Fondsmanager wählt sie aus, setzt sie zu seinem Depot zusammen und kann so die gewünschte Asset Allocation eins zu eins umsetzen. Die umfangreiche ETF-Palette lässt kaum Wünsche offen: Dachfondsmanager können ihre Produkte mit ETFs auf alle Anlageklassen und Regionen bestücken – Geldmarkt, Aktien, Renten, Rohstoffe und alternative Anlagestrategie wie Hedge-Fonds – sowie auf steigende und fallende Kurse setzen. Die ETFs entwickeln sich in der Regel wie der Index, der ihnen zugrunde liegt; nicht besser und nicht schlechter.
Doch Experten wie Sasa Perovic geben zu bedenken: „ETF-Dachfonds sind kein passives Investment. Zwar sind die Indexfonds selbst passiv, aber es gibt natürlich ein Fondsmanagement, das entscheidet, welche Zielfonds ins Portfolio kommen.“ Auf der obersten Ebene gebe es somit eine aktive Komponente, auf der Produktebene sei diese aber ausgeschaltet. „Das Managerrisiko entfällt auf der zweiten Ebene“, so der Scope-Experte. „Das kann positiv wie negativ sein, schließlich schlagen einige Fondsmanager den Markt auch. Dieser Chance beraubt man sich.“
Ein starres Konzept ohne Managementrisiko
Das Managerrisiko komplett, also auf beiden Ebenen ausschalten, will der Arero Weltfonds (ISIN LU0360863863): Er verfolgt ein relativ starres Konzept. Professor Martin Weber von der Uni Mannheim hat das Modell entwickelt, das die DWS umgesetzt hat. Weber kombiniert 60 Prozent weltweite Aktienindizes, 25 Prozent Rentenindizes und 15 Prozent Rohstoffe. Einmal jährlich wird die Gewichtung überprüft und nach fundamentalen Kennzahlen angepasst. In der Praxis heißt das, dass zum einen der Anteil der einzelnen Aktien-, Renten- oder Rohstoff-ETFs erhöht oder gesenkt wird. „Diese Veränderungen sind aber in der Regel minimal“, sagt Weber. Ansonsten bleibt das Investment passiv. Das starre Konzept ist nicht ganz unumstritten – eben weil das Fondsmanagement nicht auf aktuelle Entwicklungen reagiert, doch die Kosten sind mit 0,51 Prozent pro Jahr für eine solche Dachfondskonzeption konkurrenzlos niedrig.
Weber verteidigt sein starres Konzept: „Es ist nicht nötig, die Zusammensetzung häufiger zu überprüfen“, sagt der Professor. „Schließlich kann man doch nie genau wissen, wann welche Anlageklasse, welches Land oder welcher Rohstoff besonders gefragt sein werden.“ Das Ergebnis spreche für sein Konzept: 7,35 Prozent hat der Arero World in den vergangenen zwölf Monaten verloren. „In einem solch turbulenten Börsenjahr wie 2011 ist das doch eine grandiose Leistung“, sagt Weber. „Und das zeigt, dass Diversifikation wirklich etwas bringt – unterschiedliche Anlageklassen gleichen sich aus.“ Außerdem sei es wissenschaftlich erwiesen, dass eine aktive Asset Allokation (also ein Fondsmanager) den Markt nicht dauerhaft schlagen könne. „Deshalb halten wir uns streng an unser relativ starres Konzept“, so Weber.
Der größte Makel klassischer Dachfonds sind die Gebühren. Eine komplette Fondsstruktur muss bezahlt werden, die wiederum in teure Fondsstrukturen investiert. Anleger kann das im schlimmsten Fall locker bis zu vier Prozent ihres investierten Vermögens kosten – pro Jahr. ETF-Dachfonds haben diesen Makel nicht. „Dass börsengehandelte Indexfonds günstiger sind als aktiv gemanagte gilt auch für Dachfonds“, sagt Scope-Experte Perovic. Die ETF-Dachfonds kommen durchschnittlich auf eine Kostenquote von 1,65 Prozent. Zum Vergleich: Dachfonds auf aktive Aktienfonds kosten im Schnitt 2,07 Prozent, bei Renten sind es 1,54 Prozent, bei gemischten Fonds 1,8 Prozent, wie die Scope-Analyse ergeben hat.
Verbrauchschützer kritisieren die Kosten
Auch wenn die ETF-Dachfonds grundsätzlich günstiger sind als aktive Variante, sollten Anleger auch hier die Kosten im Blick behalten. Denn es gibt große Unterschiede. „Die Kosten von Dachfonds sind schwer zu vergleichen, da häufig eine Erfolgsprämie anfällt, die sogenannte Performance Fee“, sagt Perovic. Diese Gebühr fällt an, wenn der Fonds einen zuvor festgelegten Gewinn eingefahren hat. Beispiel: Der Arero Weltfonds kostet laut Scope beispielsweise 0,51 Prozent pro Jahr, die Veritas-Dachfonds kosten im Schnitt 1,65 Prozent plus Erfolgsprämie.
Diese Prämien haben ihre Tücken. „Eine Performance Fee wird meistens für das gesamte Kalenderjahr abgerechnet“, erklärt Perovic. „Wer erst spät im Jahr in einen Fonds einsteigt, kann so in die Kostenfalle tappen.“ Ein Beispiel: Legt der Fonds im ersten Halbjahr kräftig zu, pendelt dann aber nur noch seitwärts oder verliert sogar einige Prozentpunkte, dann muss ein Anleger, der in der zweiten Jahreshälfte eingestiegen ist, trotzdem die Erfolgsprämie zahlen. „Und das, obwohl er von dem Kursplus im ersten Halbjahr gar nicht profitiert hat“, so der Scope-Experte.
Verbraucherschützer sehen die Kosten von ETF-Dachfonds generell kritisch. Mit Managementgebühren von mehr als einem Prozent jährlich seien sie nicht mehr viel günstiger als aktiv verwaltete Fonds. „Eine ausreichende Risikostreuung im Bereich von Aktien ist ja schon durch ein oder zwei simple ETFs auf globale Aktienindizes zu haben“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Der Dachfonds bringt nichts weiter als zusätzliche Kosten.“
Letztendlich geht es aber darum, ob Anleger sich um ihre Geldanlage selber kümmern möchten oder es lieber Profis überlassen. „Wer die Zeit und Expertise mitbringt, seine Geldanlage kontinuierlich an die sich ändernden Marktbedingungen anzupassen und gut informiert ist, braucht Dachfonds nicht unbedingt“, sagt Veritas-Chef Kaiser. Wer sich allerdings nicht selber um sein Portfolio kümmern kann oder will, für den sind ETF-Dachfonds als Basisinvestment eine Überlegung wert.








