Eugen Weinberg: "Gold ist eine unterbewertete Versicherung"

Eugen Weinberg: "Gold ist eine unterbewertete Versicherung"

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An den Finanzmärkten steht der Goldpreis massiv unter Druck.

von Ulrich W. Hanke

Der Goldpreis befindet sich im Sinkflug. Für Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, ist die Flucht ins Gold daher derzeit mehr eine Risikoanlage als eine Sicherheit. Warum sich Gold trotzdem lohnen kann, erklärt er im Interview.

Wirtschaftswoche: Herr Weinberg, der Goldpreis ist unter die Marke von 1600 Dollar pro Feinunze gefallen. Ist jetzt ein guter Kaufzeitpunkt oder entweicht der Goldblase langsam die Luft?

Eugen Weinberg: Für Spekulanten ist es dies aktuell kein guter Zeitpunkt. Der Goldpreis ist über die nächsten Wochen, wenn nicht Monate, weiter unter Druck, weil der Dollar zu einer neugewonnenen Stärke tendiert. Gold ist im Moment mehr eine Risikoanlage, als ein sicherer Hafen. Für den besorgten Anleger kann sich der Einstieg allerdings lohnen. Für ihn ist Gold eine Versicherung und die Frage ist nicht, ob er die günstigste Versicherung erwischt hat, sondern ob er für den Fall der Fälle überhaupt eine Versicherung hat.

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Das heißt, Anleger mit einem längeren Anlagehorizont sollten jetzt einsteigen?

Weinberg: Wer den günstigsten Zeitpunkt sucht, der ist mit Gold falsch daran. Als Rohstoff ist Gold überbewertet, als Versicherung aber unterbewertet. Würden Sie mich jetzt fragen, ob ich Ihnen eine Unfallversicherung empfehle, würde ich auch ja sagen. Ihre Prämie richtet sich aber immer nach der gegenwärtigen Situation und den Risiken.

In Euro sieht die Goldpreisentwicklung ein wenig anders aus, da liegt der Preis bei 1230 Euro…

Weinberg: Das ist richtig und liegt daran, dass derzeit vor allem die Schulden-Probleme der Eurozone im Fokus der Marktteilnehmer sind. Vergleicht man über die vergangenen drei bis vier Jahre die Goldpreisentwicklung und die Kreditausfallprämien, kurz CDS, von Spanien als Schuldner, stiegt diese häufig parallel zu einander. Das heißt, dass der Goldpreisanstieg in Euro häufig ein Zeichen des Vertrauensverlustes gegenüber dem Euro bedeutet. [Anmerk. der Red.: siehe Grafik]

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Die Aktienkurse der Goldminen sind dagegen enttäuschend. Woran liegt denn das?

Weinberg: Goldminen sind leider kein Gold, sondern Aktien. Sie sind abhängig vom Gesamtmarkt, Managemententscheidungen, geopolitischen Rahmenbedingungen – alles Faktoren, die man als Goldanleger eigentlich ausschließen will.

Wie entwickelt sich der Goldpreis?

Weinberg: Er könnte erst einmal weiter nachgeben, sogar unter 1500 Dollar pro Feinunze fallen. Längerfristig sind die Probleme in der Eurozone aber nicht gelöst, deshalb ist unser Kursziel bis Ende des Jahres 1900 Dollar.

Sollte man dann verkaufen?

Weinberg: Bloß nicht! Gold dient, wie erwähnt, als Absicherung. Jetzt ist das Risiko vielleicht überschaubar, steigt der Preis aber auf 1900 Dollar, ist die Versicherung teurer, weil die Risiken zugenommen haben. So muss man das sehen – und in diesem Fall kann man Gold dann nicht verkaufen.

Wird es den Euro bald nicht mehr geben?

Weinberg: Ich denke, den Euro wird es weiter geben, ob in der jetzigen Zusammensetzung, ist aber fraglich. Die Inflationsgefahren sind zudem gestiegen, weil die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Fed die Notenpressen angeworfen haben. Die Gefahr einer Hyperinflation sehen wir im Moment nicht, können sie aber in der Zukunft auch nicht ausschließen.

Kommt es zum Äußersten, müssten Anleger doch Münzen unters Kopfkissen legen.

Weinberg: Zu Hause ist vielleicht nicht die beste Aufbewahrungsmöglichkeit, aber im Prinzip haben Sie Recht. Anleger, die mehr Sicherheit wünschen, sollten zu Münzen oder Barren greifen. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis ist relativ gering, an der Börse ist sie aber noch geringer, etwa per gehandeltem Fonds, kurz ETF.

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