
Wer erinnert sich noch an die „Ich-kaufe-griechische-Staatsanleihen!“-Aktion einer renommierten deutschen Wirtschaftszeitung vor nur zwei Jahren, die just zu einem Zeitpunkt startete, als Griechenland im Mai 2010 hätte sofort pleite gehen müssen – es aber dank 110 Milliarden frisch gedruckter Rettungsmilliarden nicht durfte? Fixiert auf die politische Schnapsidee, eine Einigung Europas über das größte Währungsexperiment in der Geschichte der Menschheit erreichen zu können, appellierten seinerzeit Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft in nahezu kindlicher Naivität, im „Vertrauen“ in die „reuigen Sünder“ und als Zeichen notwendiger europäischer Solidarität private Ersparnisse nach Athen zu tragen, die dann als erste im März dieses Jahres dem „Hair-cut“ zum Opfer fielen.
„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Treffender als mit den Worten Albert Einsteins kann man die seit der Lehman-Pleite unter den Politikern und Notenbankern herrschende Hybris kaum beschreiben. Denn all die in den letzten Jahren „aufgemachten“ und in Summe mittlerweile Billionen schweren Rettungstöpfe sind nur Ausdruck eines vom Wahnsinn „gesteuerten“ Versuchs, das Problem der faulen Kredite durch politische Hütchenspiele verschwinden lassen zu wollen. Doch faule Kredite verschwinden erst, wenn sie abgeschrieben werden, und solange dies nicht geschieht, solange wird diese Krise auch noch andauern! Selbst die alle Dimensionen des Vorstellbaren sprengenden 1,018 Billionen Euro, die sich Europas Pleite-Banken mit zum Beispiel bis zum Jahr 9999 (!) laufenden „Sicherheiten“ via Maus-Klick von der EZB abholen konnten, erwiesen sich nur wenige Monate später nicht als die anfänglich große Hoffnung verbreitende „Dicke Bertha“, sondern nur als ein äußerst teurer Rohrkrepierer!
Bild: AP/dpaDie Euro-Gruppe eilt Zypern zur Hilfe und gewährt dem Land einen 10-Milliarden-Euro-Kredit. Im Gegenzug muss Präsident Nikos Anastasiades die Körperschaftssteuer anheben und die heimischen Sparer zur Kasse bitten. Die Ratingagenturen haben schon lange den Glauben an die Kreditfähigkeit des Landes verloren. Staatsanleihen der Mittelmeerinsel werden als Ramschpapiere bewertet.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): CCC+/ Caa3 / BB-
Bild: dapdIn Spanien sieht es düster aus: S&P hat die Kreditwürdigkeit deutlich zurückgestuft; gleich um zwei Stufen ging es nach unten. Als Grund nannte die Ratingagentur am Abend des 10. Oktober die verschärfte Rezession, die den Handelsspielraum der Regierung in Madrid einschränke. Zudem sei es wahrscheinlich, dass die steigende Arbeitslosigkeit und die Ausgabenzwänge die Spannungen zwischen der Zentralregierung und den regionalen Parlamenten erhöhten. Der Ausblick bleibe "negativ", wie schon bei den anderen Abstufungen in diesem Jahr. Alle drei großen Ratingagenturen prüfen, ob weitere Absenkungen der Kreditwürdigkeit nötig sind.
Das Mittelmeerland kommt nicht aus seiner schweren Rezession heraus. Das Bruttoinlandsprodukt des hoch verschuldeten Staates schrumpfte auch im dritten Quartal deutlich. Jeder Vierte ist ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote in die höchste in der Europäischen Union.
Ratings (S&P/ Moody's/ Fitch): BBB- / Baa3 / BBB
Bild: REUTERSSloweniens Regierungschef Janez Jansa hat allen Grund, besorgt dreinzuschauen: Als letzte der drei großen Ratingagenturen innerhalb weniger Tage hat auch Fitch die Kreditwürdigkeit Sloweniens nach unten korrigiert. Fitch senkte die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes um eine Stufe, der Ausblick sei zudem negativ. Seit der letzten Überprüfung im Januar habe sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert, erklärte Fitch zur Begründung und verwies etwa auf fehlende Pläne der Regierung für eine Rekapitalisierung der Banken des Landes. Erst im Januar hatte Fitch das Rating Sloweniens um zwei Noten von „AA-“ auf „A“ gesenkt. Mit der weiteren Herabsetzung auf „A-“ liegt die Kreditwürdigkeit des Euro-Staates nun nur noch vier Stufen über dem sogenannten Ramschniveau. Erst am 3. August hatten die Agenturen Moody's und Standard & Poor's das slowenische Rating um drei Stufen beziehungsweise eine Stufe gesenkt. Wegen der Exportabhängigkeit seiner Wirtschaft wurde Slowenien von der Finanzkrise besonders hart getroffen.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): A+/Baa2/A-
Bild: REUTERS"Mr. Euro" trifft "Madame No": Der langjährige Eurogruppen-Chef und Befürworter der Gemeinschaftswährung Jean-Claude Juncker im Gespräch mit Finnlands Finanzministerin Jutta Urpilainen. Die Finnin steht zum Euro, ist aber nicht bereit, den Süden dauerhaft zu alimentieren. Sie handelte für ihr Land Garantiezahlungen aus, ehe sie den Rettungspaketen für Spanien und Griechenland zustimmte. Die Folge: Während die Ratingagentur Moody's den Ausblick der Euro-Top-Schuldner Luxemburg, Niederland und Deutschland senke, genießt Finnland weiterhin vollstes Vertrauen. Die Agentur bestätigte Finnland als einziges Land dessen "AAA"-Rating.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AAA/Aaa/AAA
Bild: dpaStandard & Poor's bestätigte Deutschlands Top-Rating in der vergangenen Woche. Die Ratingagentur "Moody's" sieht das anders: Das "AAA"-Rating von Deutschland, den Niederlande und Luxemburg sind demnach in Gefahr. In der Erklärung heißt es wortwörtlich: ""Alle vier Staaten werden von den (...) europaweiten Entwicklungen nachteilig beeinträchtigt: der steigenden Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen der Eurokrise in dem aktuellen politischen Umfeld und der zunehmenden Anfälligkeit für das Risiko, das von der zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone ausgeht, darunter die weitreichenderen Auswirkungen, die ein solches Ereignis für andere Eurostaaten haben würde, insbesondere Spanien und Italien."
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AAA/Aaa/AAA
Bild: ReutersÖsterreich hat sein Spitzenrating verloren, jedenfalls wenn es nach S&P geht. Experten bemängeln, die Regierung von Kanzler Werner Faymann spare nicht ausreichend. Zudem ist die österreichische Wirtschaft stark mit der italienischen verwoben. Wenn die Krise im Nachbarland weitergeht, könnte andere Agenturen bald folgen. Moody`s reagierte moderater und senkte nur den Ausblick, ließ aber das Rating erstmal konstant.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Bild: dpaAngela Merkel lobte Italiens Regierungschef Mario Monti noch vor Kurzem für seine Reformbereitschaft. Doch der italienische Schuldenberg ist der zweitgrößte in Europa. Nur Griechenland hat noch mehr Schulden. Alle drei großen Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit des Landes eher negativ.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): BBB+/A3/A-
Bild: REUTERSDer niederländische Premierminister Mark Rutte hat bei Königin Beatrix seinen Rücktritt eingereicht. Zuvor hatte seine Minderheitsregierung keine Einigung über ein Sparprogramm erzielen können. Dabei steigen die Schulden des einstigen Euro-Musterschülers stark an. Das haben auch die drei großen US-Ratingagenturen registriert. Die Folge: Fitch hatte den Niederlanden mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht, falls das Land die geplanten Sparmaßnahmen nicht durchsetzen kann. Zuvor hatte bereits Standard & Poor's (S&P) den Ausblick für die Kreditbewertung auf „negativ“ gesetzt und damit eine Herabstufung in Aussicht gestellt. Derzeit bewerten mit S&P, Moody's und Fitch noch alle drei weltweit führenden Agenturen die Niederlande mit der Bestnote „AAA“, wobei Fitch und Moody's den Ausblick noch auf „stabil“ haben.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AAA/Aaa/AAA
Bild: dpaNach der historischen Milliarden-Umschuldung in Griechenland hat Fitch als erste Rating-Agentur die Kreditwürdigkeit des Landes im Zentrum der Schuldenkrise heraufgestuft. Fitch versah die neuen Staatsanleihen des Landes am Dienstag mit der Note "B-" und einem stabilen Ausblick. Als sicher gelten die Papiere damit jedoch noch lange nicht: Fitch sieht weiter ein hohes Risiko, dass Griechenland auch die neuen Anleihen nicht bedienen kann, weil es noch immer sehr hoch verschuldet ist und die Wirtschaft tief in der Rezession steckt.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): SD (Selective Default)/ C/ B-
Bild: dpaPortugal war das zweite europäische Land, das die Ratingagenturen Anfang Juli auf Ramschniveau herabgestuft hatten. Nun hat Moodys die Kreditwürdigkeit um eine Stufe auf Ba3 abgesenkt. Zuvor hatte bereits S&P das Rating von „BBB-“ auf „BB“ gesenkt. Auch Fitch die Bewertung des Landes von „BBB-“ auf „BB+“ herabgestuft. Der Ausblick sei negativ, Portugal habe keinen Status als Investment-Land mehr. Die Ratingagentur rechne damit, dass die portugiesische Wirtschaft 2012 um drei Prozent schrumpft.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BB/Ba3/BB+
Die Euro-Gruppe eilt Zypern zur Hilfe und gewährt dem Land einen 10-Milliarden-Euro-Kredit. Im Gegenzug muss Präsident Nikos Anastasiades die Körperschaftssteuer anheben und die heimischen Sparer zur Kasse bitten. Die Ratingagenturen haben schon lange den Glauben an die Kreditfähigkeit des Landes verloren. Staatsanleihen der Mittelmeerinsel werden als Ramschpapiere bewertet.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): CCC+/ Caa3 / BB-
Die Aktienmärkte, die im Vertrauen auf die positiven Folgen der „Dicken Bertha“ noch mit großen Freudensprüngen ins neue Jahr gestartet waren, büßten ihre zwischenzeitlich gesehenen Zuwächse fast vollständig wieder ein. Erst die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 29. Juni 2012, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in einen Jackpot für Banken zu verwandeln, verhalfen den Aktienmärkten am letzten Juni-Handelstag zu üppigen Tagesgewinnen, so dass viele Indizes das erste Halbjahr doch noch in der Gewinnzone beenden konnten. Dagegen setzten sowohl Gold als auch Silber die im September 2011 begonnene Korrektur weiter fort.
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