Gehen Banken pleite?

Elke König, Chefin der Finanzaufsicht BaFin, sieht keinen Grund zur Panik. Das deutsche Bankensystem stehe „vergleichsweise robust“ da, erklärte sie am Dienstag. Sie sei sich sicher, dass die Institute auf „alle Szenarien vorbereitet seien“.
Tatsächlich stehen die deutschen Banken im Euro-Vergleich gut da. Im vergangenen Herbst ermittelte der Stresstest der europäischen Aufsichtsbehörde EBA bei deutschen Banken für den Fall einer verschärften Krise eine Kapitallücke von insgesamt 13 Milliarden Euro. Die sechs davon betroffenen Institute haben die mittlerweile geschlossen. Die Verschuldung, gemessen an der Bilanzsumme im Verhältnis zum Kernkapital (Kapital, das der Bank dauerhaft zur Verfügung steht), hat sich seit 2008 um ein Viertel reduziert.

Dass Kunden, ähnlich wie nach der Lehman-Pleite 2008, Geld von ihren Konten abziehen, ist derzeit kein Thema. Im Gegenteil: So berichten Banken, dass ihnen reiche Kunden aus Schuldenstaaten Milliarden zuschaufeln. Für den Fall einer Eskalation der Krise steht der Rettungsfonds Soffin bis Ende 2012 bereit, um Banken schnell zu stützen.
Bild: AP/dpaDie Euro-Gruppe eilt Zypern zur Hilfe und gewährt dem Land einen 10-Milliarden-Euro-Kredit. Im Gegenzug muss Präsident Nikos Anastasiades die Körperschaftssteuer anheben und die heimischen Sparer zur Kasse bitten. Die Ratingagenturen haben schon lange den Glauben an die Kreditfähigkeit des Landes verloren. Staatsanleihen der Mittelmeerinsel werden als Ramschpapiere bewertet.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): CCC+/ Caa3 / BB-
Bild: dapdIn Spanien sieht es düster aus: S&P hat die Kreditwürdigkeit deutlich zurückgestuft; gleich um zwei Stufen ging es nach unten. Als Grund nannte die Ratingagentur am Abend des 10. Oktober die verschärfte Rezession, die den Handelsspielraum der Regierung in Madrid einschränke. Zudem sei es wahrscheinlich, dass die steigende Arbeitslosigkeit und die Ausgabenzwänge die Spannungen zwischen der Zentralregierung und den regionalen Parlamenten erhöhten. Der Ausblick bleibe "negativ", wie schon bei den anderen Abstufungen in diesem Jahr. Alle drei großen Ratingagenturen prüfen, ob weitere Absenkungen der Kreditwürdigkeit nötig sind.
Das Mittelmeerland kommt nicht aus seiner schweren Rezession heraus. Das Bruttoinlandsprodukt des hoch verschuldeten Staates schrumpfte auch im dritten Quartal deutlich. Jeder Vierte ist ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote in die höchste in der Europäischen Union.
Ratings (S&P/ Moody's/ Fitch): BBB- / Baa3 / BBB
Bild: REUTERSSloweniens Regierungschef Janez Jansa hat allen Grund, besorgt dreinzuschauen: Als letzte der drei großen Ratingagenturen innerhalb weniger Tage hat auch Fitch die Kreditwürdigkeit Sloweniens nach unten korrigiert. Fitch senkte die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes um eine Stufe, der Ausblick sei zudem negativ. Seit der letzten Überprüfung im Januar habe sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert, erklärte Fitch zur Begründung und verwies etwa auf fehlende Pläne der Regierung für eine Rekapitalisierung der Banken des Landes. Erst im Januar hatte Fitch das Rating Sloweniens um zwei Noten von „AA-“ auf „A“ gesenkt. Mit der weiteren Herabsetzung auf „A-“ liegt die Kreditwürdigkeit des Euro-Staates nun nur noch vier Stufen über dem sogenannten Ramschniveau. Erst am 3. August hatten die Agenturen Moody's und Standard & Poor's das slowenische Rating um drei Stufen beziehungsweise eine Stufe gesenkt. Wegen der Exportabhängigkeit seiner Wirtschaft wurde Slowenien von der Finanzkrise besonders hart getroffen.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): A+/Baa2/A-
Bild: REUTERS"Mr. Euro" trifft "Madame No": Der langjährige Eurogruppen-Chef und Befürworter der Gemeinschaftswährung Jean-Claude Juncker im Gespräch mit Finnlands Finanzministerin Jutta Urpilainen. Die Finnin steht zum Euro, ist aber nicht bereit, den Süden dauerhaft zu alimentieren. Sie handelte für ihr Land Garantiezahlungen aus, ehe sie den Rettungspaketen für Spanien und Griechenland zustimmte. Die Folge: Während die Ratingagentur Moody's den Ausblick der Euro-Top-Schuldner Luxemburg, Niederland und Deutschland senke, genießt Finnland weiterhin vollstes Vertrauen. Die Agentur bestätigte Finnland als einziges Land dessen "AAA"-Rating.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AAA/Aaa/AAA
Bild: dpaStandard & Poor's bestätigte Deutschlands Top-Rating in der vergangenen Woche. Die Ratingagentur "Moody's" sieht das anders: Das "AAA"-Rating von Deutschland, den Niederlande und Luxemburg sind demnach in Gefahr. In der Erklärung heißt es wortwörtlich: ""Alle vier Staaten werden von den (...) europaweiten Entwicklungen nachteilig beeinträchtigt: der steigenden Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen der Eurokrise in dem aktuellen politischen Umfeld und der zunehmenden Anfälligkeit für das Risiko, das von der zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone ausgeht, darunter die weitreichenderen Auswirkungen, die ein solches Ereignis für andere Eurostaaten haben würde, insbesondere Spanien und Italien."
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AAA/Aaa/AAA
Bild: ReutersÖsterreich hat sein Spitzenrating verloren, jedenfalls wenn es nach S&P geht. Experten bemängeln, die Regierung von Kanzler Werner Faymann spare nicht ausreichend. Zudem ist die österreichische Wirtschaft stark mit der italienischen verwoben. Wenn die Krise im Nachbarland weitergeht, könnte andere Agenturen bald folgen. Moody`s reagierte moderater und senkte nur den Ausblick, ließ aber das Rating erstmal konstant.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Bild: dpaAngela Merkel lobte Italiens Regierungschef Mario Monti noch vor Kurzem für seine Reformbereitschaft. Doch der italienische Schuldenberg ist der zweitgrößte in Europa. Nur Griechenland hat noch mehr Schulden. Alle drei großen Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit des Landes eher negativ.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): BBB+/A3/A-
Bild: REUTERSDer niederländische Premierminister Mark Rutte hat bei Königin Beatrix seinen Rücktritt eingereicht. Zuvor hatte seine Minderheitsregierung keine Einigung über ein Sparprogramm erzielen können. Dabei steigen die Schulden des einstigen Euro-Musterschülers stark an. Das haben auch die drei großen US-Ratingagenturen registriert. Die Folge: Fitch hatte den Niederlanden mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht, falls das Land die geplanten Sparmaßnahmen nicht durchsetzen kann. Zuvor hatte bereits Standard & Poor's (S&P) den Ausblick für die Kreditbewertung auf „negativ“ gesetzt und damit eine Herabstufung in Aussicht gestellt. Derzeit bewerten mit S&P, Moody's und Fitch noch alle drei weltweit führenden Agenturen die Niederlande mit der Bestnote „AAA“, wobei Fitch und Moody's den Ausblick noch auf „stabil“ haben.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AAA/Aaa/AAA
Bild: dpaNach der historischen Milliarden-Umschuldung in Griechenland hat Fitch als erste Rating-Agentur die Kreditwürdigkeit des Landes im Zentrum der Schuldenkrise heraufgestuft. Fitch versah die neuen Staatsanleihen des Landes am Dienstag mit der Note "B-" und einem stabilen Ausblick. Als sicher gelten die Papiere damit jedoch noch lange nicht: Fitch sieht weiter ein hohes Risiko, dass Griechenland auch die neuen Anleihen nicht bedienen kann, weil es noch immer sehr hoch verschuldet ist und die Wirtschaft tief in der Rezession steckt.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): SD (Selective Default)/ C/ B-
Bild: dpaPortugal war das zweite europäische Land, das die Ratingagenturen Anfang Juli auf Ramschniveau herabgestuft hatten. Nun hat Moodys die Kreditwürdigkeit um eine Stufe auf Ba3 abgesenkt. Zuvor hatte bereits S&P das Rating von „BBB-“ auf „BB“ gesenkt. Auch Fitch die Bewertung des Landes von „BBB-“ auf „BB+“ herabgestuft. Der Ausblick sei negativ, Portugal habe keinen Status als Investment-Land mehr. Die Ratingagentur rechne damit, dass die portugiesische Wirtschaft 2012 um drei Prozent schrumpft.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BB/Ba3/BB+
Die Euro-Gruppe eilt Zypern zur Hilfe und gewährt dem Land einen 10-Milliarden-Euro-Kredit. Im Gegenzug muss Präsident Nikos Anastasiades die Körperschaftssteuer anheben und die heimischen Sparer zur Kasse bitten. Die Ratingagenturen haben schon lange den Glauben an die Kreditfähigkeit des Landes verloren. Staatsanleihen der Mittelmeerinsel werden als Ramschpapiere bewertet.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): CCC+/ Caa3 / BB-
Hohe Ansteckungsgefahr
Über ihre Verbindungen zu den Krisenländern befinden sich auch die deutschen Banken in Ansteckungsgefahr. Zwar haben sie ihr Engagement bei Staatsanleihen deutlich reduziert. So hält die Commerzbank noch Anleihen der Krisenländer im Wert von insgesamt zwölf Milliarden Euro, bei der Deutschen Bank sind es knapp vier Milliarden. Nach der gerade veröffentlichten Quartalsstatistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben die Banken Forderungen von mehr als 350 Milliarden Euro gegenüber Unternehmen, staatlichen Institutionen, Privatkunden und Banken in den Krisenstaaten. Als Konsequenz hat die Ratingagentur Moody’s vergangene Woche die Bonitätsnote von sieben deutschen Banken gesenkt. „Rational gibt es dennoch überhaupt keinen Grund, sich um die Stabilität deutscher Banken zu sorgen“, sagt der Vorstand einer Großbank. „Aber wenn sich die Situation extrem zuspitzt, kann man eine Panik, bei der Kunden ihre Konten leer räumen, nicht ausschließen.“ Ein Top-Banker einer Auslandsbank hält eine Zuspitzung wie 2008 zwar nicht für wahrscheinlich, aber keineswegs für ausgeschlossen.
Die Banken versuchen, sich für ein Auseinanderfallen des Euro zu rüsten. Sein Institut habe sich bei der Kreditvergabe in Spanien „auf wohlhabende Kunden und solide Finanzierungen konzentriert“, sagt ein Deutsche-Bank-Manager. Deshalb seien Ausfallraten wie bei spanischen Banken nicht zu erwarten. Dennoch hat die Bank zuletzt alles unternommen, ihre bisher sehr kreditlastige Bilanz in Spanien oder Italien auszugleichen. So hat sie mit Werbeaktionen bei Privatkunden Geld eingesammelt. Filialen mit Deutschlandfahnen im Fenster hätten massenhaft Kunden in den vermeintlich sicheren Hafen gelockt.
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Alle Kommentare lesen16.06.2012, 18:27 UhrAnonymer Benutzer:Scratchpatch
Selbst die Bundesbank schichtet ihre Anlagen in Australische Dollars um. Trotzdem verstehe ich immer noch nicht, warum die DM bei einem Zusammenbruch der Eurozone so stark sein soll, obwohl doch nach diesem Szenario die deutsche Realwirtschaft gleichzeitig einbricht, Deutschland auf griechischen Schulden sitzen bleibt und die Steuern erhöhen muss.
13.06.2012, 12:53 UhrAnonymer Benutzer:Wutbuerger
Nette Idee aber ich glaube das wird verhindert werden. Zum einen werden die Zahlungsdienste durch Zufall oder wegen Überlastung ausfallen. Zum anderen wird dieses Verhalten von der Obrigkeit als Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit oder gar als Terrorakt gewertet werden. Somit sind alle "Störenfriede" der Staatsmacht ausgeliefert, da sie unter die Terrorgesetze fallen.
13.06.2012, 10:49 UhrAnonymer Benutzer:faistmeister
Zwei Möglichkeiten, das Szenario ESM und Transferunion zu verhindern sehe ich:
1) Vor Abstimmung zum ESM
a) die ePetition mitzeichnen: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?PHPSESSID=d45bc9205e41694b1f489965be96fc7b&action=petition;sa=details;petition=24314
b) Seinem Abgeordneten schreiben/ mailen, dass man im Falle der Zustimmung sein Geld abheben wird.
2) Nach Abstimmung (=Bestätigung) des ESM hilft nur noch ein massiver Bank Run.