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Euro-Krise: Nur Scheinrettungen, die Krise eskaliert weiter

Euro-Krise: "Eine auf Scheingeld aufgebaute Scheinwelt"

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Nur Scheinrettungen, die Krise eskaliert weiter

Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler lehnt die direkte Kreditvergaben der Euro-Rettungsfonds an notleidende Banken, wie sie der EU-Gipfel gerade beschlossen hat, ab. „Das ist ein erneuter Dammbruch", sagte der Euro-Skeptiker Schäffler am Freitag. „Jetzt boxen wir auch (nach einigen deutschen Instituten) andere europäische Banken mit Steuerzahlergeld heraus", bemängelte er. „Die bisherigen Regeln lassen das eigentlich nicht zu", ergänzte er. „Es geht also alles immer stärker in diese Transferunion hinein.“

Auch die Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht trifft auf Skepsis bei Schäffler. „Ich sehe das insofern kritisch, als das nicht schnell realisierbar ist", sagte er. Ein solches Vorhaben brauche Zeit, aber die Krise gebe es aktuell. „Jetzt eine neue Bankenaufsicht zu schaffen in so einer schwierigen Phase, das halte ich für sehr schwierig und das schafft vielleicht weitere Verunsicherung". Dass die EZB bei dieser europäischen Bankenaufsicht eine bestimmende Rolle spielen solle, sehe er allerdings nicht so kritisch.

Bild: dpa

2008 wäre eine geordnete Lösung der Banken- und Schuldenkrise noch möglich gewesen. Wegen der aber bereits ins Feuer geworfenen Billionenbeträge, die unsere „Vorwärts-immer-rückwärts-nimmer“-Politiker niemals freiwillig als verloren deklarieren werden, ist heute hingegen eine solche kaum noch vorstellbar. Insofern dürfte die Krise entgegen aller zwischenzeitlich vermeldeter (Schein-)Rettungen weiter eskalieren.

Zwar erkennen die Euro-Protagonisten nun richtigerweise, dass zur Aufrechterhaltung der Währungsunion eine politische Union zwingende Voraussetzung wäre, doch ist selbst mit der damit zwangsläufig verbundenen faktischen Abschaffung der souveränen demokratischen Nationalstaaten Europas nicht die alles entscheidende Frage geklärt, wie ein unverändert von nationalstaatlichen Interessen dominiertes Europa dauerhaft funktionieren soll!

Zustimmung wie in der Volkskammer

Bundestagabstimmung Quelle: Reuters
Abstimmung zum Fiskalpakt im Bundestag. Nur noch ein Ja-Sager- und Abnickverein? Quelle: Reuters

Ungeachtet dessen soll aber der von den europäischen Staatschefs nur wenige Stunden vor der volkskammer­gleichen Zustimmung des Deutschen Bundestages/Bundesrats ad absurdum geführte dauerhafte Europäische (De)Stabilitätsmechanismus (ESM) mit einer Banklizenz (!) und schuldenfinanzierten (!) Bareinlagen noch in diesem Monat starten und so schon einmal die Haftungsunion faktisch per Staatsstreich erzwingen! Ausdrücklich jenseits jeglicher demokratischer und rechtlicher Kontrolle sollen dann allmächtige Bürokraten nach Belieben Schulden aufnehmen, Kredite (an Banken natürlich ohne Auflagen) verteilen oder unbegrenzte Mittel aus den nationalen Haushalten abfordern, nur um die Euro-Illusion noch etwas länger aufrecht zu erhalten.

Die Instrumente zur Euro-Rettung

  • Banken-Union

    Pro: Mit einer gemeinsamen Einlagensicherung und mit einem EU-weiten Sicherheitsnetz für Europas Banken könnte zwei bedrohlichen Szenarien vorgebeugt werden: einem Bank-run, bei dem die Sparer panisch ihre Einlagen von der Bank abheben. Und der Gefahr, dass nationale Auffangfonds nicht ausreichen, um nationale Banken zu stützen.

    Contra: Gesunde Banken, allen voran in Deutschland, müssten im Ernstfall für ihre maroden Konkurrenten in anderen Euroländern zahlen. Außerdem gibt es noch keine effiziente europäische Bankenaufsicht. Damit gelten für die Banken noch unterschiedliche Voraussetzungen - und es besteht keine Möglichkeit, die Geldhäuser zu kontrollieren und Abwicklungen und Restrukturierungen zu erzwingen.

    Wahrscheinlichkeit: nur vorhanden, wenn es vorher eine effiziente europäische Bankenaufsicht gibt. Das soll die Europäische Zentralbank übernehmen. Wenn dazu eine überzeugende Einigung gelingt: 60 Prozent.

  • Direkte Bankenhilfe

    Pro: Mit direkter Bankenhilfe aus dem ESM oder von der EZB wären Krisenländer wie Spanien ihr größtes Problem los: dass nämlich Notkredite der Europartner die Schuldenlast das Staatshaushaltes und damit die Pleitegefahr deutlich erhöhen. Der Rettungsfonds könnte den Banken direkt Sicherheiten zur Verfügung stellen, mit denen diese das notwendige Geld zur Rekapitalisierung aufnehmen. Im besten Fall verdient der ESM daran, weil er das Geld billiger aufnimmt als verleiht.

    Contra: Bei direkter Bankenhilfe hätten die Euroländern keine Möglichkeit, Gegenleistungen von den Regierungen zu erzwingen. Zudem wäre nicht garantiert, dass die Banken die Unterstützung zurückzahlen, wenn kein Staat dahinter steht. Unklar ist überdies, wie Auflagen für die Banken selbst durchgesetzt werden sollten.

    Wahrscheinlichkeit: Siehe BANKEN-UNION: ohne eine effiziente europäische Bankenaufsicht gleich null. Nach Aufbau einer europäischen Aufsicht: 70 Prozent.

  • Euro-Bonds

    Pro: Dahinter verbirgt sich die Idee gemeinsamer Staatsanleihen, die von den Ländern der Eurozone ausgegeben würden. Ihr Reiz läge darin, dass alle Staaten zusammen für die Rückzahlung haften und sich so gegenseitig Rückendeckung geben. Dadurch könnten selbst von den Anlegern geschmähte Euro-Sorgenkinder wie Spanien, Italien und Griechenland wieder zu günstigeren Zinsen an frisches Geld kommen - und so ihre schwächelnde Konjunktur ankurbeln. Befürworter wie Frankreich hoffen, dass damit der Teufelskreis aus steigenden Staatsschulden und höheren Zinsen ein für alle Mal durchbrochen und ein abschreckendes Signal an Spekulanten ausgesendet wird.

    Contra: Vergleichsweise solide haushaltende Staaten wie Deutschland, dessen Bundesanleihen bei Investoren als sicherer Hafen gelten und deshalb ein historisches Zinstief erreicht haben, müssten bei der Ausgabe gemeinsamer Euro-Bonds wieder höhere Renditen in Kauf nehmen - und somit Milliarden draufzahlen. Gegner monieren zudem fehlende Reformanreize für hoch verschuldete Staaten, weil großzügige Ausgabenpolitik die eigene Bonität nicht mehr direkt beeinträchtigen würden. Sie lehnen auch eine gesamtschuldnerische Haftung ab - denn beim Ausfall eines Schuldners müsste das Kollektiv, also Deutschland wie jedes andere Land, komplett für dessen Verbindlichkeiten haften.

    Wahrscheinlichkeit: tendiert auf absehbare gegen Null Prozent, wegen des vehementen Widerstands der Bundesrepublik und anderer Nordländer.

  • Euro-Bills

    Pro: Euro-Bills sollen die Kritiker der Euro-Bonds beschwichtigen, weil sie eine kürzere Laufzeit haben und in der Summe begrenzt wären. Mit ihrer Hilfe dürfte sich jeder Staat nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz seiner Wirtschaftsleistung finanzieren. Wer die damit verbundenen Haushaltsregeln nicht einhält, würde im Folgejahr vom Handel mit den Papieren ausgeschlossen. Die Idee wurde in EU-Kreisen als Kompromiss lanciert, weil sich vor allem Berlin stoisch auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts beruft, das eine in Dauer und Höhe unbegrenzte Schuldenübernahme untersagt.

    Contra: In Diplomatenkreisen werden die Euro-Bills als kleine Brüder der Euro-Bonds belächelt. Das erhoffte überwältigende Signal an Märkte und Spekulanten, dass Wetten gegen Euro-Staaten zum Scheitern verdammt sind, wären sie jedenfalls nicht mehr. Da Volumen und Laufzeit begrenzt sind, stellt sich zudem die Frage, ob sie die Nöte hoch verschuldeter Euro-Sorgenkinder unter steigendem Zinsdruck überhaupt effektiv zu lindern.

    Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent, weil Euro-Bills weder für die Befürworter noch für die Gegner gemeinschaftlicher Staatsanleihen die erhoffte Lösung wären.

  • Schuldentilgungsfonds

    Pro: Mit einem Schuldentilgungsfonds, wie ihn die fünf deutschen Wirtschaftsweisen vorgeschlagen haben, würden nur nationale Verbindlichkeiten jenseits von 60 Prozent gemeinschaftlich und zu niedrigen Zinsen bedient - also erst über der Marke, die der EU-Stabilitätspakt gerade noch zulässt. Bis zu dieser roten Linie müssten die Länder weiterhin alleine für ihre Schulden gerade stehen, andere Euro-Staaten also nicht für die gesamte Schuldensumme ihrer europäischen Partner haften. Der zu gründende Fonds würde sich selbst an den Finanzmärkten refinanzieren und dort über eine kollektive Haftung aller Mitgliedstaaten abgesichert.

    Contra: Während neben der SPD und den Grünen zuletzt auch das Europäische Parlament und der Internationale Währungsfonds Sympathien für diese Lösung bekundet haben, hegt die Bundesregierung verfassungsrechtliche Zweifel. Koalitionspolitiker sehen in ihr den Einstieg in die Vergemeinschaftung von Schulden, wie sie die No-Bailout-Klausel der europäischen Verträge verbiete. Die Bundesbank empfindet schon die Bezeichnung "Schuldentilgungspakt" als missverständlich, weil damit keine harten Einsparauflagen und Überschüsse zur Rückzahlung der Staatsschulden einhergingen.

    Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent, da der Tilgungsfonds letztlich zwar ebenfalls die Übernahme fremder Schulden bedeutet, allerdings zu einem geringeren Umfang als bei Euro-Bonds oder Euro-Bills.

  • Projektbonds

    Pro: Mit der Ausgabe dieser Projektanleihen sollen in der EU bis Ende 2013 Privatinvestitionen von rund 4,5 Milliarden Euro mobilisiert werden. Dafür stünden in einer Pilotphase zwar nur 230 Millionen Euro aus dem EU-Budget zur Verfügung, Brüssel hofft jedoch auf einen 20-fachen Hebelfaktor: Mit der Europäischen Union im Rücken sollen Investoren kreditwürdiger erscheinen, dadurch an billigeres Geld kommen und so grenzüberschreitende Verkehrs- oder Energieprojekte finanzieren. Es bestünde also die Hoffnung, mit relativ geringem Risiko einen beachtlichen Effekt zu erzielen.

    Contra: Skeptiker halten dem entgegen, dass sich für ökonomisch sinnvolle Projekte meist auch ohne staatliche Hilfe Privatinvestoren finden. Außerdem gebe es bislang lediglich eine Hand voll konkreter Vorhaben, die zudem nicht alle besonders ausgereift konzipiert seien.

    Wahrscheinlichkeit: 95 Prozent, da eine informelle Einigung bereits Ende Mai erzielt wurde und die einzusetzenden Mittel in einem günstigen Verhältnis zum erhofften Nutzen stünden.

Doch wie auch immer der Weg zur Vergemeinschaftung der Schulden auch heißen soll, ob ESM, Bankenunion, Eurobonds („Stabilitätsanleihen“), Schuldentilgungsfonds oder EZB, die ökonomischen, sozialen und politischen Nebenwirkungen werden von der Politik kaum zu kontrollieren sein. Entsprechend werden diese dann – natürlich völlig überraschend – schon in naher Zukunft wieder zu den wesentlichen Bestimmungsfaktoren an den Märkten werden. Schließlich soll die nunmehr beschlossene Schuldenvergemeinschaftung zum Erhalt eines unhaltbaren Status quo nicht nur auf die Ende 2011 ausgewiesenen 8,22 Billionen Euro an Staatsschulden des Euroraumes – darunter 3,34 Billionen Euro der PIIGS – begrenzt bleiben, sondern quasi als Sahnehäubchen obendrauf auch noch die „Schwarzen Löcher“ der 34,814 Billionen Euro (!) bilanzierenden Banken Europas mit einbeziehen – alternativlos! „Bedingungslos und unwiderruflich“ steht gemäß ESM-Vertrag (Art. 9) dann die Bevölkerung der Euro-Retter-Staaten auch noch für die ausstehenden Brutto-Schulden der einsturzgefährdeten Bankias der Peripherie ein; für 10,1 Billionen Euro!

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13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.07.2012, 09:55 Uhrlichtderaufrechten

    Freeman, sie sind ein Träumer ! Die amerikanische Bevölkerung ist heute
    weitaus ungebildeter als in den 30.ger Jahren.
    Rockefeller und Rothschild sitzen heute weitaus fester im Sattel!
    Selbst die Bevölkerung in Deutschland ist durch die Gründung einer
    Söldnerarmee nicht mehr in de Lage sich selbst zu verteidigen!

  • 12.07.2012, 09:48 Uhrlichtderaufrechten

    Im Parlament sitzt nur noch eine verfassungstreue Partei!
    Das ist ein fundamentaler Unterschied zum letztem weimarer
    Reichstag! Trotz Internet ist die heutige Gesellschaft weit
    davon entfernt , informiert zu sein! Was sagt uns das über
    die Presse und die Medien? Ich gehe davon aus , dass die
    Restauration einen Stand erreicht hat , der uns in die
    Zeit vor der französischen Revolution zurückführt!

  • 08.07.2012, 19:12 UhrSigip

    Ja, wir brauchen eine neue Partei in Deutschland. die führenden Ökonomen in Deutschland sollten sich zusammentun und mit den konservativen Kräften in unserem Land eine gründen.
    Merz wäre ein guter Vorsitzender, aber er will scheinbar nicht.
    Schade

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