Exklusiv-Interview: Felix Zulauf: "Goldpreis-Tief ist nahe"

ThemaKonjunktur

exklusivExklusiv-Interview: Felix Zulauf: "Goldpreis-Tief ist nahe"

von Frank Doll

Der Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf sieht den Goldpreis nahe seinem diesjährigen Tiefpunkt.

Die Positionen an den Terminmärkten seien massiv auf einen fallenden Goldpreis ausgelegt, sagte Zulauf. „Das sind eigentlich gute Voraussetzungen für ein Tief. Ich denke, der Goldpreis ist diesem Tief ziemlich nahe. Zwischen 1150 und 1250 Dollar je Unze sollte das Tief erreicht werden.“ Massiv kaufen würde er jetzt noch nicht: Wer Gold kaufen will, „der kann portioniert kaufen, aber zunächst piano“.

Ein Ende des Renditeanstiegs auf den Bondmärkten erwartet Zulauf noch im Verlauf des Sommers. „Vermutlich wird die Weltkonjunktur nicht annähernd so gut sein wie erwartet“, warnt Zulauf. „Wir kommen aus einem risikolosen Zinsumfeld in ein Umfeld mit zinslosem Risiko. Es gibt keine sicheren Anlagen und keine Renditen mehr, sondern nur noch Risiken.“

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Aktien werden laut Zulauf „wahrscheinlich die besten Instrumente sein, mit denen man in den nächsten Jahren operieren kann“. Allerdings eignen sich diese nur für aktive Anleger. Zulauf: „Anleger können nicht einfach kaufen und dann herumsitzen und glauben, man werde so wohlhabend. Diese Zeiten sind vorbei. Man muss sein Portfolio bewirtschaften.“

Zulauf: Europa bleibt in der Rezession - "Erholungsfantasien sind Fata Morgana"

Europa bleibt in der Rezession. Davon geht der renommierte Vermögensverwalter aus. „Als ich Anfang des Jahres für die Euro-Zone ein Minuswachstum von etwa zwei Prozent in Aussicht gestellt habe, wurde ich sehr komisch angeschaut. Aber ich glaube, wir kommen dorthin. Und auch Deutschland wird sich entsprechend abkühlen. Die ganzen Erholungsfantasien sind eine Fata Morgana“, sagt Zulauf im Gespräch. Darauf deute die Kreditentwicklung in der Euro-Zone hin. Zulauf: „Die Kreditvergabe schrumpft mit etwa vier Prozent. In kreditbasierten Volkswirtschaften lässt sich so kein Wachstum erzielen, unmöglich.“

Zulauf: Weit über 50 Prozent Wahrscheinlichkeit für Yen-Crash

Die Wahrscheinlichkeit für einen Yen-Crash in den kommenden Jahren ist sehr hoch. Das Felix Zulauf im Interview. „Japans Budgetdefizit liegt bei zehn Prozent und die Staatsverschuldung bei gut 240 Prozent der Wirtschaftsleistung. Etwa 40 Prozent der Steuereinnahmen gehen für Zinsen drauf. Wenn die Zinsen sich verdoppeln, wären das 80 Prozent der Einnahmen“, rechnet Zulauf vor. „Das wäre faktisch der Staatsbankrott“, lautet Zulaufs Fazit.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass Japan in den nächsten zwei bis drei Jahren in diese Situation gerät und die Kontrolle über seine Währung und die Finanzmärkte verliert, ist sehr hoch, deutlich über 50 Prozent. Dann gibt es einen Yen-Crash.“ Dies zu verhindern sei nur mit Kapitalverkehrskontrollen möglich. Zulauf: „Dann beginnt eine neue Epoche.“ Japan exportiere Deflation in die ganze Welt. Zulauf sieht vor allem auf die deutsche Autoindustrie Probleme zukommen: „Wenn ein Japaner plötzlich 20 Prozent günstiger wird, muss der deutsche Wettbewerber reagieren. Dessen Gewinnmarge fällt.“

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