Fed-Entscheidung: Bernanke macht Rückzieher - billiges Geld bleibt

Fed-Entscheidung: Bernanke macht Rückzieher - billiges Geld bleibt

, aktualisiert 18. September 2013, 21:03 Uhr
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Fed-Chef Ben Bernanke hält die Märkte immer wieder in Atem.

von Saskia Littmann

Die Fed traut sich nicht, langsam aus der expansiven Geldpolitik auszusteigen. Überraschend hat die US-Notenbank verkündet, ihr Anleihekaufprogramm weiter fortzusetzen. Macht das die Märkte skeptisch?

Viele Marktteilnehmer hatten fest mit einer Abkehr der US-Notenbank Fed von der expansiven Geldpolitik gerechnet - aber Chefnotenbanker Ben Bernanke hat sie eines besseren belehrt. Wie die Fed am Mittwoch mitteilte, wagt die Notenbank noch keine schrittweise Abkehr von der Politik des billigen Geldes. Die Zentralbanker entschieden, den Umfang der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren weiterhin bei 85 Milliarden Dollar zu belassen. Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Fed die Konjunkturhilfen auf 75 Milliarden Dollar pro Monat stutzen würde.

Offenbar hält die Fed die Wirtschaft für noch nicht robust genug, um ohne Geldspritzen in der bisherigen Dosis auskommen zu können. Der Offenmarkt-Ausschuss der Zentralbank erklärte, noch auf mehr "Hinweise auf nachhaltige Fortschritte" bei der Wirtschaftserholung warten zu wollen. Am ultra-niedrigen Leitzins von null bis 0,25 Prozent will die Notenbank aber noch mindestens solange festhalten, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent verharrt. Im August lag sie bei 7,3 Prozent. Nach Ansicht von zwölf der 17 Fed-Notenbanker ist 2015 der richtige Zeitpunkt, um die Zinszügel wieder anzuziehen.

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Will Bernanke diese so wichtige Entscheidung, das Ende eines bisher nie dagewesenen geldpolitischen Experiments, womöglich an seinen Nachfolger weitergeben? Denn im Januar ist die Amtszeit Bernankes vorbei. Mittlerweile ist Janet Yellen in der Favoritenrolle um seine Nachfolge, und die Ökonomin gilt als geldpolitische Taube. Eine Fed-Chefin Yellen würde also vermutlich die expansive Politik Bernankes fortsetzen. Ihr Aufstieg zur Favoritin schubste den Deutschen Aktienindex (Dax) am Montag gleich auf ein neues Allzeithoch jenseits der 8600-Punkte-Marke. Am Mittwochabend bestätigte ein Sprecher des US-Präsidialamts, dass Yellen die führende Kandidatin in der Fed-Nachfolge sei.

Wollen die Märkte das? 

Nun stellt sich die Frage, ob die Märkte mit dieser Entscheidung der Notenbank zufrieden sind. Schließlich hatten viele Experten damit gerechnet, dass die Notenbanker die Staatsanleihekäufe langsam zurückfahren. Entsprechend vielen auch die Reaktionen aus. "Um die Wahrheit zu sagen, ich bin wirklich erschüttert", erklärte Chef-Marktstratege Joseph Trevisani von WorldwideMarkets gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Auch NordLB-Stratege Tobias Basse weist auf die Risiken der Entscheidung hin. „Fährt die Fed ihre Anleihekäufe weniger zurück als erwartet, könnten die Märkte das als negatives Signal auffassen“, sagt Basse. Dann dürften Sorgen um eine strauchelnde US-Konjunktur wieder auf die Tagesordnung kommen.

Die Notenbank bewegt sich also auf dünnem Eis. Viele Anleger fragen sich, wie sich die Fed-Politik auf die einzelnen Anlageformen auswirkt.

Bernanke-Nachfolge Wird Janet Yellen die neue Fed-Chefin?

Nach dem Rückzug von Lawrence Summers gilt Janet Yellen als heißeste Kandidatin für die Nachfolge von Fed-Chef Ben Bernanke, konkurrenzlos ist sie allerdings nicht. Warum Yellen die Favoritin der Finanzmärkte ist.

Nachdem Lawrence Summers seine Kandidatur zurückgezogen hat, gilt die Ökonomin Janet Yellen als Topfavoritin für die Nachfolge Bernankes. Quelle: dpa

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Wie stark Börsianer auf die Lippenbekenntnisse der Fed achten, haben sie in den vergangenen Monaten mehrfach bewiesen. Jetzt dürften die Märkte sich wieder deutlich nach oben bewegen. Schon kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung reagierten die Märkte in New York mit deutlichen Kurssprüngen, der S&P 500 Index kletterte auf ein neues Rekordhoch von 1719 Punkten. Auch der Dax dürfte am Donnerstag erneut kräftig zulegen.

Die Reaktion fällt umso stärker aus, da die Märkte eine langsame Abkehr vom billigen Geld längst in die Kurse eingepreist hatten. Deshalb hatten Analysten einen Rückgang des Kaufprogramms auch nicht als gefährlich eingeschätzt. „Die Märkte sind sehr gut auf die zukünftige Geldpolitik der Fed vorbereitet“, sagt Basse.

Mit dieser Entscheidung werden die Kurse weiterhin stark liquiditätsgetrieben sein, Fundamentaldaten stehen weiterhin nicht so stark im Fokus. Dennoch dürften Börsianer weiterhin stark auf amerikanische Indikatoren achten, wenn die Fed-Entscheidung Zweifel am Zustand der amerikanischen Wirtschaft wieder hochkommen lässt.

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4 Kommentare zu Fed-Entscheidung: Bernanke macht Rückzieher - billiges Geld bleibt

  • Denke das dieser Tag in die Geschichte eingehen wird. Denn jetzt ist klar es gibt kein zurück mehr für höhere Zinsen und der Währungswettlauf sowie Inflation hat begonnen. Wer jetzt nicht in Ackerland oder Gold und Silber investiert wird alles verlieren.

  • Die Amerikaner sorgen sich das ihr Wirtschaftswachstum dieses Jahr nur 2.2% betragen wird:
    http://www.washingtonpost.com/blogs/wonkblog/wp/2013/09/18/fed-to-maintain-stimulus-as-economy-remains-weak/

    Man beachte was die Eurozone bzw. der Eurozonen 'Kraftmeier' Deutschland schaffen wird.

    Nach gängiger Faustregel gilt übrigens das bei einem Wachstum unter 3% der Kapitalstock, z.B. Infrastruktur, schrumpft.
    Vor der Euroeinführung und dem durch die Wiedervereinigung bedingten Einbruch lag das Wachstum meistens über diesen 3%.

  • Der schwere Alkoholiker traut sich nicht, den Alkohol abzusetzen.
    Niemand käme auf die Idee, dass das zu einem guten Ende führt. Der Entzug wird nur um so härter werden - wenn der Patient vorher nicht stirbt oder mindestens einen bleibenden Schaden davonträgt.

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