FED: Zinserhöhung erst nach Brexit-Votum

FED: Zinserhöhung erst nach Brexit-Votum

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Janet Yellen: Zinserhöhung erst nach Brexit-Votum

Die US-Notenbank verschiebt die nächste Zinserhöhung auf die Zeit nach dem britischen Votum über einen EU-Ausstieg.

Die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen entschieden gut eine Woche vor dem von der Finanzwelt mit Bangen erwarteten Referendum, den Leitzins in der Spanne von 0,25 und 0,5 Prozent zu belassen. Das Brexit genannte Ausstiegsszenario sei mit ins Kalkül genommen worden, räumte Yellen am Mittwoch ein: "Es war einer der Faktoren, die in unsere heutige Entscheidung eingeflossen sind." Die Folgen eines britischen EU-Austritts könnten auch die US-Wirtschaft treffen.

Die Währungshüter signalisierten dennoch, dass sie 2016 noch zwei Zinsschritte nach oben wagen wollen. Der erste komme womöglich bereits im Sommer: "Wir werden in den nächsten Monaten handeln, wenn es angebracht sein sollte", sagte Yellen.

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Auch eine Erhöhung im Juli sei nicht vom Tisch. Sollte die Fed die Geldpolitik im nächsten Monat oder im September straffen, gilt dies auch mit Blick auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen für viele Experten als geschickter Schachzug: Denn das sich abzeichnende Duell zwischen dem Republikaner Donald Trump und der Demokratin Hillary Clinton im Kampf ums Weiße Haus dürfte vor dem Wahltermin im November geldpolitische Schritte zum Politikum machen.

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

  • Immer mehr Notenbanken senken weltweit die Zinsen

    Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.
    Quelle: Reuters; Stand März 2015

  • 1. Januar - Usbekistan

    Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.

  • 15. Januar - Schweiz

    Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

  • 15. Januar - Ägypten

    Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

  • 16. Januar - Peru

    Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

  • 21. Januar - Kanada

    Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

  • 22. Januar - EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

  • 24. Januar - Pakistan

    Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

  • 28. Januar - Singapur

    Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

  • 28. Januar - Albanien

    Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

  • 30. Januar - Russland

    Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

  • 3. Februar - Australien

    Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

  • 4. Februar/ 7. Januar - Rumänien

    Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

  • 5. Februar/ 29. Januar/ 22. Januar/ 19. Januar - Dänemark

    Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

  • 12. Februar - Schweden

    Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

  • 17. Februar - Indonesien

    Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

  • 18. Februar - Botsuana

    Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

  • 23. Februar - Israel

    Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

  • 24. Februar/ 20. Januar - Türkei

    Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • 28. Februar - 4. Februar - China

    Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

  • 4. März/ 15. Januar - Indien

    Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

Trump gilt ohnehin nicht als Anhänger Yellens: Er hat bereits angekündigt, als Präsident langfristig einen Republikaner an die Spitze der Fed berufen zu wollen. Die Notenbank schiele jedoch nicht mit einem Auge auf den Wahlkampf, betonte Yellen. Für die Notenbank stünden die Wirtschaftsdaten im Vordergrund.

Doch mit Blick auf den Brexit hatten Investoren bereits damit gerechnet, dass die Fed jetzt die Füße stillhalten würde. Die Briten stimmen am 23. Juni ab. Der Ausgang gilt als völlig offen. Seit Wochen überschattet das Thema die Entwicklung an den globalen Finanzmärkten. Sollten die Briten der EU "Goodbye" sagen, erwarten Experten ein weltweites Börsenbeben und eine Abkühlung der Weltwirtschaft. "Yellen hat alles richtig gemacht: Die Finanzmärkte konnten sich darauf verlassen, dass sie wegen eines möglichen Brexits den Juni-Termin für die Zinsanhebung sausen lässt - sonst wäre die Verunsicherung noch größer geworden", sagte der Chefvolkswirt der Targo-Bank, Otmar Lang.

Das sind die Gewinner und Verlierer der Währungsschwäche

  • Gewinner Exporteure

    Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten - erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger - etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. Schon 2014 verkaufte Deutschland so viele Waren ins Ausland wie nie zuvor. Allerdings: Immerhin 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Eurozone. Dort spielt der Wechselkurs keine Rolle.

  • Gewinner Konjunktur

    Mehr Exporte = mehr Produktion = mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen. All das bringt die heimische Wirtschaft voran.

  • Gewinner Dax-Konzerne

    „Das Milliarden-Geschenk“ titelte das „Handelsblatt“ am 22. Januar, als die EZB ihr gigantisches Anleihenkaufprogramm beschloss. Die lockere Geldpolitik der Notenbank könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen - allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

  • Verlierer Importeure

    Wer Waren oder Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, muss sich auf höhere Kosten einstellen. Denn wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“ In Deutschland wäre der Preisrückgang bei Benzin und Heizöl in den vergangenen Monaten noch deutlicher ausgefallen, wenn der Eurokurs nicht so stark nachgegeben hätte.

  • Verlierer Urlauber

    Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Auch für Reisen in andere Nicht-Euroländer wie Großbritannien oder die Türkei müssen Verbraucher aus Euroländern tiefer in die Tasche greifen. Auf der anderen Seite wird für Amerikaner oder Chinesen ein Trip nach Berlin, Athen oder an die Côte d'Azur attraktiver.

  • Verlierer Unternehmen

    Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

  • Verlierer Nicht-Eurostaaten

    Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner. Die Erfahrung zeigt, dass es in solchen Fällen nur Verlierer gibt.

Doch nicht nur der bange Blick über den Atlantik dürfte die Fed dazu veranlassen, Erhöhungen des Schlüsselsatzes zur Versorgung der Banken mit Geld auf die lange Bank zu schieben: Auch der maue Start der amerikanischen Wirtschaft ins Jahr und ein überraschend schwacher Arbeitsmarktbericht im Mai lieferten der Notenbank gute Gründe, die Zinszügel noch nicht anzuziehen. Yellen rechnet jedoch damit, dass sich die Lage am Jobmarkt nach dem jüngsten Durchhänger wieder aufhellen wird. Auch die Wirtschaft werde in diesem Jahr weiter in moderaten Tempo zulegen, so die Fed-Chefin.

Die Notenbank strebt Vollbeschäftigung und stabile Preise an. Dabei hatte sie zuletzt einen Rückschlag zu verkraften, da der Stellenzuwachs im Mai mit 38.000 weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Diese Zahlen lassen Zweifel an der Stabilität des Aufschwungs aufkommen, zumal die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn kaum wuchs. Hiobsbotschaften kamen nun von der Industrie: Die Firmen drosselten die Produktion im Mai deutlicher als erwartet. Der Wirtschaft zwischen New York und San Francisco macht der starke Dollar zu schaffen, der US-Produkte im Ausland verteuert. Zuletzt hatte die Fed im Dezember die Zinsen angehoben - erstmals seit fast zehn Jahren.

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