Felix Magath im Interview: „Geld gibt mir Sicherheit“

Felix Magath im Interview: „Geld gibt mir Sicherheit“

, aktualisiert 13. November 2011, 15:20 Uhr
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Felix Magath, seit 30 Jahren an der Börse unterwegs.

von Jörg HackhausenQuelle:Handelsblatt Online

Felix Magath ist nicht nur einer der erfolgreichsten Fußballtrainer. Er kennt sich auch an der Börse aus. Im Interview erzählt Magath, was Geld für ihn bedeutet, wie er es anlegt und wieso er sich darum Sorgen macht.

Handelsblatt: Herr Magath, es heißt, Sie seien stets informiert, was an der Börse läuft. Haben Sie heute schon auf die Kurse geschaut?

Felix Magath: Ja. Ich habe mich informiert, ob etwas Außergewöhnliches passiert ist oder nicht.

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Das wollen wir testen: Wo steht der Dax aktuell?

Bei etwa 6100 Punkten.

Gute Antwort, vorhin waren es genau 6114 Punkte. Die Schuldenkrise droht erneut zu eskalieren. Macht Ihnen das Sorgen?

Allerdings. Bei der letzten großen Finanzkrise, im Jahr 2008, war ich noch nicht besorgt, jetzt bin ich es. Ich stelle fest, dass die Fachleute sehr ratlos sind. Ich befürchte, dass niemand mehr die Situation im Griff hat. Alles ist nur noch von politischen Stimmungen abhängig.

Heißt das, dass Sie ihre Geldstrategie überdenken?

Wenn es so weitergeht an den Finanzmärkten, muss ich mir Gedanken machen. Das habe ich noch nicht entschieden.

Kaufen Sie Gold?

Nein. Den Ratschlag, man solle Edelmetalle kaufen, habe ich so oft in den letzten Monaten gehört. Dabei hat die Absicherung mit Edelmetallen schon während der vergangenen Finanzkrise 2008 nicht funktioniert. Denn zu der Zeit sind auch die Edelmetalle in den Keller gerauscht. Von damals habe ich noch kleine Bestände.

Wie haben Sie Ihr Vermögen aufgeteilt?

Ungefähr 60 Prozent in Aktien. Außerdem habe ich noch ein paar Immobilien.

Bei einem so hohen Aktienanteil wäre jeder Bankberater entsetzt. Jemandem in Ihrem Alter würde er raten, mehr in Rentenpapiere umzuschichten.

Das mag sein. Aber wenn ich Anleihen von Griechenland gekauft hätte, wäre ich damit nicht sehr glücklich geworden. Dann schon lieber Aktien. Bei einem Unternehmen wie Volkswagen sehe ich kein großes Risiko.

Sagen Sie das, weil VW der Hauptsponsor Ihres derzeitigen Arbeitgebers ist - oder haben Sie die Aktie auch im Depot?

Die habe ich auch im Depot.


Am Neuen Markt habe ich viel Geld verloren

Seit wann sind Sie an der Börse unterwegs?

Ich bin vor 30 Jahren zur Aktie gekommen. Ich habe in einem Aktienclub begonnen, Geld anzulegen - seitdem bin ich dabeigeblieben.

Was war Ihre erste Aktie?

Das war AEG. Das Unternehmen war damals ins Trudeln geraten, es drohte die Pleite, der Aktienkurs war dramatisch gesunken. Ich dachte mir, dass ein Unternehmen mit mehr als 100.000 Angestellten nicht einfach pleitegehen wird.

Hat sich das ausgezahlt?

Für mich war es ein voller Erfolg. AEG wurde zunächst gerettet und ich konnte meinen Einsatz vervielfachen.

Wie haben Sie den Hype am Neuen Markt um die Jahrtausendwende erlebt?

Ich hatte zuerst gar nichts mit dem Neuen Markt zu tun, bis ich angefangen habe, Börsenbriefe zu lesen. Darin stand, diese oder jene Aktie müsse man unbedingt haben, als Basisinvestment, wie es so schön hieß. Ich dachte mir, Basisinvestment, das klingt nach einer sicheren Anlage. Mit manchen dieser Basisinvestments habe ich viel Geld verloren. Das war eine Erfahrung für mich, die ich heute unter dem Stichwort Lehrgeld einordne.

Sie sind im Gegensatz zu vielen anderen Anlegern an der Börse geblieben. Warum?

Für mich ist die Aktie die beste Form der Anlage. Aufgrund meines Einkommens habe ich die Möglichkeit, auch schlechtere Zeiten an der Börse zu überstehen. Bin ich von einer Aktie grundsätzlich überzeugt, investiere ich regelmäßig weiter, auch wenn es zwischenzeitlich mal nicht so gut läuft.

Sind Sie ein risikofreudiger Typ?

Ich habe in meinem Beruf gelernt, mit Risiken zu leben. Das Risiko bei Aktien halte ich für überschaubar, wenn man sie als langfristige, auf einen mehrjährigen Zeitraum ausgelegte Geldanlage versteht.


Sicherheit erst seit dem Engagement bei Bayern

Sie haben finanziell ausgesorgt, könnten eigentlich aufhören als Trainer. Was treibt Sie weiter an?

Mich hat immer der sportliche Ehrgeiz getrieben. Ich möchte als Trainer das erreichen, was ich als Spieler erreicht habe. Ich möchte also irgendwann noch die Champions League gewinnen.

Welche Rolle spielt Geld in Ihrem Leben?

Es gibt mir Sicherheit. Ich habe erlebt, wie es ist, mit ganz wenig zu leben, jeden Pfennig umdrehen zu müssen. Ich bin mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Wir konnten uns kaum etwas leisten. Auch nach meiner aktiven Zeit als Spieler habe ich Phasen der Unsicherheit erlebt.

Warum das, als Fußballer verdient man doch nicht gerade schlecht?

Wenn die Karriere zu Ende geht, ist man vielleicht fürs Fußballspielen zu alt, hat aber noch ein paar Jahrzehnte vor sich. In dieser Phase wusste ich nicht, wie lange das Ersparte reichen würde, zumal ich auch noch eine Scheidung hinter mir hatte. Anfang der 90er-Jahre fing ich als Trainer in der Verbandsliga an. Da konnte ich nicht ahnen, wie sich die Dinge einmal entwickeln würden.

Wann kam der Moment, an dem Sie dachten: Jetzt muss ich mir keine Sorgen mehr ums Geld machen?

Eine finanzielle Sicherheit fühle ich erst seit meinem Engagement bei den Bayern im Jahr 2004.

Von Uli Hoeneß, dem Manager des FC Bayern, ist bekannt, dass er ein gutes Händchen für Geld hat. Haben Sie mit ihm schon mal Anlagetipps ausgetauscht?

Selbstverständlich, wenn man oft zusammen ist, redet man über dieses und jenes, nicht nur über Fußball.


Der Spaßfaktor ist geringer, dafür verdienen alle mehr

Und wer ist der bessere Anleger - Sie oder Hoeneß? 

Uli Hoeneß.

Im Fußballgeschäft dreht sich alles immer schneller. Sehen Sie da eine Parallele zur Börse?

Sie müssen heute schneller reagieren. Das gilt für den Fußball wie für die Börse. Sie müssen sich den veränderten Bedingungen anpassen.

Wie wichtig ist es, bei einem Klub zu arbeiten, bei dem die Finanzen stimmen?

Ich bin dankbar, jetzt wieder bei einem Klub zu arbeiten, bei dem ich meine Vorstellungen von Fußball umsetzen kann. Ich habe in meiner Trainertätigkeit – mit Ausnahme von Bayern und Wolfsburg - immer wieder Vereine trainiert, die finanziell klamm waren, die sportlich darniederlagen. So eine Situation habe ich 2009 bei Schalke noch einmal gesucht. Die Herausforderung war, mit einem Verein sportlich erfolgreich zu sein, ohne die finanziellen Mittel zu haben. Und das ist uns mit der Vizemeisterschaft und den Erfolgen in der Champions League und im DFB-Pokal gut gelungen.

Kritiker sagen, im Fußball sei inzwischen zu viel Geld im Spiel. Wünschen Sie sich manchmal die gute, alte Zeit zurück?

Es spielt keine Rolle, ob ich das gut oder schlecht finde. Was ich im Leben gelernt habe, ist, nach vorne zu schauen. Ich muss die Bedingungen nehmen, wie sie sind, und das Beste daraus machen. Früher haben wir weniger verdient, dafür hatten wir mehr Spaß. In den 70er, 80er-Jahren konnten wir nebenbei noch einiges unternehmen. Das geht heute nicht mehr. Heute ist der Spaßfaktor geringer, dafür verdienen alle mehr.

Herr Magath, vielen Dank für das Interview.


Zur Person

Der Trainer Felix Magath ist einer der erfolgreichsten Fußballtrainer in Deutschland. Bislang arbeitete er unter anderem für Eintracht Frankfurt, den VfB Stuttgart, Bayern München und Schalke 04. Derzeit ist er beim VfL Wolfsburg, mit dem er 2009 die deutsche Meisterschaft gewann. Als Bayern-Trainer holte Magath zwei Meistertitel und gewann zweimal den DFB-Pokal. Als Spieler wurde er Europameister; mit dem Hamburger SV holte er drei Meistertitel und gewann den Europapokal der Landesmeister sowie den DFB-Pokal.

Der Investor Seit 30 Jahren ist Magath Aktionär. Seine ersten Wertpapiere waren Anteilsscheine von AEG. Rund 60 Prozent seines Vermögens steckt heute in Aktien; einen weiteren Teil hat der gebürtige Aschaffenburger in Immobilien investiert. Bei Gold ist Magath dagegen vorsichtig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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