Fondsanbieter: Fairvesta im Visier der Staatsanwaltschaft

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Gegen den Vorstand des Fondsanbieters Fairvesta wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

von Melanie Bergermann und Niklas Hoyer

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat gegen den Vorstand und weitere Führungskräfte des Tübinger Immobilienfondsanbieters Fairvesta ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs eingeleitet.

Dies erklärte eine Behördensprecherin am Montag gegenüber der WirtschaftsWoche. Fairvesta gab hierzu bislang keine Stellungnahme ab.

Fairvesta hat über geschlossene Immobilienfonds knapp 870 Millionen Euro bei rund 14000 Anlegern eingesammelt. Zuletzt wurden auch Anleihen begeben. Das Geschäftsmodell ist simpel: Fairvesta kauft Immobilien und zahlt 30 bis 50 Prozent weniger, als die angeblich wert sind. Gekauft würden nur „Qualitätsimmobilien in guter Lage ohne Reparaturstau“, wie es zum Beispiel im Prospekt des Fonds Fairvesta 4 heißt. Binnen drei Jahren sollen die Immobilien mit hohem Gewinn weiterverkauft werden. Im Schnitt, so gibt Fairvesta an, sollen mit derlei Geschäften jährlich zweistellige Renditen erwirtschaftet werden. Die WirtschaftsWoche hatte bereits im Oktober 2013 darüber berichtet, dass die Darstellung von Fairvesta zweifelhaft ist. Fairvesta hatte sich daraufhin beim Deutschen Presserat über die WirtschaftsWoche beklagt. Die Beschwerde wurde allerdings vollumfänglich als unbegründet abgewiesen.

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Seltsames Geschäftsmodell

Die von   Fairvesta ausgewiesenen Renditen existieren bislang zum Großteil nur auf dem Papier. Der Grund: Fairvesta kauft Immobilien zu Preisen unter dem Verkehrswert. Der Verkehrswert ist der Preis, der sich gewöhnlich für ein Haus in in einer bestimmten  Lage   mit  vergleichbarer Ausstattung beim Verkauf erzielen lässt. Wurde eine Immobilie unter Verkehrswert gekauft,  verbucht  Fairvesta die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkehrswert als Gewinn. Auf den Konten der Anleger kommt dieser aber erst dann an, wenn Fairvesta die Häuser auch tatsächlich irgendwann zum Verkehrswert verkauft.

Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

  • Tipp 1

    Renditen von über acht Prozent pro Jahr versprochen werden, gleichzeitig aber ein Drittel der eingeworbenen Summe für Kosten wie Werbung oder Vertrieb draufgeht

  • Tipp 2

    der Initiator bislang noch keine erfolgreichen Finanzprodukte aufgelegt hat

  • Tipp 3

    der Initiator nicht nachweisen kann, dass er die versprochenen Renditen im Kerngeschäft erwirtschaftet oder mit Vorgängerprodukten bereits erzielt hat

  • Tipp 4

    das Objekt, in das investiert werden soll, noch nicht feststeht oder das Anlegergeld als Kredit an andere Gesellschaften weitergereicht wird, der Anleger sich also nicht direkt an einer Immobilie oder einem Schiff beteiligt

  • Tipp 5

    Anleger Geld nachschießen müssen, falls das Unternehmen zum Sanierungsfall wird

Genau das scheint dem Unternehmen allerdings schwer zu fallen. Laut einer Präsentation, die Fairvesta im Rahmen einer Pressekonferenz Ende vergangenen Jahres veröffentlicht hat, hat das Unternehmen bis dahin insgesamt 234 Immobilien erworben und 46 Objekte wieder verkauft. Dies entspricht einer Verkaufsquote von gerade einmal 19,7 Prozent.  

Fairvesta ist damit den Beleg dafür, die günstig eingekauften Immobilien im großen Stil teuer verkaufen zu können,  bislang schuldig geblieben.

Hoher Leerstand

Darüber hinaus wiesen einige der „Qualitätsimmobilien“  einen recht hohen Leerstand auf. Fairvesta bot seine Immobilien noch im vergangenen Jahr über den zur Gruppe gehörenden Makler German Profit Estate (GPE) zum Verkauf an. Auf der Internetseite des Unternehmens wurden die Fonds-Objekte inklusive der tatsächlichen und der gewünschten Mieteinnahmen gezeigt. Laut den dort noch im Herbst verfügbaren Daten lagen bei mindestens ein Viertel der Immobilien der Fonds Fairvesta, I, IV und V die Ist-Mieten um mehr als 20 Prozent unter Soll.

Fairvesta Beim Fondsanbieter sieht es düster aus

Geschlossene Immobilienfonds haben seit dem Zusammenbruch von S&K das Vertrauen der Anleger verspielt. Bei der Fondsgesellschaft Fairvesta, die rund 700 Millionen Euro einsammelte, läuft es nicht so wie behauptet.

Aufmacher Fairvesta Quelle: WirtschaftsWoche

Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche stritt der Handlungsbevollmächtigte der Gruppe Otmar Knoll dies im Herbst vergangenen Jahres ab und behauptete, die Internetseite von German Profit Estate werde nicht aktualisiert. Die dort gezeigten Fairvesta-Immobilien seien zum Großteil längst verkauft. Diese Behauptung war allerdings nachweislich falsch. Ein Großteil der dort gezeigten Immobilien befand sich nach wie vor im Besitz der Fonds.

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