Fondshaus: Erste Pleite im Skandal um Wölbern Invest

Fondshaus: Erste Pleite im Skandal um Wölbern Invest

, aktualisiert 23. Oktober 2013, 12:53 Uhr
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Wölber-Geschäftsführer Heinrich Maria Schulte sitzt seit September in Untersuchungshaft.

von Gertrud Hussla und Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Der Skandal um das Hamburger Fondshaus zieht immer weitere Kreise. Nachdem Wölbernchef Schulte in Untersuchungshaft genommen wurde, hat nun eine Tochtergesellschaft Insolvenz angemeldet.

Es ist die erste Insolvenz im Finanzskandal um das Hamburger Fondshaus Wölbern Invest: Die Wölbern Fondsmanagement, eine Tochtergesellschaft des Emissionshauses, hat die Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt. Das bestätigte das Hamburger Insolvenzgericht dem Handelsblatt. Der Jurist Bernd Depping wurde als Sanierungsgeschäftsführer bestellt. Das Hamburger Emissionshaus Wölbern verwaltet rund 30 geschlossene Fonds.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

  • Aktienfonds

    Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

  • Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

    Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

  • Geldmarktfonds

    Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

  • Immobilienfonds

    Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

  • Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

    Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

  • Mischfonds

    Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

  • Rentenfonds

    Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Sein Geschäftsführer, der Mediziner Heinrich Maria Schulte, sitzt seit September in Untersuchungshaft. Zuvor hatten Ermittler die Wölbern-Büros und Schultes Privatwohnungen durchsucht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Untreue in mehr als 300 Fällen. Schulte soll insgesamt rund 137 Millionen Euro an Anlegergeldern unrechtmäßig aus den geschlossenen Fonds abgezweigt haben. Bislang wollten sich weder Heinrich Maria Schulte noch Wölbern Invest zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern.

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Wölbern verwaltet insgesamt ein Fondsvolumen von rund zwei Milliarden Euro. Laut Sanierungsvorstand Depping seien die Fonds von der Insolvenz nicht betroffen. Nun gehe es mit der Insolvenz in Eigenverantwortung darum, „das Vermögen in den einzelnen Fonds zu sichern“, sagte Depping. „Wir werden uns nun der Aufgabe stellen, so gründlich wie nötig und so zügig wie möglich die wirtschaftliche Gegenwart der Wölbern Fondsmanagement zu verstehen“, erklärte Depping. Der Jurist ist in der Fondsbranche kein Unbekannter. Er war auch zum Sanierungsvorstand der WGF bestellt worden. Der Düsseldorfer Immobilienkonzern hatte im vergangenen Dezember die Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt und setzt derzeit einen Insolvenzplan um, an dessen Erstellung Depping als Sanierungsvorstand mitgewirkt hatte.

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