Fondsinvestments: Wie eine Bank Immobilienanleger loswerden will

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Fondsinvestments: Wie eine Bank Immobilienanleger loswerden will

von Melanie Bergermann

Die Nachfolgegesellschaften der WestLB wollen deren Fondsgeschäft loswerden. Dazu sollen Gebäude im Wert von rund einer Milliarde Euro schnell verkauft werden – notfalls auch ohne explizite Zustimmung der Anleger. Ein Lehrstück über die Risiken geschlossener Immobilienfonds.

Alois Josef Müller ist einer von mehr als 700 Besitzern eines 47.000 Quadratmeter großen Bürohauses im Düsseldorfer Regierungsviertel – und das schon seit 1975. Damals hat er Anteile des geschlossenen Fonds RWI 25 gekauft. Geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen, bei denen sich der Anleger für viele Jahre an das Fondsobjekt, zum Beispiel eine Immobilie, bindet. „Das Gebäude befindet sich in einer Top-Lage“ und sei zu mehr als 80 Prozent vermietet, sagt der 73-Jährige. Verantwortlich für den Fonds und damit für das Bürohaus ist die Westfonds GmbH. Die war eine Tochter der WestLB und gehört heute deren Nachfolgegesellschaften Portigon und Erste Allgemeine Abwicklungsanstalt (EAA). Genau das aber ist das Problem.

„Der Fonds wird schlecht verwaltet, die Kosten sind zu hoch“, sagt Anleger Müller. Westfonds hält dagegen, dass sie grundsätzlich die „bestmögliche Verwaltung“ anstrebe. Schlimmer: WestLB-Nachfolgerin Portigon will das Gebäude verkaufen. Müller aber geht das viel zu schnell. Er will, dass möglichst alle 700 Eigentümer erst mal über den Verkauf des Bürohauses und die Probleme des Fonds beraten. Über 30 Prozent der Anleger unterstützen die Forderung, das hat Müller schriftlich. Doch die WestLB-Nachfolgerin Portigon, so scheint es, interessiert das herzlich wenig. Sie erweckt den Eindruck, dass sie die Immobilie schnellstens verticken will – notfalls auch ohne explizite Zustimmung der Anleger.

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Wenn eine große Bank zertrümmert wird, danach sieht es zumindest aus, gibt es eben Kollateralschäden. „Es scheint mir, dass Anleger durch eine manipulative Art der Information dazu gedrängt werden sollen, einem Verkauf der Immobilien zuzustimmen“, sagt Ralf Witzel, Vizechef der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. Dass weder Portigon noch die EAA die Fonds weiter betreuen wollten, könne er verstehen, „aber das darf doch nicht zulasten derjenigen gehen, die das ökonomische Risiko der Beteiligung tragen“.

Blick zurück: In der Finanzkrise war die WestLB zum wiederholten Mal in Existenznot geraten. Sie musste von ihren Eigentümern – dem Land Nordrhein-Westfalen und den NRW-Sparkassen – gerettet werden. Im Gegenzug zu dieser eigentlich verbotenen Subventionierung einer halbstaatlichen Bank, verfügte die EU-Kommission, dass die Landesbank abgewickelt werden muss. Ihre Nachfolgegesellschaft Portigon darf künftig nur noch wenige Dienstleistungen anbieten. Ein Teil des ehemaligen WestLB-Geschäfts, zum Beispiel das mit Wertpapieren, wurde in die EAA gepackt und soll abgewickelt werden. Die Immobilienfonds aber sind davon ausgenommen.

Die ungeliebten Immobilienfonds

  • Fonds RWI 25

    Büroimmobilie (1974), Düsseldorf

    Verkehrswert: 85 Millionen Euro

    Vermietungsstand: ca. 82 Prozent

    Der Verkauf wurde gestoppt.

    Hauptmieter ist E.On. Ein Anleger hat den Verkauf per einstweiliger Verfügung vorerst verhindert.

  • Fonds BI 23

    Hotel (1986), Sindelfingen

    Verkehrswert: 17,5 Millionen Euro

    Vermietungsstand: 100 Prozent

    Verkauf in diesem Jahr geplant.

    Westfonds will das von Marriott betriebene Haus loswerden. Ein Investor versucht, das zu verhindern.

  • Fonds RWI 34

    Büroimmobilie (1976), Dortmund

    Verkehrswert: 49,5 Millionen Euro

    Vermietungsstand: 100 Prozent

    Anleger lehnen Verkauf ab.

    Hauptmieterin ist eine ehemalige Tochter des Energieriesen RWE. Anleger verweigerten einen Verkauf für 30 Millionen Euro.

Denn sie gehörten und gehören nicht der WestLB, sondern Anlegern – Leuten wie Alois Müller. Die WestLB führte bei den Fonds nur die Geschäfte, ähnlich wie ein fest angestellter Manager. Die Nachfahren der Landesbank aber scheint das nicht zu stören. Mit aller Macht drängen sie die Anleger in Richtung Verkauf – und bedienen sich dabei zweifelhafter Methoden.

So wird in Schreiben an die Anleger mancher Fonds der Eindruck erweckt, die Gesellschaften befänden sich in einer Schieflage. Gestützt wird die Version durch die neuen Gutachter, die die Bank mit Genehmigung der Anleger 2010 bei den Fonds eingesetzt hat. Diese stuften diverse Immobilien deutlich niedriger ein als ihre Vorgänger. „Die Anleger sollen verunsichert werden“, vermutet Dietmar Schloz, Geschäftsführer bei Asuco, einer Gesellschaft, die in einige Fonds investiert hat.

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