Fondsmanager Kaldemorgen: "Ich meide Autoaktien und Chemiewerte"

Fondsmanager Kaldemorgen: "Ich meide Autoaktien und Chemiewerte"

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DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen

von Heike Schwerdtfeger

Der DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen über seine Strategie bei der Auswahl zwischen Aktien und Anleihen, sein jüngstes Fondskonzept, steigenden Druck auf Banken und überforderte Politiker.

WirtschaftsWoche: Herr Kaldemorgen, worüber haben Sie sich an dem Wochenende der Griechenlandwahl mehr gefreut: Den Wahlausgang oder das Tor von Lars Bender für die deutsche Nationalmannschaft beim Vorrundenspiel der Europameisterschaft?

Kaldemorgen: Wenn ich ehrlich bin, das Tor von Lars Bender. Der Ausgang der Wahl hat uns nicht sehr viel weiter gebracht, denn gleich danach kamen auch noch die Spanienprobleme auf die Tagesordnung. Mich beunruhigt besonders, dass die Schuldenkrise jetzt mit einem weltwirtschaftlichen Abschwung zusammenfällt, der die Handlungsspielräume reduziert.

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Womit rechnen Sie bei der Eurokrise?

Meine Hypothese ist, dass die Politik den Euro nicht aufgeben wird. Auf Griechenland hätte man verzichten können, aber der Rest des Eurolandes wird bleiben wie es ist – koste es, was es wolle. Weil die Aktienmärkte dadurch von politischen Entscheidungen und Zentralbanken abhängig bleiben, geht es volatil weiter.
Wie wollen Sie für Anleger Geld verdienen?

Die hohen Kursschwankungen kommen einem Multi-Asset-Fonds wie den DWS Concept Kaldemorgen zugute, der Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Derivate kombiniert, auch auf fallende Kurse setzt und mit einem strikten Risikomanagement ausgestattet ist. Bei den internationalen Aktienfonds wie dem DWS Vermögensbildungsfonds I und dem Akkumula halte ich Aktien mitunter sehr lange und spiele längerfristige Trends. Diese Fonds leiden stärker, sollen aber längerfristig auch ordentliche Erträge erzielen.

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Tomatenketchup von Heinz Quelle: AP

Was genau machen sie anders bei dem neumodisch als „Multi-Asset-Fonds“ titulierten DWS Concept Kaldemorgen?

Ich reagiere schneller und habe die Aktienquote in den vergangenen zwölf Monaten zwischen Null und 70 Prozent variiert. Anfang des Jahres habe ich Finanzwerte gekauft, als die Erwartung sehr negativ war und sie dann verkauft, als die Euphorie groß wurde. Ich kann nicht mehr nur auf die Fundamentaldaten von Unternehmen schauen. Wenn die Notenbanken wieder ein Kaninchen aus dem Hut zaubern, schießen die Märkte plötzlich hoch. Wer sich nur auf gute Unternehmenszahlen konzentriert, verliert schnell den Anschluss. Denn in einer solchen Phase steigen auch Unternehmen mit schwachen Zahlen. Um am Ball zu bleiben agiere ich kurzfristig.

Welches Management macht mehr Spaß, das traditionelle oder das kurzfristige?

Der kurze Takt ist nervenaufreibend, aber es ist auch angenehm, nicht auf einen Vergleichsindex schielen zu müssen. Beim Concept habe ich den Gesamtertrag im Kopf und nicht, ob ein Unternehmen besser läuft als der Vergleichsindex. Die Mischung muss es bringen.

Aber der Erfolg ist nicht sicher. Wie kurz ist die Leine Ihres Risikomanagers?

Ziemlich kurz, denn ich habe den Anlegern versprochen, dass sie nur mit einer einstelligen Volatilität rechnen müssen, während die bei internationalen und deutschen Aktien zwischen 20 und 30 liegt. Der Risikomanagementexperte Karl-Alwin Hiller kann mir als Mathematiker berechnen, wie viel Risiko ich mir leisten kann, damit ich eine Verlustgrenze einhalte. Wir gehen gemeinsam durch, was im Portfolio passiert, wenn ich eine Position verändere. Aktien und beispielsweise High-Yield-Anleihen reagieren ganz ähnlich, während eine Dollarposition wenig mit Aktien korreliert. Kompliziert wird es dadurch, dass sich Korrelationen ändern. In normalen Zeiten sind sie geringer als in Stressphasen. Aber auf alles müssen wir vorbereitet sein.

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