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Fondsmanager-Ranking: Deutschlands beste Geldmanager verraten ihre Anlagestrategie

von Stefan Hajek

Der Geldmanager-Test der WirtschaftsWoche zeigt: Die Klügsten und Besten sind oftmals kleine Spezialisten, die im Verborgenen wirken. Die Sieger verraten, welche Aktien sie kaufen und was Anleger beachten sollten.

Acatis (Hendrik Leber) +43,5 Prozent


Platz 3 in der Kategorie „Aktien nach Ertrag“


Platz 4 in der Kategorie „Mischdepots nach Ertrag “


Anlageempfehlungen


Eni: Im Branchenvergleich günstig bewerteter italienischer Energiewert

Gazprom: Größte Gasreserven der Welt; Kurs litt unter US-Schiefergas

Family Mart: Supermarktkette aus Japan, solides Wachstum

Aareal Bank: Bankaktie notiert bei zwei Drittel des Buchwerts

HP: Aktie unten, PC-Geschäft mau; aber die Drucker laufen hervorragend

„Die erste Reihe der Aktien ist nicht mehr so attraktiv“, sagt Hendrik Leber, Co-Chef und Gründer von Acatis. Er sieht sich als klassischen „Value“- Investor, immer auf der Suche nach unterbewerteten Papieren. „Eine Vielzahl nach unseren Kriterien kaufenswerter Aktien finden wir meist, wenn aktuelle Krisen überschätzt werden, so wie 2008 und 2011; derzeit ist das nicht der Fall, da muss man tiefer graben.“ Chancen sieht der Frankfurter bei den arg gebeutelten Aktien aus Südeuropa, aber auch bei heute ungeliebten Technologie-Stars der Neunziger, wie HP, Dell oder IBM, und bei Finanzwerten wie der Aareal Bank. Leber investiert weltweit, aber „die Musik spielt in Europa“, sagt er. „Europäische Aktien sind günstig, sobald die Euro-Krise vorbei ist, was zwangsläufig irgendwann der Fall ist, haben sie enormes Potenzial.“

Bild: Presse

Arbeiten die hier überhaupt? Statt Nadelstreifen dominieren Jeans. Ein Mitarbeiter des Berliner Investmenthauses Accura liest Zeitung, einer sortiert Papiere, zwei machen sich Notizen, in der Ecke zischelt eine Espressomaschine. Michael Demmel, einer der Chefs, Arbeitsplatz im selben Raum, wippt entspannt und mit im Nacken verschränkten Händen auf seinem Bürostuhl. Er studiert die Ziffern und Kurven auf seinem Monitor. „New York hat gerade ganz schwach eröffnet – jetzt kriegt natürlich auch der Dax noch mal einen mit“, kommentiert er. Dax-Tagesverlust an diesem Tag bisher: 1,6 Prozent.

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Dass gerade in aller Welt, in Fonds, Banken und Pensionskassen, Milliarden von Euro den Bach runtergehen, weiß der frühere Aktienhandelschef einer Investmentbank genau. Auch, was jetzt in den Handelsräumen bei seinen Ex-Kollegen los ist: Jeder zwei Telefone am Ohr, Herumgeschreie und -gerenne, hektisches Gefuchtel. Demmel und seine Leute bleiben cool: „Unser letzter Kauf am Aktienmarkt ist Gott sei Dank schon ein paar Tage her.“

Bei aller demonstrativen Gelassenheit: Accura Consult, tätig in einer Charlottenburger Zweiraumwohnung, bewegt seit Jahren ein paar Hundert Millionen Euro durch die Euro-Krise – unfallfrei und mit Gewinn „An den meisten Tagen ist es besser, gar nicht im Markt zu sein“, sagt Demmel „zumal, wenn man das Geld erzkonservativer Kunden, wie Stiftungen oder Versicherungen, anzulegen hat.“

Erfolgreiche Anti-Hektik-Strategie

Wer Erfolg hat, hat meist recht: Die Berliner fahren gut mit ihrer Anti-Hektik-Strategie: Im aktuellen Vermögensmanager-Ranking der WirtschaftsWoche belegt das Accura-Depot in gleich zwei Kategorien einen der beiden vordersten Plätze. Für das Ranking hat die WirtschaftsWoche zusammen mit der WSH Deutsche Vermögens-treuhand und Portfolio Consulting aus Frankfurt rund 800 Depots von etwa 400 Banken und Vermögensverwaltern ausgewertet.

WSH und Portfolio Consulting sind sogenannte Family Offices, auf die Verwaltung sehr großer Vermögen spezialisierte Dienstleister, die das Geld der Superreichen auf mehrere Vermögensmanager verteilen. In die Wertung gelangen nur reale Portfolios, keine Musterdepots. Das Ergebnis ist der größte Geldmanager-Test im deutschsprachigen Raum.

Die Methode

  • Das Ranking

    Die WirtschaftsWoche hat mit den Datenbankspezialisten von Portfolio Consulting und WSH mehr als 800 echte Kundendepots aus 400 Banken und Vermögensverwaltungen untersucht, darunter individuell betreute und in Fondsmäntel ausgelagerte Portfolios.

  • Worum es geht

    Welche Geldmanager erzielten die höchsten Renditen? Und wem gelang es, dabei auch die Risiken sinnvoll zu begrenzen, also im untersuchten Drei-Jahres-Zeitraum zwischenzeitlich kaum Verluste zu machen?

  • Was wurde berechnet?

    Dazu wurde die sogenannte Sharpe Ratio ermittelt. Sie zeigt, welche Rendite der Manager im Verhältnis zum marktüblichen Zins und zu den Wertschwankungen seines Depots erzielt.

  • Die Kategorien

    Die Depots sind unterteilt in zwei Kategorien: auf Wertzuwachs getrimmte, aktienlastige Mandate und breit streuende Mischdepots, bei denen der Werterhalt im Vordergrund steht.

Bewertet werden zwei Gruppen:

  • Aktienspezialisten mit auf hohe Rendite bedachter Strategie,
  • Manager von Misch-Depots, denen der Werterhalt der Kundenvermögen noch wichtiger ist als das Ziel, möglichst viel Gewinn zu schaffen.

In beiden Gruppen wird berechnet,

  • wer über drei Jahre den höchsten Ertrag geschafft hat (beste Wertentwicklung);
  • wer den höchsten Ertrag bei niedrigem Risiko geschafft hat (beste Rendite/Risiko-Relation). So zeigt das Ranking nicht nur, wer für seine Kunden am meisten Gewinn herausholte, sondern auch, welche Risiken die Geldmanager dafür eingehen. Auf den folgenden Seiten stellt die WirtschaftsWoche die besten Profi-Anleger vor. Sie gewähren detaillierte Einblicke in ihre Strategien und nennen ihre Anlagefavoriten.

Das Accura-Team erwirtschaftete durchaus ansehnliche 35,4 Prozent Rendite in drei Jahren, vor allem aber schafften es die Berliner, die zeitweise anfallenden Verluste zu begrenzen. Das zeigt sich an den von Portfolio Consulting ausgewerteten Risiko-Kennziffern, etwa am maximalen Verlust von 5,44 Prozent des Depotwertes. Selbst wer den Accura-Fonds in den vergangenen drei Jahren zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gekauft und nach seinem stärksten ununterbrochenen Kursrutsch wieder verkauft hätte, hätte nur 5,4 Prozent seines investierten Gelds verloren. Bei anderen Geldmanagern wären zeitweise bis zu 30 Prozent des Kapitals weg gewesen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 07.03.2013, 20:56 Uhralf80

    Das zeigt doch das übliche Muster: Lediglich ein Fondsmanagement konnte den Dax auf 3-Jahressicht schlagen (Flossbach von Storch). Der Rest blieb dahinter. Wofür also Gebühren zahlen? Da kann man sich doch gleich an einen Index hängen..

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