Fremdwährungen: Riskante Wette auf die Krone

KommentarFremdwährungen: Riskante Wette auf die Krone

von Christof Schürmann

Privatanleger entdecken Fremdwährungen. Wenn sie da mal nicht schiefliegen.

Zum „Trend des Monats“ hat vergangenen Donnerstag die Börse Stuttgart erkoren, dass Anleger „fremd“ gehen. Die Verunsicherung wegen der ungelösten Schuldenkrise in Euro-Land zeigte sich an der schwäbischen Börse, die sich stark im Anleihenhandel für private Anleger positioniert hat, in einer vermehrten Nachfrage nach Papieren in ausländischen Währungen. Im Juni handelte Stuttgart gegenüber Mai mehr als das zweifache Volumen an schwedischen Staatsanleihen, die in Kronen notiert sind. Noch stärker griffen Privatanleger bei Anleihen des Nachbarn Norwegen zu: Die Umsätze verdreifachten sich nahezu.

Auch am vergangenen Donnerstag waren Fjord-Anleihen der Renner. Die Top-4-Papiere nach Umsatz lauteten auf norwegische Kronen. Auf Platz fünf gierten Anleger nach einem Südafrika-Bond, naturgemäß in der Kap-Währung Rand notiert. Von Euro-Investments also kaum eine Spur.

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Alternativen zum Euro Anleger flüchten in den Norden

Währungen aus Schweden und Norwegen locken Investoren, die in der Krise nach sicheren Anlagen suchen. Beide Länder haben gesunde Staatsfinanzen. Dabei übersehen die Anleger allerdings die Risiken.

Stockholm, Stadthalle: Touristen bekommen weniger Kronen für den Euro. Quelle: Reuters

Anlegers' Liebling

Einer der Lieblinge ist ein vom Königreich Norwegen aufgelegter Bond, also ein Staatspapier, das zu Recht noch das Top-Rating AAA besitzt und bis zur Endfälligkeit im Mai 2017 eine sehr hohe Rückzahlungswahrscheinlichkeit besitzt: Die Staatsverschuldung Norwegens liegt bei geradezu lächerlichen 48 Prozent des Bruttolandsprodukts – Deutschland kommt auf drei Viertel mehr Schulden.

Doch damit hat es sich schon mit dem Positiven. Die laufende Rendite der Anleihe pro Jahr nach Steuern liegt bei nahezu null. Erst in fünf Jahren, dreht die Rendite nachträglich leicht ins Plus, wenn Anleger Kursverluste der derzeit bei 114 (Rückzahlung 100) Prozent notierenden Anleihe geltend machen können. Ein Sparbuch brächte in etwa dasselbe Ergebnis.

Aber das gibt es ja nur in Euro. Einen Kick gibt es nicht. Den erhoffen sich Anleger in Norwegen-Papieren: Sie setzen auf eine Wertsteigerung der Krone. Mit einem Kurs von gut 7,44 Kronen je Euro liegt die norwegische Währung jedoch nur noch drei Prozent von ihrem Allzeithoch aus dem Jahr 2002. Ohne Frage kann die Krone noch deutlicher aufwerten als bis zum alten Hoch. Doch selbst wenn bis zum Ende der Laufzeit noch ein Drittel an Wertzuwachs dazukäme, würde sich die Jahresrendite der Anleihe nur auf gut sechs Prozent jährlich erhöhen. Nur sechs Prozent, weil sich Anleger erhebliche Risiken einfahren, die selbst mit theoretisch glänzenden Aussichten nicht bezahlt sind.

Turbulente Krone

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Zum einen ist es keineswegs sicher, dass in turbulenten Zeiten die Krone profitiert. So Ende 2008, als Anleger schon einmal binnen Kürze 25 Prozent verloren. Zudem könnte die Osloer Zentralbank bald bemüht sein, Aufwertungen über Zinssenkungen oder direkte Währungseingriffe einzudämmen, um den wichtigen Export nicht zu gefährden. Anleger in Franken erlitten Verluste in zweistelliger Höhe, als vergangenes Jahr die Schweizer Notenbank über Nacht einen Verteidigungsring gegen weitere Aufwertungen der Alpenwährung zog.

Und was passiert, wenn die D-Mark zurückkehrte? Kronen-Anleger wären die Verlierer.

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