Freytags-Frage: Wohin mit dem Gold der Bundesbank?

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kolumneFreytags-Frage: Wohin mit dem Gold der Bundesbank?

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Ist es sinnvoll, die erheblichen Goldreserven der Bundesbank nach Deutschland zu holen?

Kolumne von Andreas Freytag

3391 Tonnen Gold befinden sich im Besitz der Bundesbank. Das weckt Begehrlichkeiten der Politik. Doch Vorsicht: Die Goldvorräte aufzulösen, darf keine Option sein.

Die Bundesbank weist erhebliche Goldreserven aus, die immer mal wieder zum Gegenstand von Begehrlichkeiten seitens der Finanzpolitiker werden. Wer erinnert sich nicht an die "Operation Goldfinger" des ehemaligen Finanzministers Waigel, der die Bundesbank zwingen wollte, ihre Goldvorräte zu Marktpreisen zu bewerten und den so entstandenen Buchgewinn an das Finanzministerium zu überweisen?

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Obwohl im Moment keine unmittelbare Gefahr für die 3391 Tonnen Gold der Bundesbank von Seiten der Politik zu drohen scheint, ist die Diskussion ums Gold wieder aufgeflammt. Anlass war der aus der Politik geäußerte Zweifel hinsichtlich der Sicherheit der Goldreserven im Ausland und der daraufhin von der Bundesbank gefasste Plan, einen Teil der Goldvorräte, die nicht in Frankfurt lagern, nach Deutschland zu holen. Denn nur 31 Prozent der Goldvorräte liegen in Frankfurt, der Rest in Paris, London und New York. Es kann ja wohl kaum die Angst sein, dass das Gold von den Ländern einbehalten wird, die zu diesem Plan führt. Wahrscheinlicher ist es, dass es sich um eine Art Beruhigungspille für die Politik und die Öffentlichkeit handelt.

Die Bundesbank will Gold aus dem Ausland nach Deutschland bringen. Einige Fragen und Antworten

  • Um welche Menge geht es?

    Insgesamt sollen 674 Tonnen nach Frankfurt kommen, 300 aus New York und 374 aus Paris. Das entspricht mehr als 50.000 der unter Notenbanken üblichen Barren und insgesamt 19 Prozent der Bundesbank-Bestände.

  • Wieso lagern 45 Prozent des deutschen Goldes in New York?

    Das hat historische Gründe. Im Weltwährungssystem von Bretton Woods, das Anfang der 70er Jahre aufgegeben wurde, tauschten die USA zum festen Kurs von 35 Dollar je Feinunze Gold. Deutschland erzielte in den Wirtschaftswunderjahren hohe Exportüberschüsse; die Bundesbank wechselte deshalb ständig D-Mark gegen Dollar und häufte so große Dollar-Bestände an, die sie gegen Gold tauschen konnte.

    Das Gold blieb nach dem Tausch einfach in den Tresoren der US-Notenbank Fed in Manhattan. Es war also nie in Deutschland. Ähnlich lief es in der Europäischen Zahlungsunion, durch die die Bundesbank ebenfalls an das Gold kam, das heute in London und Paris aufbewahrt wird.

  • Warum holt die Bundesbank das Gold jetzt nach Deutschland?

    Zu Zeiten des Ost-West-Konflikts lagerten bis zu 98 Prozent des Bundesbank-Goldes im westlichen Ausland. Frankfurt lag nicht einmal 150 Kilometer vom Eisernen Vorhang entfernt. Im Falle eines Angriffs des Warschauer Pakts wäre das Gold schnell in die Hände des Feindes gelangt. Dieser Grund existiert seit mehr als 20 Jahren nicht mehr, in Paris ist das Gold nicht sicherer als in Frankfurt.

    Vor der Einführung des Euro hätte die Bundesbank zudem das Gold in Paris ohne Probleme in Francs umtauschen können, falls die D-Mark in eine Währungskrise geraten wäre. Seitdem in Frankreich ebenso wie in Deutschland mit Euro bezahlt wird, ist auch dieser Grund weggefallen.
    Anders sieht es mit dem Gold aus, das in New York lagert. Dort könnte es im Fall des Falles schnell in Dollar umgetauscht werden, die wichtigste Währung der Welt. Auch nach der Rückholaktion werden dort 37 Prozent der deutschen Goldreserven bleiben.

  • Ist das eine Reaktion auf die Kritik des Rechnungshofs und der Politik?

    Offiziell nein. Das hat Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele bei der Vorstellung des neuen Lagerungskonzeptes immer wieder betont. Allerdings stellt sich natürlich die Frage, wieso die Bundesbank ausgerechnet nach der öffentlichen Debatte im vergangenen Jahr den größten Goldtransport nach Deutschland in ihrer Geschichte beschließt. "Das Thema Goldreserven ist in Deutschland auch mit vielen Emotionen belegt", räumte Thiele ein. Der Transport kann deshalb schon als Reaktion auf die öffentliche Kritik gesehen werden.

  • Wie wird das Gold transportiert?

    Dazu macht die Bundesbank keine Angaben, um das Gold und die Wachleute zu schützen. Allerdings ist der Transport wertvoller Güter nichts Neues für die Notenbanker: Jedes Jahr bewegt sie viele Milliarden Euro in Geldtransporten. Im Internet finden sich wilde Spekulationen, ob die Bundeswehr das Gold nun mit Kriegsschiffen in New York abholt. In der Praxis dürfte der Transport aber wesentlich unspektakulärer ablaufen. Zu den Kosten machte die Bundesbank ebenfalls keine Angaben.

Ist es sinnvoll, die Goldreserven nach Deutschland zu holen? In New York und Paris sind keine Kosten mit der Lagerung verbunden, in London minimale Aufwendungen; dieser Grund entfällt. Angst ist wie gesagt auch kein guter Grund. Schließlich ist es egal, wo das Gold keine Erträge verdient.

Damit wären wir bei der eigentlichen Frage: Warum sollte die Bundesbank überhaupt Gold halten? Was kann man mit Gold verdienen außer einer Buchwertsteigerung, die wertlos ist, solange sie nicht realisiert wird? Machte es nicht mehr Sinn, die Goldvorräte zu verkaufen, wie es Gustav Adolf Horn angeregt hat? Das Geld, so sein Argument könnte in den Zeiten der Krise und der Schuldenbremse erheblich besser ausgegeben werden.

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