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KommentarGastbeitrag: Vom Währungskrieg zum Handelskrieg

von Martin Mack und Herwig Weise

In der Weltkonjunktur verfinstern sich die Aussichten. Die Rezession ist überfällig. Die Weltwirtschaft wird bald mit den unerfreulichen Nebenwirkungen einer ultralockeren Geldpolitik konfrontiert werden.

Aktuell drückte der überraschend starke Stellenaufbau in den USA den Goldpreis am Freitag auf ein Acht-Wochen-Tief. Eine Feinunze verbilligte sich auf bis zu 1695,20 Dollar. Investoren zogen sich angesichts der verbesserten Konjunkturaussichten aus dem "sicheren Hafen" Gold zurück und steckten ihr Geld in vermeintlich renditeträchtigere Anlagen wie Aktien. Das passt zu der Stimmung, die Anfang des Jahres bereits einmal bei den institutionellen Investoren herrschte:

Bild: dpa

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Während die Ankündigungen der Gelddrucker-Troika (Fed, EZB und Bank of Japan), nun „all-in“ gehen zu wollen, den Aktienmärkten im September trotz bereits verstärkt aufkeimender Konjunktursorgen nochmals sprichwörtlich Flügel verleihen konnten, hielten sich die liquiditätsfokussierten „Anlagenotstands-Investoren“ im Oktober mit weiteren kurstreibenden Aktienkäufen erst einmal zurück. Schließlich werden sich die vielfach sehr ambitionierten Unternehmensbewertungen eben nicht auf Dauer ohne fundamentale Untermauerung durch Wachstumsaussichten, Gewinne und Dividenden halten lassen, zumal sich über Europa hinaus in nahezu sämtlichen Regionen die Konjunkturdaten zusehends weiter deutlich abschwächen.

Auch beim vermeintlichen Weltkonjunktur-Retter China verlangsamte sich das offiziell vermeldete Wirtschaftswachstum im 3. Quartal 2012 auf „nur“ noch 7,4 Prozent, während Japans Notenbank gar feststellen musste, dass sich das Land mit Blick auf die Exporte, die im September auf Jahressicht nach China um 14,1 Prozent, nach Italien um 31,0 Prozent oder nach Deutschland um 12,9 Prozent zurückgingen, nicht mehr in einer Erholung, sondern in einer – Achtung! Neuer Euphemismus - „pausierenden“ Entwicklung befinde.

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Aber auch die in den USA angelaufene Berichtssaison der Unternehmen brachte erhebliche Enttäuschungen und kann relativ zu den Erwartungen gar als die schlechteste Bilanzsaison der vergangenen Jahre angesehen werden. Zwar wurden die zuvor reduzierten Gewinnerwartungen dank eingeleiteter Kostensenkungsprogramme vielfach noch übertroffen. Aber nur noch rund zwei Fünftel der S&P-500-Unternehmen, die ihre Zahlen bisher vorgelegt haben, konnten ihre zuvor ebenfalls  reduzierten durchschnittlichen Umsatzprognosen überbieten. Branchenübergreifend verspüren jenseits des Atlantiks bedeutende Weltkonzerne wie FedEx, Caterpillar, DuPont, Alcoa, Google, Intel und selbst Apple inzwischen jenen heftigen Gegenwind, der auch in den Bilanzen europäischer Konzerne wie Daimler, Scania, Burberry oder Danone tiefe Spuren hinterließ.

Martin Mack von der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise Quelle: Bodo Dretzke
Martin Mack (48), ist geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise, die in zwei vermögensverwaltenden Aktienfonds über 300 Millionen Euro Kundengelder verwaltet. Quelle: Bodo Dretzke

Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die nach den Verschuldungs-Boom-Jahren fällige Rezession, die nur mit am PC „produzierten“ Geld der Notenbanken um fast vier Jahre hinausgeschoben wurde, in naher Zukunft eintreten könnte. Mittelfristig dürfte die Weltwirtschaft dann zusätzlich mit den unvermeidlichen Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik der Notenbanker konfrontiert werden. Das wird der Dauerkrise eine neue Dramatik verleihen.

So werden die jeweiligen Regierungen und Notenbanker dieser Welt nicht mit unendlicher Geduld dabei zusehen können, wie zum Beispiel die Fed, die EZB oder die BoJ ihre Währungen immer weiter künstlich herunter manipulieren, um so ihre wirtschaftlichen Probleme per Exportwachstum auf Kosten der Nachbarn lösen zu wollen. „Wir machen jetzt ´dirty floating´ wie alle“, bestätigte jüngst Brasiliens Finanzminister Guido Mantega wie zum Beweis, so dass der vom ihm bereits im September 2010 gebrandmarkte „internationale Währungskrieg“ spätestens seit der konzertierten Aktion der Notenbanken im September 2012 nunmehr als voll entbrannt gelten darf.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.11.2012, 16:08 UhrObelix

    Die beiden Herren aus Hamburg sind seit Jahren nur noch am "rumjammern". Grund zum Jammern haben aber vor allem die Kunden, die in dem vermögensverwaltenden Fonds ihrer Firma investiert vestiert sind: Dieser Fonds (Mack & Weise Capital, WKN 634782) wird von den Herren angepriesen mit: "Der M & W Capital ist ein weltweit investierender vermögensverwaltender Aktienfonds, der sich insbesondere durch breite Diversifikation und –
    bevorzugt antizyklisches – Market-Timing der Investitionen auszeichnet. Unabhängig von Benchmark- oder Quotenzwängen hat der Fonds die
    erforderliche Flexibilität, je nach Marktsituation in unterschiedliche Anlageklassen investieren zu können...." (Quelle: Factsheet des Fonds vom 31.03.2009)

    Tatsächlich haben sie es geschafft, seit Ende März 2009 rund 10% Verlust einzufahren, während sich viele Aktienmärkte verdoppet haben.Soviel zur Qualität dieser beiden "Vermögensverwalter"

  • 06.11.2012, 11:24 UhrRoss

    Karl Valentin meinte seinerzeit, dass es doch erstaunlich wäre, dass immer genau so viel passiert, wie in eine Zeitung passt.
    ;-)

  • 06.11.2012, 10:51 UhrWernerR

    Schon beim Lesen fragte ich mich, wo die zwei eigentlich mit ihrem Aktienfonds investiert sind, dass sie die Weltwirtschaft als derart gefährdet ansehen. Und Bingo! Es sind Aktien aus dem Edelmetallsektor. Das relativiert diesen Artikel doch sehr.

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