kolumneGbureks Geld-Geklimper: Der Fluch der niedrigen Zinsen

15. August 2013
Kolumne von Manfred Gburek

Die konventionelle Altersvorsorge wird durch die Zinsentwicklung und durch neue Vorschriften total umgekrempelt, die Konsequenzen für Anleger und Unternehmen zeichnen sich bereits ab. Gegensteuern ist angesagt.

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Es gibt unbequeme Themen, mit denen sich die meisten Menschen nur ab und zu beschäftigen. Die Altersvorsorge ist eines. Doch bevor Sie sich gleich mit Grausen von dieser Kolumne abwenden, sollten Sie lieber weiter lesen. Denn hier geht es nicht um die neusten Erkenntnisse von Sozialpolitikern und Finanzmathematikern, sondern um das, was Sie im Rahmen Ihrer persönlichen Anlagestrategie bei Zinsen und Anleihen, Aktien, Lebensversicherungen, Immobilien und sonstigen Anlagen unbedingt beachten sollten.

Beginnen wir mit den Zinsen. Sie sind im historischen Vergleich niedrig. Das wird, wie sich schon jetzt vorhersagen lässt, die Renditen aus der Altersvorsorge mit Versicherungen und Pensionen erheblich schmälern, schlimmstenfalls sogar real ins Minus rutschen lassen. Ein wichtiger Nebenaspekt: Da niedrige Zinsen in der Regel mit geringem Wirtschaftswachstum zusammenfallen, ist zu erwarten, dass auch die Gesamtrenditen (Dividenden und Kursgewinne) der vom Wachstum abhängigen Aktien zunächst nicht gerade üppig zu sein versprechen.

Lebensversicherer mit leeren Versprechen

So weit die grundsätzliche Überlegung. Ihr schließen sich indes noch einige weitere an, und die sollten Anleger besonders stutzig machen. Zum Beispiel ist es kein Geheimnis, dass niedrige Zinsen auch in den Bilanzen der Unternehmen ihren Niederschlag finden: Kommende Verbindlichkeiten müssen in den aktuellen Bilanzen zu entsprechenden Zinssätzen auf die Gegenwart abdiskontiert werden. Und weil das Zinsniveau derzeit besonders niedrig ist, bedeutet das: Abdiskontierung zu 2 statt 3 oder zu 4 statt 6 Prozent. Ergebnis: Verbindlichkeiten steigen, Analysten senken den Daumen, Aktienkurse erhalten einen Dämpfer.

Versetzt man sich nun in die Lage eines Lebensversicherers, der seinen Anlegern vor einigen Jahren einen dem damals höheren Zinsniveau angemessenen Garantiezins versprach. Oder in die Lage eines Industriekonzerns, der seinen Arbeitnehmern den Ruhestand mit hohen Pensionen angenehmer gestalten wollte. In beiden Fällen nagen die steigenden Verbindlichkeiten bereits jetzt am Vermögen, das heißt, der Lebensversicherer kann sein Versprechen nicht einhalten, der Industriekonzern muss sich irgendeine Lösung einfallen lassen, und sei es zu Lasten seiner Aktionäre.

So kommen Lebensversicherungs-Anleger durch das Zinstal

  • Was passiert wenn die Zinsen niedrig bleiben?

    Lebensversicherer legen langfristig an: Niedrigzinsen machen sich so erst nach Jahren bemerkbar, wenn gut verzinste Bonds auslaufen und der Versicherer mehr schlecht verzinste gekauft hat

    Je länger Zinsen unten bleiben, desto stärker sinkt die Überschussbeteiligung, die über den Garantiezins hinausgeht

    Versicherer legen Geld nun länger an, das bringt höhere Zinsen. Doch so bleiben die Niedrigzinsen noch länger im Portfolio und schmälern die Rendite über Jahre

    Fallen die Zinsen, können sich mehr Interessenten

  • Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben?

    Prüfen Sie, welchen Garantiezins Ihnen Ihr Versicherer vertraglich zugesagt hat, den muss er auf die Beiträge abzüglich Kosten mindestens zahlen – das Risiko niedrigerer Zinsen trägt dann der Versicherer. Alte Verträge mit bis zu vier Prozent Garantiezins sollte man daher in der Regel nicht kündigen

    Wer seinen Vertrag vor 2005 abgeschlossen hat, hat höhere Steuervorteile als die Inhaber später unterschriebener Verträge; wer über eine Kündigung nachdenkt, sollte dies beachten

  • Was passiert wenn die Zinsen steigen?

    Kunden bleiben Niedrigzinsen lange erhalten: Da Versicherer langfristig anlegen, können sie schlecht verzinste Anleihen nach einer Zinswende nur sehr langsam gegen besser verzinste austauschen

    Steigen die Zinsen, fallen die Anleihekurse, Kursverluste verschlechtern Ergebnisse der Lebenspolicen zumindest zeitweise

    Erst nach einer sehr nachhaltigen Zinswende profitieren Versicherte wieder von dann deutlich höheren Zinskupons

  • Was tun wenn die Zinsen steigen?

    Wer kündigt, riskiert hohe Verluste alleine schon deswegen, weil Versicherer nach einer Kündigung einen hohen Abschlag auf die eingezahlten Beiträge berechnen. Kosten für den Vertrieb werden in den ersten fünf Jahren abgezogen. Dieses Geld sehen Kunden nach einer Kündigung nicht wieder. Es kann sich daher lohnen, die Versicherung als langfristige Vorsorge zu sehen, die über die lange Laufzeit hohe und niedrige Zinsen ausgleicht

  • Fazit

    Je höher Garantiezins und Steuervorteile, desto sinnvoller ist es, am Altvertrag festzuhalten. Neu abschließen sollte nur, wer Kapital nominal erhalten und sich nicht mit Geldanlage beschäftigen will. Reale Verluste (nach Inflation) muss er dann hinnehmen

Bilanzen mit Brandbeschleuniger

Wer weiter denkt, lässt es nicht bei diesen Überlegungen bewenden, sondern bezieht gleich noch die internationalen Bilanzierungsvorschriften ein. Die schreiben nämlich nach IAS (International Accounting Standards) Nummer 19 etwas vor, was Karlheinz Küting, der wohl profilierteste deutsche Professor für Rechnungswesen, als "Brandbeschleuniger" bezeichnet: Der Zins zur Berechnung von Pensionsverpflichtungen soll dem Kapitalmarkt angepasst werden, in diesem Fall entsprechend den Renditen guter Unternehmensanleihen. Doch ausgerechnet diese Anleihen waren in den vergangenen Jahren unter Großanlegern derart begehrt, dass ihre Renditen immer weiter fielen. Eine der Folgen: Die Pensionsverpflichtungen stiegen und stiegen.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 15.08.2013, 12:53 UhrAlternativlos

    Das ist alles völlig egal, der Euro ist da doch viel wichtiger. Die Menschen, die Volkswirtschaften, die Demokratie, das Recht und die Staaten werden dem Euro angepasst, alternativ- und kompromißlos. Was will man da noch als Wähler vom politischen Mainstream erwarten dürfen!

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