Gbureks Geld-Geklimper: Der Klimawandel aus Anlegersicht

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Der Klimawandel aus Anlegersicht

Kolumne von Manfred Gburek

Viele Konzerne, in vorderster Reihe auch deutsche, haben sich bereits dem Klimaschutz verschrieben. Ihre Aktien könnten von einer internationalen Initiative profitieren, die 66 Billionen Euro Anlagekapital repräsentieren.

In dieser Woche haben zwei Unternehmen für Schlagzeilen gesorgt, die aus Anlegersicht zu einer ganzen Reihe von Überlegungen herausfordern, aber ansonsten kaum unterschiedlicher sein könnten: Münchener Rück und Solarworld. Der Rückversicherer hat enttäuschende Zahlen veröffentlicht, was in Anbetracht der anschwellenden Naturkatastrophen kein Wunder ist, während die Bonner Sonnenfirma bei ihrem Kampf ums Überleben bestenfalls einen Trippelschritt weiter gekommen ist, was bei einem längst auf Penny Stock-Niveau abgestürzten Aktienkurs schon an ein Wunder grenzt.

Münchener Rück-Chef Nikolaus von Bomhard ist ein zurückhaltender, asketisch wirkender Mensch, Solarworld-Chef Frank Asbeck dagegen wortreich und mit vielen Pfunden Hüftgold am Körper. Der eine bildet vorausschauend Rückstellungen für den Fall noch schlimmerer Naturkatastrophen, wann immer er kann, der andere würde sich zurückschauend am liebsten als Opfer chinesischer Dumping-Solarkonzerne beweinen lassen. Und dennoch, eines verbindet den Adligen aus München mit dem einstigen Sonnenkönig aus Bonn: der Klimawandel.

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Quelle: Presse

Wann Anleger vorsichtig sein sollten

Dieses Thema ist zuletzt zwar etwas in den Hintergrund gerückt, dürfte aber zukünftig gerade für Anleger eine große Rolle spielen. Wobei Differenzierung nottut, wie die beiden Fälle zeigen: Während die Dividendenrendite der Münchener Rück seit vielen Jahren die der meisten anderen Dax-Aktien übertrifft, hat Solarworld den Daueraktionären in denselben Jahren praktisch den Totalverlust gebracht. Klimawandel kann sich eben als lukrativ erweisen, auch wenn man ihn teuer bezahlen muss, vorausgesetzt, für die Aktionäre bleibt trotz hoher Vorsorge gegen Hochwasser und Sturm noch genug Dividende übrig. Und Klimawandel ist für Anleger äußerst schädlich, wenn sie glauben, mit einst hoch subventionierten Solargeräten die Welt vor einer Klimakatastrophe retten zu können.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Auch bei üppig dotierten Spitzenmanagern ist Differenzierung nötig. Vorsicht erscheint immer dann angebracht, wenn einer wie Frank Asbeck in Werbespots für sein Unternehmen eine Show abzieht, die zuvor dem Fußballer Lukas Podolski vorbehalten war. Oder wenn jemand wie einst Jürgen Schrempp den vermeintlichen Weltkonzern DaimlerChrysler ausruft. Oder wenn, wie noch vor nicht allzu langer Zeit geschehen, der bisherige Siemens-Chef Peter Löscher trotz erheblicher Probleme mit Windkraftanlagen und Reisezügen an hohen Renditezielen festhält. Gegenbeispiele sind bei Konzernen wie Allianz, BASF, Bayer, Linde und vielen anderen anzutreffen, vornehmlich allerdings bei familiengeführten börsengehandelten Mittelständlern aus MDax, SDax und TecDax.

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