Gbureks Geld-Geklimper: Die Freiheitsberaubung der Anleger

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Die Freiheitsberaubung der Anleger

Kolumne von Manfred Gburek

Keine Geldanlage ist sicher; daran kann man sich gewöhnen. Schlimm wird es allerdings, wenn Anleger zu Geldgeschäften mit garantierter Unsicherheit verführt werden.

Deutsche Anleger mögen es sicher. Oder treffender formuliert: Sie bevorzugen Anlagen, die ihnen Sicherheit vorspiegeln. Zum Beispiel Immobilien. Oder Lebensver“sicher“ungen, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Nicht zu vergessen alles, was sich irgendwie fest zu verzinsen scheint, von Tages- und Festgeld - mit eingebauter Einlagen“sicher“ung bis 100.000 Euro pro Anleger und Bank - bis zu Bundes- und Unternehmensanleihen.

Doch es wird allerhöchste Zeit, eine solche Art von „Sicherheit“ zu hinterfragen, bevor es dafür zu spät ist. Dies umso mehr, als der Bund Future zuletzt die Rekordmarke von 150 Punkten übersprungen hat. Dieser Terminkontrakt gilt als Seismograph für die Beliebtheit und damit „Sicherheit“ von Bundesanleihen. Und das, obwohl der Rekord äußerst fragwürdig ist.

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So sieht die Geldanlage der Deutschen aus

  • Lebensversicherung

    35 Prozent der Deutschen haben eine Lebensversicherung abgeschlossen.

  • Bausparvertrag

    Fast ebenso viele, nämlich 32 Prozent, besitzen einen Bausparvertrag oder Bausparplan.

  • Tagesgeld

    In Deutschland besitzen 29 Prozent der Bürger ein Tagesgeldkonto.

  • Immobilien

    Ebenso viele, nämlich 29 Prozent, sehen ihre Immobilie als Geldanlage an.

  • Fondsanteile, Festgeld, Aktien

    20 Prozent besitzen Fondsanteile, 17 Prozent Festgeld/Termingeld und 12 Prozent Aktien.

  • Edelmetalle

    Deutlich geringer ist dagegen der Anteil der Edelmetallbesitzer: sieben Prozent haben in Goldbarren oder -münzen investiert und vier Prozent zählen Silberbarren oder -münzen zu ihrem Besitz.

  • Kunst und Antiquitäten

    Sechs Prozent sehen ihre Antiquitäten (z. B. einen sehr alten Schrank) als Geldanlage und vier Prozent besitzen wertvolle Kunstgegenstände.

  • Anleihen und Zertifikate

    Jeweils zwei Prozent haben Geld in Anleihen bzw. Zertifikate angelegt.

Nehmen wir uns also zuallererst Bundesanleihen vor, die Geldanlage, der eine Art Staatsgarantie anzuheften scheint. Bundesanleihen genießen international das von Ratingagenturen vergebene Gütesiegel AAA. Lassen wir beiseite, dass dieselben Agenturen noch vor wenigen Jahren sogar Anleihenschrott mit AAA bewertet haben und dass ihre Bewertungen deshalb nicht immer ernst zu nehmen sind, bleibt immerhin kritisch anzumerken, dass die Renditen der Anleihen des Bundes nach Abzug der Geldentwertung (zuletzt 0,5 Prozent) unabhängig von der Laufzeit dahinschmelzen wie Schnee in der Augustsonne.

Eine perfide Klausel

Wenn es nur dabei bliebe, könnte man sich zumindest damit trösten, dass Bundesanleihen ein passabler Ersatz für Tages- oder Festgeld sind, und das sogar ohne Begrenzung auf 100.000 Euro. Da gibt es allerdings noch zwei Punkte, über die man sich zunehmend Gedanken machen sollte: Zum einen die hier schon mehrfach – zuletzt in der vergangenen Woche - beschriebene kalte Enteignung, indem Geld permanent entwertet wird, und sei es durch die nicht eben hohe offizielle – für den Warenkorb der meisten Bundesbürger unrealistische – Inflationsrate von aktuell 0,5 Prozent. Zum anderen eine seit Anfang 2013 geltende, aus Anlegersicht perfide Klausel mit der unverfänglichen Bezeichnung „Collective Action Clause“.

Diese Regeln sollten Sie bei Ihrer Geldanlage beachten

  • 1. Streuen

    Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

  • 2. Vorsicht vor Krediten

    Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

  • 3. Weitere Meinungen

    Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

  • 4. Lesen Sie Verträge

    Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

  • 5. Risiko

    Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

  • 6. Vor Ort prüfen

    Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

  • 7. Baulicher Zustand

    Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

  • 8. Spezialisierter Anwalt

    Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

  • 9. Vorausschau

    Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

  • 10. Kein Zeitdruck

    Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

  • 11. Produkte, die Sie verstehen

    Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

  • 12. Beratungsprotokoll

    Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

  • 13. Schriftliche Bestätigung

    Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

  • 14. Prospekte

    Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

  • 15. Keine Telefonangebote

    Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Wenden wir uns kurz dieser Klausel zu: Ihr zufolge dürfen Staaten als Schuldner zusammen mit der Mehrheit der Gläubiger auskungeln, dass die Konditionen sämtlicher seit Anfang 2013 in der EU begebenen Staatsanleihen für alle Gläubiger verbindlich geändert werden. Kurzum, ohne dass die Minderheit der Gläubiger mitzubestimmen hat, dürfen Zinsen für die betreffenden Anleihen herabgesetzt und/oder deren Laufzeiten verlängert werden. Zwar trägt die Masse der Staatsanleihen noch Ausgabedaten aus der Zeit vor dem Jahr 2013; aber weil lange Laufzeiten eher die Ausnahme als die Regel sind – man denke nur an die von Euroländern aus dem Süden emittierten Kurzläufer -, werden die Konditionen der Anleihenmasse sich während der kommenden Jahre immer mehr in Richtung Collective Action Clause bewegen.

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