kolumneGbureks Geld-Geklimper: Diese Fragen müssen sich Privatanleger stellen

31. Januar 2013
Deutsche Sparer müssen auch im Wahljahr einen kühlen Kopf bewahren. Quelle: dpaBild vergrößern
Deutsche Sparer müssen auch im Wahljahr einen kühlen Kopf bewahren. Quelle: dpa
Kolumne von Manfred Gburek

Die Geldanlage ist viel zu komplex und individuell, als dass man sie anderen überlassen sollte. Hier folgen einige Denkanstöße, wie sie gestaltet werden kann.

Für Anleger wird es höchste Zeit, sich eine Reihe von Fragen zu stellen, die alle mit demselben Wort beginnen: Warum? Hier nur ein paar aktuelle Beispiele: Warum dokumentiert die Deutsche Bundesbank ihre Goldbestände auf einmal penibel bis zurück ins Jahr 1951? Warum will die SPD die Eigentümer von Mietshäusern schröpfen? Warum werden noch Zertifikate gekauft, obwohl sie undurchsichtig sind? Warum Kapitallebensversicherungen, obwohl deren Erträge gegen Null tendieren? Warum plagen sich Fondsmanager mit Aktien ab, wo doch Indexfonds mehrheitlich besser abschneiden als gemanagte Fonds? Und warum warten Anleger in der anstehenden Dividendensaison auf Ausschüttungen, die wieder von den Aktienkursen abgezogen werden?

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Rückhol-Aktion: Warum die Bundesbank ihr Gold lieber selber hütet

Auf diese und viele andere Fragen gibt es zwar verschiedene Antworten, aber unter denen sind einige besonders plausibel. So wird das später in deutschen Tresoren zusätzlich gelagerte Gold Banken nützen, die es als Grundlage für Geschäfte etwa nach dem Muster von Xetra-Gold verwenden. Womit sich die Frage aufdrängt: Warum sind diverse Kommentatoren und Goldgurus eigentlich noch nicht auf diesen Zusammenhang gekommen?

Die Bundesbank will Gold aus dem Ausland nach Deutschland bringen. Einige Fragen und Antworten

  • Um welche Menge geht es?

    Insgesamt sollen 674 Tonnen nach Frankfurt kommen, 300 aus New York und 374 aus Paris. Das entspricht mehr als 50.000 der unter Notenbanken üblichen Barren und insgesamt 19 Prozent der Bundesbank-Bestände.

  • Wieso lagern 45 Prozent des deutschen Goldes in New York?

    Das hat historische Gründe. Im Weltwährungssystem von Bretton Woods, das Anfang der 70er Jahre aufgegeben wurde, tauschten die USA zum festen Kurs von 35 Dollar je Feinunze Gold. Deutschland erzielte in den Wirtschaftswunderjahren hohe Exportüberschüsse; die Bundesbank wechselte deshalb ständig D-Mark gegen Dollar und häufte so große Dollar-Bestände an, die sie gegen Gold tauschen konnte.

    Das Gold blieb nach dem Tausch einfach in den Tresoren der US-Notenbank Fed in Manhattan. Es war also nie in Deutschland. Ähnlich lief es in der Europäischen Zahlungsunion, durch die die Bundesbank ebenfalls an das Gold kam, das heute in London und Paris aufbewahrt wird.

  • Warum holt die Bundesbank das Gold jetzt nach Deutschland?

    Zu Zeiten des Ost-West-Konflikts lagerten bis zu 98 Prozent des Bundesbank-Goldes im westlichen Ausland. Frankfurt lag nicht einmal 150 Kilometer vom Eisernen Vorhang entfernt. Im Falle eines Angriffs des Warschauer Pakts wäre das Gold schnell in die Hände des Feindes gelangt. Dieser Grund existiert seit mehr als 20 Jahren nicht mehr, in Paris ist das Gold nicht sicherer als in Frankfurt.

    Vor der Einführung des Euro hätte die Bundesbank zudem das Gold in Paris ohne Probleme in Francs umtauschen können, falls die D-Mark in eine Währungskrise geraten wäre. Seitdem in Frankreich ebenso wie in Deutschland mit Euro bezahlt wird, ist auch dieser Grund weggefallen.
    Anders sieht es mit dem Gold aus, das in New York lagert. Dort könnte es im Fall des Falles schnell in Dollar umgetauscht werden, die wichtigste Währung der Welt. Auch nach der Rückholaktion werden dort 37 Prozent der deutschen Goldreserven bleiben.

  • Ist das eine Reaktion auf die Kritik des Rechnungshofs und der Politik?

    Offiziell nein. Das hat Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele bei der Vorstellung des neuen Lagerungskonzeptes immer wieder betont. Allerdings stellt sich natürlich die Frage, wieso die Bundesbank ausgerechnet nach der öffentlichen Debatte im vergangenen Jahr den größten Goldtransport nach Deutschland in ihrer Geschichte beschließt. "Das Thema Goldreserven ist in Deutschland auch mit vielen Emotionen belegt", räumte Thiele ein. Der Transport kann deshalb schon als Reaktion auf die öffentliche Kritik gesehen werden.

  • Wie wird das Gold transportiert?

    Dazu macht die Bundesbank keine Angaben, um das Gold und die Wachleute zu schützen. Allerdings ist der Transport wertvoller Güter nichts Neues für die Notenbanker: Jedes Jahr bewegt sie viele Milliarden Euro in Geldtransporten. Im Internet finden sich wilde Spekulationen, ob die Bundeswehr das Gold nun mit Kriegsschiffen in New York abholt. In der Praxis dürfte der Transport aber wesentlich unspektakulärer ablaufen. Zu den Kosten machte die Bundesbank ebenfalls keine Angaben.

Abklärung statt Aufklärung

Die SPD geht ganz einfach nur zu Lasten von Immobilieneigentümern auf Stimmenfang. Anleger fallen auf Zertifikate herein, weil diesen von Banken das Alleskönner-Gen angedichtet wird. Kapitallebensversicherungen bilden eine ideale Provisionsquelle für ihre Anbieter. Fondsmanager haben immer den Ehrgeiz, besser zu sein als Indizes und sich im seltenen Erfolgsfall von den Medien feiern zu lassen, wie gerade jetzt wieder. Und was die Dividenden angeht, hoffen Anleger darauf, dass deren Abzug von den Kursen schnell durch den nächsten Kursanstieg wettgemacht wird.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, wie komplex die Geldanlage ist. Da prallen die Interessen von Bankern, Versicherern und Politikern auf die der überforderten Anleger. Die Interessen gehen weit auseinander, vieles bleibt im Dunkeln, statt Aufklärung gibt es bestenfalls Abklärung von Formalitäten wie Beipackzettel oder Beratungsprotokoll. Und wegen des Primats der Politik ist kaum Besserung zu erwarten: Wer die nächste Bundestagswahl gewinnen will, versucht mit der Forderung nach de facto sinkenden Mieten (SPD) oder mit einer Strompreisbremse (CDU) zu punkten. Derweil beschränken sich die Reformexperimente auf so lächerliche Vorhaben wie die Finanztransaktionssteuer.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 31.01.2013, 09:22 Uhrhasenohren

    Endlich auf den punkt gebracht,und sicherheit geht immer noch vor rendite,denn die Gier frisst das Hirn.

  • 31.01.2013, 12:02 UhrPlaner

    "Die Geldanlage ist viel zu komplex und individuell, als dass man sie anderen überlassen sollte."

    Dieser Satz kann direkt in Stein gemeißelt werden.

    Die Vermögensplanung hängt bei Arm bis Reich von vielen Dingen ab: absolute Höhe des Vermögens, Alter, Gesundheit, Verfügbarkeitfragen, Lebensstil, Arbeitsplatzsicherheit, Persönlichkeit, Bildung, Familienstand, Stand der Ehe, Kinderzahl, Vererbungsfragen, Risikobereitschaft, Ausgabenfreudigkeit bzw. Sparsamkeitneigung, Interesse an materiellen Dinge (eher Ausgaben für Waren, Reisen etc. oder eher Interesse an nichtmateriellen Dingen, die nichts kosten wie Lesen, Bildung etc.) usw. usw.

    Hinzu kommt die Frage, wie weit überhaupt der Wille besteht, die Zukunft zu planen.

    Das alles muss man sich selbst überlegen, kann sich dabei aber durchaus Tipps geben lassen.

  • 02.02.2013, 12:16 UhrSchimpansenbanker

    Auch wer sich die Zunge aus dem Hals recherchiert, kann mit seiner Investition immer noch ganz schön danebenliegen. Falls er ob der vielen gegensätzlichen Infos dann überhaupt noch entscheidungsfähig ist. Wichtiger als Recherche dürfte wohl sein, dass man sich nicht unnötig bindet (Immobilie, geschl.Fonds...) und einen Missgriff mit möglichst geringem Verlust wieder loswerden kann.
    Ansonsten spricht auch das bekannte Affenexperiment deutlich gegen zu viel Durchblick. Soll doch so ein Primat bei seiner willkürlichen Aktienauswahl besser abgeschnitten haben als ausgewiesene Vermögensverwalter. Vielleicht würde der Schimpansenbanker gerade jetzt einsteigen und garnicht erst warten, bis die Kurse kräftig gefallen sind. Denn dann greift man ja nach alter Börsenweisheit in fallende Messer, die auch ganz ordentliche Gemetzel verursachen können. usw.

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