Gbureks Geld-Geklimper: Durchwursteln statt Währungskrieg

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Durchwursteln statt Währungskrieg

Kolumne von Manfred Gburek

Ein Abwertungswettlauf wie in den 30er Jahren ist unwahrscheinlich. Anleger sind gut beraten, sich von der Unruhe an den Börsen nicht nervös machen zu lassen - und im Zweifel auf überflüssige Finanzprodukte zu verzichten.

Seit zwei Jahren geistert ein furchterregender Begriff durch die Diskussionen über Konjunktur und Krise: Währungskrieg. Jetzt wieder aus Anlass des Weltwirtschaftsforums in Davos, wenn auch überwiegend hinter vorgehaltener Hand. Aktueller Auslöser ist die Entscheidung Japans, notfalls unbegrenzte Yen-Geldmengen in die Märkte zu pumpen. Pikant daran: Die Initiative dazu ging nicht etwa von Japans Zentralbank aus, sondern von der neuen Regierung unter ihrem Chef Shinzo Abe. So, als würde US-Präsident Barack Obama bestimmen, wie viele Dollars von der Notenbank Fed auf Reisen durch die weite Welt geschickt werden sollen.

Und wie steht es diesbezüglich um den Euro? Haben etwa die Staats- und Regierungschefs der Eurozone da überhaupt ein Mandat? Sie sind sich jedenfalls ganz und gar nicht einig. Also überlassen sie den Euro-Job anscheinend so gut wie ganz dem EZB-Präsidenten Mario Draghi und dessen Gefolgschaft.

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Gbureks Geld-Geklimper Wettbewerb der Währungen

Die Scharmützel um das deutsch-schweizerische Steuerabkommen werden irgendwann zu Ende gehen, der Krieg der Steueroasen nicht.

huGO-BildID: 22942550 ILLUSTRATION - Eine Euro-Münze (l) und ein Schweizer Franken liegen in Kreuzlingen in der Schweiz nebeneinander (Archivfoto vom 05.04.2011). Der Schweizer Franken steigt scheinbar unaufhörlich gegenüber Euro und Dollar. Die Unternehmen in der Alpenrepublik warnen vor herben Exportrückgängen und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Foto: Patrick Seeger dpa (zu dpa 0474) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Wobei sich die Frage stellt: Übt die EZB, wenn sie Geldpolitik betreibt, diese Funktion nicht doch eher im Auftrag einiger Euroländer aus, etwa der wenigen starken, der vielen schwachen oder beider Ländergruppen als Kompromiss? Oder verfügt Draghi nicht schon über eine Art Schattenregierung, weil die EZB auf dem Umweg über die Geldpolitik ja bereits Fiskalpolitik betreibt? Die Ausgangssituation der drei Währungsblöcke Yen, Dollar und Euro könnte jedenfalls kaum unterschiedlicher sein, und das wird Konsequenzen haben.

Globalisierung verhindert Währungskrieg

Welche Konsequenzen? Bleiben wir zunächst beim hässlichen Wort Währungskrieg. Zum Beispiel bestünde die Möglichkeit, dass alle drei Blöcke versuchen, ihre Währungen mithilfe immer höherer Geldmengen zu schwächen, um auf diese Weise Vorteile für ihre Exportwirtschaft zu ergattern: Je niedriger der Yen im Vergleich zum Dollar notiert, desto mehr Toyotas könnten ihren Weg in die USA finden. Oder je tiefer der Dollar gegen den Euro absackt, desto schwieriger hätten es VW, Mercedes und BMW, ihre Autos in den USA zu verkaufen. Oder wie wäre es umgekehrt mit einer Neuauflage der sogenannten Eurokrise? Und so weiter. Zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts war so etwas ja gang und gäbe.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

  • Deutscher Aktienindex (Dax)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

  • Dow Jones

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

  • EuroStoxx 50

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

  • Nikkei

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

  • Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

  • MSCI Emerging Markets

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

  • Gold

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

  • Silber

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

  • Öl

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

  • Weizen

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

  • Kaffee

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

  • Staatsanleihen (Rexp)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

  • Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

  • Sparbuch

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.092 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

  • Tagesgeld

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.192 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

  • Festgeld

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.239 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Doch dieses Mal ist so manches anders. Die USA müssen aufpassen, dass der Dollar nicht über längere Zeit zu schwach notiert, weil er dann seine Funktion als weltweit führende Handelswährung verlieren könnte. International agierende Konzerne wie Apple aus den USA, Sony aus Japan oder VW aus Deutschland lassen ihre Produkte zu einem beachtlichen Teil in China fertigen; die Abwertung ihrer Heimatwährungen brächte folglich nur Teilerfolge. Und das Interesse Deutschlands wie auch der ganzen Eurozone kann allein schon deshalb nicht darin bestehen, den Euro abzuwerten, weil Chinas Währungsreserven mittlerweile zu einem Viertel in Europas Gemeinschaftswährung angelegt sind. Deren Schwäche könnte also nicht zuletzt die Staatsfinanzierung in der Eurozone gefährden, weil die Chinesen dann Euro-Staatsanleihen meiden würden. Man kann das Ganze auch so zusammenfassen: Die Globalisierung verhindert einen Abwertungswettlauf und damit einen Währungskrieg wie in den 30ern.

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