Gbureks Geld-Geklimper: Ein böses Omen für Börsianer

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Ein böses Omen für Börsianer

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Ein Händler blickt besorgt auf die Monitore an der New York Stock Exchange

Kolumne von Manfred Gburek

Die Aktienkurse werden in Europa und in Amerika weiter fallen, weil Anleger jetzt ihre jahrelang aufgelaufenen Kursgewinne realisieren. Die miese Konjunktur und die begrenzten Mittel der EZB verstärken den Effekt.

Was sich am gestrigen Mittwoch an den Börsen abgespielt hat, ist wegweisend für die kommende Kursentwicklung in Europa und in den USA: fallende Aktienkurse und Flucht in Anlagen, die als sicher gelten, also Gold und Cash. Die meisten Kommentatoren haben spontan die schwachen amerikanischen Konjunkturdaten als Ursache des Kursrückgangs hüben wie drüben ausgemacht.

So schnell können sie sich verbiegen: Bis zuletzt argumentierten sie, falls die US-Notenbank Fed ihre lockere Geldpolitik fortsetze – der EZB bleibt eh nichts anderes übrig -, sei das positiv für die Börse. Also schade eine gute Konjunktur den Aktienkursen, weil durch sie das Ende dieser Geldpolitik nahe – eine seltsame Begründung.

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Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

  • Worum es geht

    Die EZB senkt im Kampf gegen eine drohende Deflation ihren Leitzins überraschend auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent. In der anschließenden Pressekonferenz kündigte Zentralbank-Chef Mario Draghi zudem an, dass die EZB sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) sowie Pfandbriefe aufkaufen wird. Ökonomen und Händler sagten dazu in ersten Reaktionen:

  • Hans-Werner Sinn, ifo-Präsident

    "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten."

  • Ralf Umlauf, Helaba

    "Die Notenbanker argumentieren mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und der geringen Inflation. Auch die gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen wurden thematisiert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Projektionen für Wachstum und Inflation in diesem Jahr nach unten angepasst. Insofern bleibt die Tür für weitergehende Lockerungsschritte weit geöffnet."

  • Eugen Keller, Metzler Bank

    "EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen."

  • Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer Bankenverband BDB

    "Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die EZB hat sich im Vorfeld der Zinsentscheidung unnötig unter Zugzwang gesetzt. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering. Auf der anderen Seite wächst mit den Aktivitäten der EZB die Gefahr, dass die in mehreren Euro-Ländern dringend erforderlichen Wirtschaftsreformen weiter verschleppt werden."

  • Marco Bargel, Postbank-Chefvolkswirt

    "Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden."

  • Carsten Brzeski, ING

    "Beginnt jetzt auch EZB-Chef Mario Draghi damit, Geld aus dem Hubschrauber abzuwerfen? Wenn Draghi um 14.30 Uhr mit der Pressekonferenz beginnt, wissen wir mehr. Dann wird sich zeigen, ob die Zinssenkung nur das Vorspiel für weiteres geldpolitisches Feuerwerk sein wird oder er damit den bequemsten Weg wählte, um unkonventionelle Maßnahmen in großem Stil ohne Gesichtsverlust abzuwenden."

  • Ein Aktienhändler

    "Das war schon eine heftige Überraschung, mit einer Zinssenkung hat kaum einer gerechnet. Bei der Senkung der Zinsen handelt es sich zwar nur noch um Nuancen, aber das ist ein wichtiges Signal an die Kapitalmärkte, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, was nötig ist."

Die Wahrheit ist viel einfacher: Institutionelle und private Anleger nehmen unabhängig von dem, was Fed und EZB noch auf der Agenda haben, einfach ihre in drei Jahren aufgelaufenen, zum Teil durch viel Spielgeld aufgeblasenen Kursgewinne mit. Die institutionellen, um ihren Kunden zum baldigen Jahresende zählbare Erfolge präsentieren zu können.

Die privaten, damit die Gattin endlich zu ihrem Wunsch-Sport-Utility-Vehicle kommt und Sohnemann oder Töchterlein mit dem neuesten Smartphone spielen kann. Von Gewinnmitnahmen ist halt noch niemand arm geworden, lautet ein unter Börsianern gängiger Spruch. Und besonders die Deutschen sollten zur Belebung der Wirtschaft endlich mehr konsumieren, fordern gern amerikanische Professoren, die noch nie in Deutschland waren.

Abwärtsspirale in den USA

Sind die USA womöglich unser großes Vorbild, nicht allein in Sachen Konsum? Auf diese Idee könnte man ja beim Vergleich der amerikanischen mit den europäischen Aktienkursen kommen: Der S&P-Index ist dem Dax in den vergangenen Jahren weit davongezogen, wenn man berücksichtigt, dass er ein Kursindex ohne Dividenden, der Dax dagegen ein Performanceindex mit Dividenden ist.

Und auch beim Vergleich der Konjunktur schneiden die USA viel besser ab, niedrige Energiepreise dank Fracking machen es möglich - soll doch die nächste Generation zusehen, wie sie mit den durch diese Methode der Energiegewinnung verursachten Umweltschäden klarkommt.

Ölpreis auf Vierjahrestief Drei Gründe für das billige Öl

Lange kannte der Ölpreis nur eine Richtung: nach oben. Nun ist er mit etwas mehr als 80 Dollar auf dem tiefsten Stand seit November 2010. Die Gründe sind vielfältig.

Ein Ölpumpe arbeitet in Bahrain Quelle: AP

Die amerikanische Konjunktur basiert auf einer exorbitanten Schuldenwirtschaft. Dazu einige Daten, entnommen einer Studie von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank: Seit 2008 bis Ende September 2014 ist die Wirtschaftsleistung um 7 Prozent gestiegen, die Staatsverschuldung um 78 Prozent.

In derselben Zeit haben die Konsumentenkredite um 18,5 Prozent zugenommen, die Lebensmittelpakete für Bedürftige um 50 und die Studentenkredite um 90 Prozent. Das Leben auf Pump hat in den USA Tradition. Mit fallenden Aktienkursen wird es zunehmen und eine Abwärtsspirale in Bewegung setzen.

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