_

Gbureks Geld-Geklimper: Erst die Rating-Show, dann Nüsse knacken

Kolumne von Manfred Gburek

Der Wirbel um die Ratingagentur Standard & Poor's geht an Problemen vorbei, auf die besonders Anleger jetzt achten sollten.

Gebäude der Ratingagentur Fitch Quelle: dpa
Die Rating-Agenturen drohen wieder - die Euro-Länder zittern. Quelle: dpa

Anzeige

So etwas nennt man perfektes Timing: Zuerst wenige Tage vor dem EU-Gipfel die drohende Rating-Keule schwingen, aber noch nicht niedersausen lassen, dann Moritz Krämer, den auf kritische Fragen verdächtig gut vorbereiteten Europa-Chefanalysten der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) für schier endlos erscheinende Interviews in Szene setzen und schließlich zwei Tage lang die Schlagzeilen beherrschen. Also eine Show, wie sie nicht besser inszeniert sein könnte. Erkenntniswert? Keiner, denn die Ratingagentur hat ja nur vor der längst bekannten Schuldenkrise der Euro-Länder gewarnt. Also ein alter Hut. Auch dass Deutschland in die Schuldenmisere der hoch verschuldeten Partner im Süden des Kontinents involviert sei, hat sich nicht erst seit gestern herumgesprochen.
Warum die ganze Aufregung auf Seiten der Politik und der Medien? Kaum zu begründen, zumal die Börsen nach einer kurzen Abwärtsreaktion ihren Zickzackkurs fortgesetzt haben – ein untrügliches Zeichen dafür, dass Anleger auf klare Entscheidungen warten, aber auch dafür, dass sie Warnungen von Ratingagenturen inzwischen nicht mehr besonders ernst nehmen. Das liegt im Fall S&P an der einen oder anderen Kommunikationspanne; man denke nur an die im November irgendwie auf Umwegen bekannt gewordene Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs, die dann doch keine war. Und der Verlust der höchsten Bonität der USA aufgrund der Ratingherabstufung durch S&P im August hat die Anleger seitdem nicht gerade zur Flucht aus amerikanischen Staatsanleihen bewegt. Deren Löwenanteil wird bekanntlich von der US-Notenbank Fed und von Chinas Zentralbank gehalten. Dafür haben beide ihre Gründe; das S&P-Rating spielt dabei keine Rolle.

Bärendienst für Anleger

Die stümperhaften Versuche von Politikern, EU-Bürokraten und Aufsehern, die drei führenden Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch in die Schranken zu weisen, zielen regelmäßig an denen vorbei. Denn abgesehen davon, dass alle drei in den USA beheimatet und schon deshalb nicht entscheidend von Europa aus zu fassen sind, besteht ihre Aufgabe ja weniger darin, den Euro zu sprengen, als Bewertungshilfen für Großanleger zu erstellen. Der Buchstabensalat von AAA an abwärts bis C und D dient also primär deren Entscheidungen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 08.12.2011, 13:00 Uhrraentnaer

    Na, sollte man nicht kaufen, wenn die Kanonen donnern? Dass ein Gewitter aufzieht, ist nicht zu übersehen. Ich für meinen Teil stehe Gewehr bei Fuß, das Silber, das ich im April in die Euphorie hinein verkauft habe, zurückzukaufen. Damals hat sicher der Eine oder Andere laut gelacht, als ich von der Silberoption auf Gold schrieb. Dazu braucht´s halt Bewegungen, die der Markt nicht erwartet, Geduld und Nerven.

Alle Kommentare lesen

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.