Gbureks Geld-Geklimper: Finger weg von Anleihen!

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Finger weg von Anleihen!

Kolumne von Manfred Gburek

In Südeuropa wird die nächste Eurokrise inszeniert, die Bundeskanzlerin dadurch noch vor der Wahl unter Druck gesetzt. Inzwischen erweist sich sogar die Anlage in Bundesanleihen als problematisch.

Als EZB-Direktor Jörg Asmussen vor gut fünf Monaten gefragt wurde, ob die Marktzinsen steigen werden, antwortete er ohne Zögern mit „Ja“ und schob nach, es sei „ein unnormaler Zustand“, wenn der Bund für zehnjährige Anleihen weniger als 1,5 Prozent Zinsen zahle. Wahrscheinlich ahnte er damals schon, was den Bund erwarten werde, sobald – wie jetzt geschehen – im Süden der Eurozone wieder einmal die Krise ausbricht, Deutschland um Hilfe gebeten wird und sich dieser Bitte nicht verschließen kann.

Letzteres ist, durch die Brille von Spaniern, Italienern, Portugiesen und Griechen, aber auch von Franzosen und Niederländern betrachtet, nur allzu konsequent. Denn so kurz vor der Bundestagswahl kann Kanzlerin Angela Merkel keinen kaputten Euro gebrauchen, nur weil die Südländer nicht ordentlich wirtschaften. Andererseits: Falls sie ihnen die Stirn bietet, könnte sie bei deutschen Wählern vielleicht noch mehr punkten. Folglich wird sie beide Varianten abwägen und am Ende so entscheiden, wie der Soziologe Ulrich Beck sie einmal treffend charakterisiert hat: Sie neige zum „Nicht-Handeln, Noch-nicht-Handeln, Später-Handeln“.

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Quelle: dpa

Fatale Folgen für Sparer

Beck sieht Europa dreifach gespalten: 1. EU-Länder mit/EU-Länder ohne Euro, 2. Euroländer in der Kreditgeber-/in der Kreditnehmerrolle und als Ergebnis aus den beiden Spaltungen 3. das Europa der zwei Geschwindigkeiten. Es wird spannend sein, zu beobachten, wie Merkel es vor diesem Hintergrund schafft, ihre Alternativen zum Nicht-, Noch-nicht- und Später-Handeln zu gestalten, ohne dass die deutschen Wähler ihr am 22. September untreu werden.

Das Ganze hat einen ernsten Aspekt, der auch Anleger betrifft: In die vermeintliche Rettung der Südländer sind seitens der EZB bereits Unsummen geflossen, ohne dass eine durchgreifende Besserung eingetreten wäre. Im Gegenteil, der jüngste Kladderadatsch portugiesischer, spanischer und sonstiger Anleihen aus südlichen Gestaden belegt ein Mal mehr, dass die zwei Geschwindigkeiten sich nicht mal eben mit EZB-Milliarden gleichschalten lassen. Und so kommt es erneut dazu, dass deutsche Bundesanleihen trotz der von Asmussen angesprochenen Magerzinsen favorisiert werden – mit fatalen Folgen für Sparer: negative Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflationsrate) auf Tages- und Festgeld sowie stark schrumpfende Ablaufleistungen für Kapitallebensversicherungen und weitere Instrumente zur Altersversorgung.

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