
Theoretisieren, wünschen, fordern, kritisieren, ignorieren – spätestens die Haushaltsdebatte am Mittwoch im Bundestag hat gezeigt, dass deutsche Politiker mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze den Ernst der Lage im Euro-Raum entweder noch nicht erkannt haben oder – was eher zutreffen dürfte - in Kenntnis der prekären Lage lieber um den heißen Brei herumreden und auf Zeit spielen. Zeit, die sie jedoch nicht gewinnen, sondern verlieren, weil mit jedem verlorenen Tag die Gefahr einer wirtschaftlichen Depression wächst – und nun, nach der misslungenen Auktion von Bundesanleihen, sogar deren Ende als sicherer Hafen. Analysieren, mögliche Entwicklungen simulieren, informieren, diskutieren, handeln – diese Tugenden erfolgreicher Politik bleiben weitgehend auf der Strecke.
Quelle: dpaGar nicht gut sieht es aus für die Börse in Athen. Im August verlor sie 40,2 Prozent. Bis heute haben die Hellenen nur 7 Prozent der Verluste wettgemacht.
Quelle: dpa/dpawebVorletzte im Ranking ist die Börse in Tokio - wenn auch mit einem deutlich besseren Ergebnis als die Kollegen in Athen: 14,8 Prozent büßte der Topix ein. 18,2 Prozent ging es bisher wieder nach oben.
Quelle: dpaDie Frankfurter Börse liegt im Mittelfeld: Nachdem es 29,1 Prozent runter ging, haben sich die Kurse in der Bankenmetropole um 36,5 Prozent hoch. Ähnliche Werte erreichte auch die Börse Moskau oder die Börse in Istanbul.
Quelle: APIn die Top Ten - und zwar auf Platz acht - hat es die London Stock Exchange (LSE) geschafft. Die Kurse auf der Insel gaben zwischen dem 29. Juli 2011 und dem Tiefpunkt um 15 Prozent ach, schnellten bis heute allerdings um 54,8 Prozent wieder nach oben.
Quelle: dapdDer amerikanische Dow Jones gab während des Augusts um 12,3 Prozent nach. Der Prozentsatz der Verluste, die die New Yorker Börse bis heute aufgeholt hat, beträgt 67,4.
Quelle: REUTERSDirekt nach der NYSE folgt auf Platz fünf die Börse in Mumbay. Dort ging es während des schwarzen Augusts um 13,2 Prozent runter, anschließend aber um 70,2 Prozent rauf.
Quelle: REUTERSIn der Schweiz brachen die Aktienkurse um 17,1 Prozent ein. Bis heute haben die Zürcher 80,4 Prozent der Verluste wieder reingeholt. Das beschert ihnen Platz vier im Ranking.
Quelle: REUTERSAufs Treppchen geschafft hat es die Börse in Sao Paulo: Von den 17,3 Prozent, die der Bovespa nachgab, haben die Händler 82,9 Prozent wieder aufholen können.
Quelle: REUTERSSilber gab es für die Börse in Mexico. Die Mexikaner konnten ihre Verluste fast wieder einholen: 11,9 Prozent gaben die Kurse nach, 94,3 Prozent der Verluste sind bisher wieder ausgeglichen.
Quelle: dapdDie Börse im Südafrikanischen Johannesburg steht auf Platz eins der Liste. Dank der starken Entwicklung von Goldminen- und Rohstoffaktien haben die Kurse hier nicht nur die Verluste ausgeglichen, sondern noch etwas draufgesattelt: 9 Prozent ging es im August nach unten. Davon sind 118,3 Prozent wieder reingeholt.
Gar nicht gut sieht es aus für die Börse in Athen. Im August verlor sie 40,2 Prozent. Bis heute haben die Hellenen nur 7 Prozent der Verluste wettgemacht.
Versuchen wir uns hier wenigstens mit der Analyse, denn schon sie allein führt zu so mancher interessanten Erkenntnis, und konzentrieren wir uns danach auf die Belange von Anlegern. Anders als 2008 haben wir es weniger mit einer Bankenkrise, sondern eher mit einer Staatenkrise zu tun. Solange Entscheidungen und die Haftung für die Euro-Zone in unterschiedlichen Gremien angesiedelt sind, bleibt sie äußerst labil. Im Gegensatz zu Großbritannien, zu den USA oder zu Japan fehlt im Euro-Raum die einheitliche politische Willensbildung und Durchsetzungskraft. Risiken, die der Euro mit sich bringt, werden nicht politisch angegangen, sondern auf die Europäische Zentralbank abgewälzt. Die politische Union, egal ob mit oder ohne Vorstufe der Fiskalunion, braucht bis zur Unterzeichnung aller dafür notwendigen Verträge mindestens noch ein Jahrzehnt. Auf dem Weg dahin wird so manches Euro-Mitgliedsland die Gemeinschaftswährung verlassen.
Aktienkurse nehmen Krise vorweg
Letzteres ergibt sich allein schon daraus, dass etwa Italien und Spanien, von Griechenland ganz zu schweigen, auf Dauer unbezahlbar hohe Zinsen für Staatsanleihen berappen müssen und ihrer Bevölkerung viel zu hohe Opfer bei den Steuern und Kürzungen von Sozialleistungen abverlangen. Das kann nicht lange gut gehen, weil es unweigerlich zur Wirtschaftskrise und zu erheblichen sozialen Unruhen in diesen Ländern führt. Die Folgen wären dann auch für Deutschland unangenehm, möglicherweise sogar verheerend, weil deutsche Exporte immerhin noch zu etwa 40 Prozent in den Euro-Raum gehen. Ihr Rückgang hier könnte durch Exporte in die nicht zur Euro-Zone gehörenden EU-Länder, in die USA, nach China und in andere Schwellenländer nur bedingt kompensiert werden.








