Gbureks Geld-Geklimper: Gold triumphiert über Dollar und Euro

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kolumneGbureks Geld-Geklimper: Gold triumphiert über Dollar und Euro

Kolumne von Manfred Gburek

Die Beziehungen zwischen den beiden Währungen und dem Edelmetall sind komplex geworden. Anlass genug, die aktuelle Dollar-Stärke bei Euro- und Gold-Schwäche zu analysieren.

Der Goldpreis fällt in letzter Zeit durch bizarre Ausschläge nach unten auf. Allein seit Juli drei Mal derart heftig, als hätten alle Besitzer des Edelmetalls plötzlich ihre Tresore geräumt und deren Inhalt auf den Markt geworfen. Dazu mehrere Male immer noch so sehr, dass den Goldfans insgesamt die Freude über ihre Schätze zu vergehen droht.

Die meisten Kommentare zu den Ursachen enden mit Sätzen wie: "Die demnächst steigenden amerikanischen Zinsen sind Gift für das zinslose Gold". Oder: "Die Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan haben ihre Prognosen zum Preisziel nochmals gesenkt." Oder einfach nur: "Steigt der Dollar, fällt das Gold."

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Wie Anleger die Geldanlage Gold beurteilen

  • 76 Prozent

    Die deutliche Mehrheit – 76 Prozent – der Bürger ist der Meinung, dass Gold eine gute Ergänzung zu anderen Geldanlagen ist.

  • 68 Prozent

    68 Prozent halten Gold für eine sichere Geldanlage.

  • 58 Prozent

    58 Prozent finden, dass Gold für risikoscheue Anleger geeignet ist.

  • 46 Prozent

    Der Aussage 'Gold ist zur Zeit eine lohnende Anlage, weil die Kurse steigen werden' stimmt knapp jeder zweite Bürger zu.

Beim Zinsargument kann man zumindest darüber streiten, ob der Leitzins, die Rendite der zwei-, fünf- oder zehnjährigen Staatsanleihen gemeint ist. Außerdem darüber, in welchem Umfang fallende Anleihenkurse, die immer mit einem Renditeanstieg einhergehen, unter dem Strich zu Verlusten führen. Dann müsste im Zweifel Gold vorzuziehen sein.

Die Begründung für die Prognosen der beiden Banken fällt meistens dürftig aus; sie ist in der Regel indiskutabel. Am interessantesten ist das Argument mit dem steigenden Dollar, weil es auf einen komplexen Zusammenhang zielt. Es soll deshalb hier genauer unter die Lupe genommen werden.

Gold als Anti-Dollar

Wer behauptet, mit dem steigenden Dollar falle der Goldpreis, setzt unausgesprochen voraus, dass die Messlatte eine andere Währung ist, also Euro, Franken, Yen, Renminbi und so weiter. Konzentrieren wir uns auf den Euro. Der Dollar hat ihn seit April abgehängt, am Mittwoch dieser Woche besonders deutlich.

Aber was hat das mit dem Gold zu tun? Vordergründig betrachtet nicht viel. Zieht man zum Beispiel repräsentativ die jüngste Entwicklung heran, fällt auf, dass der Dollar vom Sommer 2012 bis zum Frühjahr 2014 gegen den Euro fiel – und mit ihm der Goldpreis in beiden Währungen, um schließlich im Sommer 2013 ein Tief auszuloten, dem nach kurzer Erholung ein zweites folgte, und nun erwarten viele Anleger ein drittes. Zumindest zwischen 2012 und 2014 gab also eine relativ lange Phase, während der Dollar und Gold gegen den Euro im Gleichklang abwärts tendierten. Erst danach kam es zu einer gegenläufigen Entwicklung.


Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass es zeitweise ein getrübtes Verhältnis des Dollars zum Gold gibt. Nur lässt es sich kaum allein mit Kursgrafiken oder sonstigen quantitativen Maßstäben begründen, sondern eher mit einem Begriff, der unter Profis gebräuchlich ist: Gold als Anti-Dollar.

Oder ausformuliert: Der Dollar als Welt-Leitwährung braucht zum Überleben Vertrauen, sonst wickeln Europäer, Araber, Chinesen und andere Geschäfte eines Tages in ihren Währungen ab; Ansätze dazu gibt es ja bereits. Ein starker Goldpreisanstieg würde das Vertrauen in den Dollar erheblich untergraben.

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts war es schon mal so weit. Folglich gilt zurzeit aus amerikanischer Sicht, das Dollar-Vertrauen zu stärken, indem man den Goldpreis an dem - seit 2011 unterbrochenen – weiteren Anstieg hindert. Oder noch konsequenter, indem man ihn so gut es geht zu drücken versucht.

Mehrfacher Druck

Eine detaillierte Beschreibung der Drückmethoden würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Dimitri Speck, ein bienenfleißiger Faktensammler, hat sie in seinem Buch „Geheime Goldpolitik“ umfangreich aufgeführt. Er nennt im Wesentlichen drei Gruppen von Methoden: Verkäufe, Goldleihe und Interventionen über den Terminmarkt. Alle drei können auch kombiniert angewandt werden. Nicht zu vergessen: Es gilt, mithilfe der am Drücken beteiligten Banken und durch Einschaltung der Medien eine allgemeine Anti-Gold-Stimmung zu erzeugen.

Massive Goldverkäufe der eingebundenen Teilnehmer haben vor allem nach der Jahrtausendwende stattgefunden, aber bemerkenswerterweise nicht direkt vonseiten der USA. Verkauft haben prozyklisch zu Spottpreisen vor allem Großbritannien und die Schweiz, Letztere auf massiven Druck und Meinungsmache aus den USA. Mittlerweile spielen Direktverkäufe zur Manipulation des Goldpreises nur noch eine geringe Rolle.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

  • Goldnachfrage

    Die gesamte Goldnachfrage im dritten Quartal 2014 betrug 929,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q3'13: 952,8) gefallen.

    Quelle: World Gold Council

  • Schmucknachfrage

    Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im dritten Quartal 2014 insgesamt 534,2 Tonnen und ist damit um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q3'13: 556,3) gefallen.

  • Industrienachfrage

    Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im dritten Quartal 2014 auf 97,9 Tonnen und fiel, verglichen mit den 103,1 Tonnen im dritten Quartal 2013, um fünf Prozent.

  • Goldbarren- und Münznachfrage

    Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im dritten Quartal 2014 deutlich gesunken – auf 245,6 Tonnen. Ein Minus von 21 Prozent im Vergleich zu 2013 (Q3: 312,3).

  • EFTs und ähnliche Produkte

    Dass die Gesamtnachfrage nach Gold gefallen ist, ist auch auf die Abflüsse aus Gold-EFTs zurückzuführen. Im dritten Quartal 2014 beliefen sich diese auf 41,3 Tonnen. Allerdings ist das deutlich weniger als im Vorjahr. Im dritten Quartlal 2013 betrugen sie noch 120,2 Tonnen.

  • Notenbanken

    Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im dritten Quartal 2014 92,8 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von neun Prozent (Q3'13: 101,5).

  • Investment gesamt

    Die Goldnachfrage im Investment belief sich im dritten Quartal 2014 auf 204,4 Tonnen. Das ist eine minimale Steigerung von sechs Prozent, im Vorjahresquartal waren es 192 Tonnen.

Die Goldleihe funktioniert kurz gefasst so: Zentralbanken verleihen Gold an Minen. Banken schalten sich als Vermittler ein, indem sie das geliehene Gold für die Minen am freien Markt verkaufen. Der Verkaufserlös kommt den Minen zugute, die damit in die Goldproduktion investieren. Das so geförderte Gold dient dann dem Ausgleich des von den Zentralbanken geliehenen Goldes. Besonders die Entwicklung des Goldpreises in den 90er Jahren, als die Goldleihe intensiv zum Einsatz kam, hat gezeigt, dass dadurch ein erheblicher Preisdruck entstand.

Diese Methode hat in den vergangenen Jahren zunehmend den Interventionen am Terminmarkt Platz gemacht. Zu deren Wirkungsweise sei hier Buchautor Speck zitiert: „Zum einen funktioniert die Arbitrage zwischen Terminmarkt und Kassamarkt gut, denn Gold verdirbt nicht, lässt sich günstig lagern und kann meist in ausreichender Menge geliehen werden.

Damit bestehen aber Arbitragemöglichkeiten ähnlich wie an den Finanzmärkten, womit über den Terminmarkt unmittelbar auch der Preis am physischen Markt beeinflusst werden kann.“ Hierbei sei entscheidend, dass scharfe kurzfristige Preiseinbrüche aufgrund solcher Interventionen viele Anleger vom Goldkauf abhalten.

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Die Frage ist, wie lange noch, zumal Chinesen, Inder und andere Asiaten die im Vergleich zu den Vorjahren niedrigen Goldpreise längst für antizyklische Käufe nutzen.

Aus amerikanischer Sicht entscheidend dürfte jedoch sein, wann der Preisdruck aufhören soll, weil die USA den Dollar mithilfe höherer Zinsen auf das gewünschte Niveau manipuliert und so das internationale Vertrauen in ihn als Handelswährung genug stabilisiert haben.

Sie könnten, gestützt auf ihre dann wiedererstarkte Währung, selbst zu massiven Goldkäufen schreiten. Sie könnten den Dollar aber auch wieder auf Talfahrt schicken, um ihren Export anzukurbeln, so wie die Europäer das jetzt mit dem Euro tun. Der Sieger hieße in beiden Fällen: Gold.

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