Gbureks Geld-Geklimper: Gutmenschen und Kostentreiber vergraulen Anleger

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Gutmenschen und Kostentreiber vergraulen Anleger

Kolumne von Manfred Gburek

Initiativen für mehr Anlegerschutz sind zum Scheitern verurteilt, weil sie auf viel zu komplexe Probleme treffen. Derweil drohen sich Banken dramatisch zu verändern. Ihre Kunden müssen Konsequenzen ziehen.

Wenn gleich drei Ministerien auf einmal den Anlegern etwas Gutes tun wollen, haben sie da nicht uneingeschränkten Beifall verdient? Die Gutmenschen aus Justiz-, Verbraucher- und Finanzministerium warten darauf, allerdings vergeblich. Zu Recht, denn was sie vorhaben, ist billiger Populismus: Den grauen Kapitalmarkt aus Anlass der Prokon-Pleite regulieren, die von niedrigen Zinsen gebeutelten Lebensversicherungen retten, die Altersversorgung aufmöbeln, Anlagerisiken deutlicher sichtbar machen, den Vertrieb von Finanzprodukten unter die Lupe nehmen, Wertpapierverkaufsprospekte transparent machen, Geschäftsmodelle der Finanzbranche genauer prüfen und Kleinanleger vor risikoreichen Finanzprodukten schützen.

Den von einer besseren Welt träumenden Ministerialen muss man zumindest ein gewisses Gespür fürs Timing attestieren: Die Prokon-Pleite ist zwar nicht mehr ganz frisch, aber jetzt sorgt der ehemalige Aktienjongleur Markus Frick wieder für Schlagzeilen, nachdem der Staatsanwalt ihm gerade zwei Jahre und drei Monate Haft aufgebrummt hat. Da macht sich ein offizielles Plädoyer für mehr Anlegerschutz natürlich besonders gut. Es muss all jenen wie Hohn vorkommen, die früher auf unzählige geschlossene Fonds, auf die Betrüger der Göttinger Gruppe oder des Phoenix Kapitaldienstes hereingefallen waren. Wobei die deutsche Finanzaufsicht BaFin Letzterem noch zwei Jahre vor dessen Pleite mit dem Hinweis „keine Anhaltspunkte für kriminelle Machenschaften“ einen unglaublichen Gefallen getan hatte.

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Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

  • Tipp 1

    Renditen von über acht Prozent pro Jahr versprochen werden, gleichzeitig aber ein Drittel der eingeworbenen Summe für Kosten wie Werbung oder Vertrieb draufgeht

  • Tipp 2

    der Initiator bislang noch keine erfolgreichen Finanzprodukte aufgelegt hat

  • Tipp 3

    der Initiator nicht nachweisen kann, dass er die versprochenen Renditen im Kerngeschäft erwirtschaftet oder mit Vorgängerprodukten bereits erzielt hat

  • Tipp 4

    das Objekt, in das investiert werden soll, noch nicht feststeht oder das Anlegergeld als Kredit an andere Gesellschaften weitergereicht wird, der Anleger sich also nicht direkt an einer Immobilie oder einem Schiff beteiligt

  • Tipp 5

    Anleger Geld nachschießen müssen, falls das Unternehmen zum Sanierungsfall wird

Fonds und Lebensversicherer, eine wahre Liebe

Der für offene Fonds zuständige Verband BVI veröffentlicht inzwischen traditionell eine Agenda mit dem Titel „Woran wir derzeit arbeiten“. Sie umfasst aktuell nicht weniger als 31 Gesetzes- und Verordnungspläne. Mit vielen von ihnen setzen sich auch die anderen für Finanzen zuständigen Verbände auseinander, etwa die der Banken und Versicherer. Das ergibt Reibflächen und damit Verzögerungen, zum Teil auch Verstümmelungen wie die in der vorigen Legislaturperiode auf den Weg gebrachen Beratungsprotokolle, Wiedervorlage im Zuge der 31 genannten Pläne.

Manchmal kommt sogar das Gegenteil von Reibflächen vor, was für Anleger jedoch nicht unbedingt gut sein muss, wie dieses Beispiel deutlich macht: Offene Fonds lassen sich in Publikums- und Spezialfonds einteilen. Die einen werden einzelnen Anlegern, die unabhängig von der Qualität des Fondsmanagers und von der Höhe der laufenden Kosten einen Ausgabeaufschlag zahlen, überwiegend von Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben mehr schlecht als recht direkt verkauft.

Dagegen landen die stark wachsenden Spezialfonds auf indirektem Weg bei Anlegern, zum Beispiel über Lebensversicherungen, die das Geld ihrer Kunden mittlerweile zu 29 Prozent in Fonds investieren – womit den Anlegern endgültig entgeht, mit welchen Gesamtkosten sie belastet werden. Auf das Verhältnis der Fondsbranche zu den scheinbar konkurrierenden Lebensversicherern angesprochen, antwortet BVI-Chef Thomas Richter denn auch lakonisch: „Wir lieben uns jetzt schon.“

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