kolumneGbureks Geld-Geklimper: Japans Kamikaze und die Folgen für Anleger

14. Februar 2013
Kolumne von Manfred Gburek

Der Wettlauf der Staaten und Notenbanken um den ersten Platz als schwächste Währung ist durch die Yen-Abwertung in die heiße Phase geraten. Anleger sollten mit Überraschungen rechnen.

Währungskrieg, dieser Begriff hat große Aussichten, zum Unwort des Jahres zu werden. Zumindest in Finanzkreisen. Auch wenn EZB-Chef Mario Draghi sich vorsorglich bemühte, ihn zu Recht als „sehr übertrieben“ zu bezeichnen, wird der Begriff weiter durch Börsen und Medien geistern. Immerhin wurde die milliardenschwere Allianz-Tochter Pimco bereits deutlicher, als sie das direkte oder indirekte Streben nach schwächeren Währungen „weltweit unübersehbar“ nannte.

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Wirklich weltweit? Derzeit fällt jedenfalls erst eine Maßnahme auf, die man kriegerisch nennen könnte: die drastische Yen-Abwertung gegenüber den anderen wichtigen Währungen. Sie wirft  durchaus die Frage auf, ob ihr ein Abwertungswettlauf wie in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts folgen wird. Und vor allem: Wenn Notenbanken mit starker Unterstützung durch Regierungen – oder als deren Befehlsempfänger, wie in Japan – ihre Währungen systematisch kaputt zu machen versuchen, wie wird sich das auf die Realwirtschaft und speziell auf Ihre Geldanlage auswirken?

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

30er Jahre: Gold hui, Währungen pfui

Insofern ist zunächst ein kurzer Rückblick in jene 30er Jahre hilfreich. 1931 begann England das Pfund Sterling etappenweise abzuwerten. Das veranlasste andere Länder, es ebenfalls zu tun. Ein Jahr später führte Japan die Devisenbewirtschaftung ein. 1933 holten die USA zum großen Schlag aus, indem sie die Goldeinlösungspflicht und die Goldparität aufgaben, den Goldpreis sukzessive erhöhten und schließlich 1934 durch die Festlegung der Goldparität auf 35 Dollar je Unze den Dollar im Außenwirtschaftsverkehr stark abwerteten.

Wer geglaubt hatte, durch diesen Kraftakt wäre Ruhe in die Devisenmärkte eingezogen, sah sich  bitter enttäuscht. Denn danach ging es mit den Abwertungen erst richtig los, beginnend mit einigen europäischen Ländern, wie Schweiz und Italien 1935. Ein Jahr darauf folgte Frankreich, nicht ohne die Franc-Abwertung in einen Pakt mit England und den USA einzubringen. Der Pakt konnte das Land indes nicht vor weiteren Abwertungen in den Jahren danach bewahren. 1937 werteten neben Frankreich zur Abwechslung auch Japan und Russland ihre Währungen ab. Mit Ausbruch des 2. Weltkriegs 1939 kamen über die Abwertungen hinaus noch Zahlungsverkehrs- und Handelskontrollen dazu.

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