Gbureks Geld-Geklimper: "Mach mir den Draghi!"

kolumneGbureks Geld-Geklimper: "Mach mir den Draghi!"

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Mario Draghi hat Investoren auf eine weitere Unterstützung der Kreditmärkte eingestimmt.

Kolumne von Manfred Gburek

Der EZB-Rat hat mit seinen umfangreichen Entscheidungen vor Wochenfrist die Sparer bestraft. Doch die können sich wehren. Vorausgesetzt, sie verfügen über Geduld und starke Nerven.

„Mach mir den Draghi“, brüllten Börsianer am vergangenen Donnerstag vor lauter Begeisterung, nachdem der EZB-Chef sein umstrittenes Geldpaket auf den Tisch gelegt und der Dax die lange beschworene Marke von 10.000 Punkten erreicht hatte. Es war die Anspielung auf eine Szene im alten französischen Film „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“. Ist das schon eine Art Euphorie, die sich mit der Bombenstimmung um die Jahrtausendwende messen lassen kann? Eher nicht. Die Überbewertung deutscher Aktien ist zwar unverkennbar, reicht aber längst noch nicht an die zu einem großen Teil dreistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von damals heran.

Ohnehin haben wir es heute im Vergleich zu damals mit einem ganz anderen Phänomen zu tun: Die Verzweiflungstat des EZB-Rats vom vergangenen Donnerstag ist offenbar darauf zurückzuführen, dass der Großteil seiner bisherigen Maßnahmen für die Katz war. Er probiert mal dies, mal das aus. Dann tritt Mario Draghi vor die Presse und verkündet die Einstimmigkeit des Beschlusses, noch mehr als bisher in die Märkte einzugreifen – eine Bemerkung, die in erster Linie Ratsmitglied Jens Weidmann gilt. Der hat also wie die anderen auch dafür gestimmt, dass die Ersparnisse der Anleger sukzessive geschreddert werden.

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Anleger werden bestraft, Schuldner belohnt

Damit setzt sich die Umverteilung fort: Anleger werden bestraft, Schuldner belohnt. Nun dürfte wohl kaum jemand erwarten, dass Anleger deshalb gleich dem Konsumrausch verfallen, auch wenn der amerikanische Wirtschafts-Nobelpreisträger das vor einigen Jahren in einem Anfall von Hybris empfohlen hat. Eher werden sie sich endlich, schätzungsweise auf dem Preisgipfel, den Traum vom eigenen Haus erfüllen und es so hoch wie möglich mit Hypotheken belasten – die niedrigen Bauzinsen tun ja scheinbar kaum weh.

Und weil den meisten Leuten immer noch nicht klar zu machen ist, dass auch Immobilienpreise gewissen Zyklen unterliegen, könnten sie sogar das Schicksal derer erleiden, die nach der Wende Anfang der 90er Jahre zu Mondpreisen Immobilien in den neuen Bundesländern gekauft haben und schließlich illiquide geworden sind.

Die große Umverteilung hat noch eine weitere Dimension: Deutschland ist dabei, die anderen Euroländer zu alimentieren. Das heißt, der deutsche Länderfinanzausgleich hält zunehmend als Blaupause für den Euroraum her. EZB und EU sind sich da einig. Interessant wird es, wenn man das Alimentations-Argument Politikern, Bürokraten oder Funktionären vorhält. Dann kommt meistens wie aus der Pistole geschossen das Gegenargument, Deutschland profitiere doch vom Euroraum wie kaum ein anderes Land. Seltsam nur, dass die Reformen in Euroländern wie Frankreich, Italien, Spanien usw., die ihnen die Annäherung an deutsche Verhältnisse ermöglichen würden, nur schleppend vorangehen – und die EZB hilft ihnen mit ihrer laschen Geldpolitik auch noch dabei.

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