Gbureks Geld-Geklimper: Schnäppchenjagd auf Aktien einmal ganz anders

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Schnäppchenjagd auf Aktien einmal ganz anders

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Die Zeit für Aktien-Schnäppchenjäger wird kommen.

Kolumne von Manfred Gburek

Der zeitweise freie Fall der Aktienkurse eröffnet geduldigen Anlegern große Gewinnchancen. Doch darauf werden sie noch lange warten müssen. Geduld bedeutet Geld, viel Geduld noch mehr Geld.

Stellvertreterkrieg in der Ukraine, düstere Konjunkturaussichten in Europa, der Dax an einigen Tagen im freien Fall und ein hastig inszenierter europäischer Banken-Stresstest, dessen Ergebnisse schon im Oktober vorliegen sollen und nach der „Rettung“ von Portugals Banco Espírito Santo durch EU-Geld einschließlich Kollateralschaden bei Frankreichs Crédit Agricole nichts Gutes ahnen lassen – wenn das kein Grund ist, sich ein weiteres Mal mit der Anlagestrategie zu beschäftigen! Zumal die vor gut einem Monat in die weite Welt gesandten Warnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor einem „schmerzhaften und sehr zerstörerischen Umschwung“ an den Finanzmärkten längst noch nicht verhallt sind.

Was wir derzeit an den Börsen erleben, ist geradezu ein Run in die Liquidität. Dagegen mag man einwenden, er sei übertrieben, die EZB sorge doch für genug Liquidität und werde das in noch größerem Ausmaß tun, sobald irgendwo Geldengpässe entstehen. Aber Geld, das aus Aktienverkäufen stammt, und Geld, das die EZB schöpft, ist zweierlei. Und um nochmals auf die BIZ zu kommen: Sie hält die EZB-Geldpolitik wegen der schrumpfenden Bankbilanzen für wenig effektiv, weil eher schädlich als nützlich. EZB-Chef Mario Draghi soll über diese Aussage „not amused“ gewesen sein.

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Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Die Baisse nährt die Baisse

 Denken wir das Thema Liquidität und Aktienverkäufe zu Ende. Zweifellos hat die lockere Geldpolitik der EZB ganz entscheidend zum Anstieg der Aktienkurse während der vergangenen drei Jahre beigetragen. Das heißt, Banken und andere Großanleger wussten nicht, wohin mit dem Geld, und investierten es zu einem großen Teil in Aktien. Zwar gab es hier und da auch fundamentale Gründe, etwa weil BMW und VW einen Absatzrekord nach dem anderen erzielten, aber der Großteil der Aktienhausse war liquiditätsgetrieben. Nach dem Überspringen von 10.000 Punkten im Juni und Juli knickte der Dax dann ein, obwohl die EZB nicht weniger Geld in die Märkte pumpte, sondern bei ihrer lockeren Politik blieb. Damals ging allerdings so manchem Anleger ein Licht auf: Liquiditätshausse in Erwartung eines Konjunkturrückgangs wegen der unabsehbaren Folgen des Kriegs in der Ukraine, das konnte auf Dauer offenbar nicht gut gehen. Folglich kam es zu ersten Großverkäufen von Aktien mit der entsprechenden Abwärtsreaktion der Kurse.

Was jetzt folgen wird, ist absehbar: Die Baisse nährt die Baisse, wie Börsianer zu sagen pflegen. Die spannende Frage bleibt: wie lange und bis zu welchem Dax-Stand? Sie lässt sich nur annäherungsweise beantworten. Erstens: Kommt es bloß zu einer Konjunkturflaute und das in Russland wegbrechende Geschäft deutscher Konzerne wird durch Aufträge aus den USA, aus China und eventuell sogar aus Europa kompensiert, dürfte die Baisse bei Fortsetzung der lockeren Geldpolitik schon nach wenigen Monaten und einem Minus von 20 bis 30 Prozent zu Ende gehen. Zweitens: Entwickelt sich die Flaute allerdings zu einer Krise, wird es wohl trotz des vielen Geldes nur zu zwischenzeitlichen Erholungen der Aktienkurse kommen. In diesem Fall dürfte das Minus eher in Richtung 50 Prozent gehen und der nächste nachhaltige Kursaufschwung noch zwei bis drei Jahre auf sich warten lassen.

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