Gbureks Geld-Geklimper: Sichere und unsichere Häfen für Anleger

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Sichere und unsichere Häfen für Anleger

Kolumne von Manfred Gburek

Immer stärkere Kursschwankungen sind nur noch eine Frage der Zeit. Edelmetalle und Aktien werden davon erst betroffen, danach begünstigt sein.

Niedrige Zinsen sind eigentlich etwas Gutes, sollte man meinen: Staaten verschulden sich zu günstigen Konditionen und ersparen ihren Bürgern und Unternehmen dadurch so manche Steuererhöhung, Unternehmen können Investitionen günstig finanzieren, es wird wieder mehr gebaut, und Anleger liebäugeln mit Aktien, deren Dividendenrenditen anders als in früheren Zeiten über den spärlichen Renditen der Bundesanleihen und den noch spärlicheren Tages- oder Festgeldzinsen liegen. So weit die Theorie.

Die Praxis sieht anders aus: Staaten machen bei anhaltend hohen oder sogar steigenden Steuern Schulden wie noch nie. Staaten aus dem Euroraum haben dafür sogar die Erlaubnis der EZB, die klar gemacht hat, dass sie keinen Staat – und keine Großbank – pleite gehen lassen wird. Unternehmen werden durch die extrem niedrigen Zinsen zu immer risikoreicheren Investitionen verleitet; die mit Krediten gehebelten Fusionen und Übernahmen erhöhen die Risiken zusätzlich.

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Mit welchen Aktien Anleger jetzt Kasse machen Quelle: dpa/Montage

Spuren der Verwüstung

Dass mehr gebaut wird, ist die positive Seite des aktuellen Immobilienbooms. Doch leider gibt es auch eine gravierende negative: Anleger investieren allzu unvorsichtig in das, was sie für Betongold halten. Schlimmstenfalls vertrauen sie ihr Geld sogar dubiosen Fonds an, deren Initiatoren und Emittenten, wie zuletzt die Firmen S&K und United Investors, unter Betrugsverdacht stehen.

Was schließlich die Dividendenrenditen von Aktien betrifft, enthalten sie anders als in früheren Zeiten einen Risikoaufschlag im Vergleich zu den Renditen von Bundesanleihen. Denn abgesehen davon, dass Dividendenrenditen mit den Kursen schwanken, können Dividenden ja auch von heute auf morgen gestrichen werden, wie die Lufthansa gerade bewiesen hat. Bleibt noch die vermeintliche Alternativlosigkeit von Aktien, doch das ist dummes Zeug.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Alles in allem ziehen die niedrigen Zinsen so manche Spur der Verwüstung hinter sich her. Zurzeit ist sogar Gold – und in dessen Gefolge Silber – nicht vor ihnen sicher, wie die jüngste Abwärtsentwicklung der Edelmetallpreise zeigt. Das erscheint erst einmal paradox, gilt Gold doch allenthalben als sicherer Hafen und als Versicherung gegen alle möglichen Finanzkatastrophen.

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