Gbureks Geld-Geklimper: Siemens-Aktien und andere Katastrophen

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Siemens-Aktien und andere Katastrophen

Kolumne von Manfred Gburek

Wer Geld nachhaltig in Aktien anlegt, wird mittels Steuern diskriminiert. Die Finanzlobby sorgt dafür, dass es dabei bleibt. Aktionäre haben keine Lobby.

Die Dividendensaison der Dax-Konzerne ist eröffnet, Siemens macht den Anfang: 3,30 Euro je Aktie – allerdings nur theoretisch, wie wir gleich sehen werden. ThyssenKrupp folgt bescheidener mit 0,11 Euro – immerhin ein Signal, vor allem in Richtung Großaktionär Cevian, denn vor Jahresfrist gab es gar nichts.

Haben Siemens- und ThyssenKrupp-Aktionäre Grund zum Dividendenjubel? Nein, denn Dividenden werden am Tag nach der Hauptversammlung vom Kurs abgeschlagen. Dann können Klein- und Großaktionäre der Konzerne Verluste über den Abschlag hinaus erleiden. Bitter für die von Siemens: Der Kurs rauschte am Mittwoch gleich zu Beginn um weit mehr als jene 3,30 Euro in die Tiefe, bevor die Erholung einsetzte und ihn bis Mittwochabend wenigstens noch auf etwas über 95 Euro steigen ließ.

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Zwischen den Schlusskursen vom Dienstag und Mittwoch klaffte schließlich eine Differenz von 4,78 Euro, also 1,48 Euro über den Dividendenabschlag hinaus.

Fatale Abgeltungsteuer

Es kommt noch schlimmer: Siemens-Aktionären wird von 3,30 Euro je Aktie über ein Viertel abgezogen, bestehend aus der seit Anfang 2009 geltenden Abgeltungsteuer zuzüglich Soli; sogar die Kirchen partizipieren daran. Immerhin gilt ein Sparerpauschbetrag von 801 Euro pro Person und Jahr. Dafür kann man sich einen ordentlichen Fernseher oder zwei Smartphones kaufen, dann ist das Geld weg.

Deutsche Dividendenaristokraten für 2015

  • Platz 6

    Unternehmen: Deutsche Börse
    Land: Deutschland
    Marktkapitalisierung: 11,6 Mrd. Euro
    Rendite 2015e: 3,4%
    Rendite 2016e: 3,5%
    durchschnittliches Aktienwachstum (p.a. 10 Jahre): 20%
    Ausschüttungsquote: 68%
    DZ Bank Anlageurteil: Kaufen

    Quelle: FactSet, DZ BANK

  • Platz 5

    Unternehmen: Axel Springer
    Land: Deutschland
    Marktkapitalisierung: 5,1 Mrd. Euro
    Rendite 2015e: 3,6%
    Rendite 2016e: 3,7%
    durchschnittliches Aktienwachstum (p.a. 10 Jahre): 16%
    Ausschüttungsquote: 60%
    DZ Bank Anlageurteil: Kaufen

  • Platz 4

    Unternehmen: Siemens
    Land: Deutschland
    Marktkapitalisierung: 79,1 Mrd. Euro
    Rendite 2015e: 3,7%
    Rendite 2016e: 3,9%
    durchschnittliches Aktienwachstum (p.a. 10 Jahre): 9%
    Ausschüttungsquote: 51%
    DZ Bank Anlageurteil: Kaufen

  • Platz 3

    Unternehmen: Hugo Boss
    Land: Deutschland
    Marktkapitalisierung: 7,2 Mrd. Euro
    Rendite 2015e: 3,5%
    Rendite 2016e: 4,0%
    durchschnittliches Aktienwachstum (p.a. 10 Jahre): 15%
    Ausschüttungsquote: 70%
    DZ Bank Anlageurteil: Kaufen

  • Platz 2

    Unternehmen: BASF
    Land: Deutschland
    Marktkapitalisierung: 66,1 Mrd. Euro
    Rendite 2015e: 3,9%
    Rendite 2016e: 4,1%
    durchschnittliches Aktienwachstum (p.a. 10 Jahre): 12%
    Ausschüttungsquote: 49%
    DZ Bank Anlageurteil: Halten

  • Platz 1

    Unternehmen: Munich Re
    Land: Deutschland
    Marktkapitalisierung: 28,6 Mrd. Euro
    Rendite 2015e: 4,4%
    Rendite 2016e: 4,6%
    durchschnittliches Aktienwachstum (p.a. 10 Jahre): 14%
    Ausschüttungsquote: 46%
    DZ Bank Anlageurteil: Halten

Das Fatale an der Abgeltungsteuer besteht indes darin, dass sie Daueraktionäre bestraft, die seit 2009 Aktien gekauft haben. Denn diese Steuer wird seitdem auch auf Kursgewinne erhoben, und zwar unabhängig von der Haltedauer; vorher waren Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei. Wer Aktien oder andere Wertpapiere vor 2009 gekauft hat, darf sich dagegen weiter über die Steuerfreiheit freuen.

Von wegen Alternativlosigkeit der Aktien

Die Abgeltungsteuer ist eine Hinterlassenschaft von Sozi Peer Steinbrück. Sie wurde im Namen der Gerechtigkeit erfunden: Aktionäre sollten ihr Fett abbekommen, ungeachtet dessen, dass ihre Unternehmen bereits vorher Körperschaftsteuer gezahlt hatten. Doppelbesteuerung nennt man so etwas. Wo waren die Unternehmerverbände, als es galt, dagegen zu protestieren, wo waren Aktionärsvereinigungen und das Deutsche Aktieninstitut? Sie ließen jegliche Durchschlagskraft vermissen, eine Schande.

Dividende statt Zins Machen Sie Frühjahrsputz im Depot!

Ausgerechnet die als solides, risikoarmes Depot-Beiwerk gedachten Anleihen stellen Anleger vor ein Dilemma: Sie erwirtschaften keine Rendite mehr. Welche Dividendenwerte Abhilfe schaffen.

Neuverteilung im Tortendiagramm Quelle: Getty Images

Jetzt häufen sich wieder einmal die Stimmen, wonach Aktien als Geldanlage wegen der niedrigen Zinsen alternativlos seien. Wie das Beispiel Siemens verdeutlicht, handelt es sich jedoch um eine Alternativlosigkeit mit Haken und Ösen: Man erhält zwar Dividende, aber im Gegenzug kann der Staat sie im Verein mit der Börse wieder zunichte machen.

Gewinner – wenn es denn überhaupt welche gibt – sind die Spieler, die es schaffen, aus kurzfristigen Kursgewinnen auch noch nach Abzug der Abgeltungsteuer Kapital zu schlagen. Gerechtigkeit? Auch Steinbrücks Nachfolger Wolfgang Schäuble will nichts davon wissen.

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