Gbureks Geld-Geklimper: Traut keiner Notenbank!

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Traut keiner Notenbank!

Kolumne von Manfred Gburek

Die EZB steuert mehr Inflation an, die europäische Geldpolitik wird amerikanisch. Anleger sollten daraus zwei Schlüsse ziehen: keiner Notenbank trauen - und Sachwerte horten.

Inflation ist für EZB-Chef Mario Draghi offenbar etwas ganz Tolles. Erst unlängst, aus Anlass des internationalen Treffens der Notenbanker im amerikanischen Bergnest Jackson Hole, verkündete er, die EZB werde die Inflation „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ ins Laufen bringen.

Damit verschärfte er im Grunde nur eine Aussage, die er bereits ein halbes Jahr zuvor bei einer Veranstaltung der Deutschen Bundesbank zum Besten gegeben hatte: „Wenn die Inflation für eine längere Zeit niedrig bleibt, ist das natürlich ein Risiko an sich.“ Und dieses Risiko muss aus der Welt geschafft werden, koste es was es wolle.

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Die Worte sind jedes Mal, wenn Draghi sich öffentlich äußert, so gezielt ausgewählt, dass sie auch nach der Übersetzung aus dem Englischen in andere Sprachen nicht mehr missverstanden werden können. Das ist die hohe Kunst des „Wording“. Damit hat der EZB-Chef bisher mehr als zwei Jahre lang geglänzt, ohne wirklich nennenswerte Taten folgen zu lassen. Man erinnere sich nur an seine markigen Worte vom Juli 2012, als er mit der Bemerkung „whatever it takes“ die Eurokrise für beendet und den Euro zur weiterhin existenzfähigen Währung erklärte.

Vermögensverwalter EZB lässt sich von Blackrock beraten

Die Europäische Zentralbank (EZB) will über den Aufkauf von Verbriefungen die Banken in den 18 Euro-Ländern anregen – und lässt sich dafür vom weltgrößten Vermögenverwalter beraten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich von Blackrock beraten lassen. Quelle: dpa

Die EZB kann Inflation erzeugen

Doch jetzt folgen den Worten auch Taten. Mit der Einbindung des führenden US-Vermögensverwalters Blackrock in die europäische Geldpolitik ist immerhin ein entscheidender Schritt getan: Diese wird noch amerikanischer, als sie ohnehin schon ist. Weitere Schritte werden in kurzen Abständen folgen; das ist aus dem Umfeld der EZB zu hören. Und noch mehr: Diese sei unabhängig und niemandem zur Auskunft verpflichtet, sagt ein Insider trotzig. Folglich könne sie von keinem Außenstehenden zur Rechenschaft gezogen werden, basta.

Aber welche Schritte sind demnächst noch zu erwarten? Wer sich auf die Spurensuche begibt, stößt schnell – nicht zuletzt durch die neu entflammte Diskussion über Eurobonds - auf direkte Anleihenkäufe. Und damit diese von Kritikern nicht gleich als verkappte – also verbotene – Fiskalpolitik wahrgenommen werden, dürfte BlackRock über Derivate in Aktion treten. Der Rest bleibt der Phantasie überlassen.

So kann die EZB die Geldmenge in Euro beliebig erweitern, ohne dafür irgendjemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Zum Beispiel könnte sie den Banken Anleihen, andere Wertpapiere und Kredite abkaufen. Oder den Versicherern, Pensionsfonds und sogar privaten Anlegern. Im ersten Fall würden sich die Bankbilanzen aufblasen, im zweiten Fall käme die nachfragewirksame Geldmenge obendrauf. Kurzum, die EZB kann bis zu einem gewissen Grad Inflation erzeugen.

Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

  • Was bedeutet das niedrige Preisniveau für Verbraucher?

    Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird: Die Euro-Stärke verbilligt die in Dollar abgerechneten Rohölimporte. Niedrige Inflation ist also in diesem Fall gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge.

  • Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

    Das Problem ist, wie Verbraucher und Unternehmen die künftige Entwicklung des Preisniveaus einschätzen. Wer weiter sinkende Preise erwartet, verschiebt vielleicht den Kauf der neuen Waschmaschine oder die Investition in die neue Fabrikhalle - denn es kann ja eigentlich nur günstiger werden. Das könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Unternehmen machen weniger Gewinn, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck, Preise weiter zu senken, nimmt zu. Diese Verkettung lähmt die Konjunktur. In der Folge sinken auch die Steuereinnahmen und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

  • Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?

    70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

  • Droht eine für die Konjunktur gefährliche Deflation?

    Darüber gehen die Meinungen auseinander. So warnt das DIW vor der Gefahr „einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale“ bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Im „Focus“ schreibt er: „Ohne ein beherztes Eingreifen der EZB sehe ich schwarz.“ Europas Währungshüter rechnen zwar mit einer niedrigen Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr, Deflationsrisiken sehen sie aber nicht.

  • Was kann die Europäische Zentralbank tun?

    Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihekauf („Quantitative Lockerung/QE). „Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert“, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

  • Wie werden sich die Verbraucherpreise weiter entwickeln?

    Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt, warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.

  • Müssen Verbraucher für Nahrungsmittel weiterhin mehr zahlen als 2013?

    Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

EZB und Fed gleichen sich an

Damit steht allerdings weder fest, ob im Zuge der hier genannten Maßnahmen alle anderen Beteiligten – Banken, aber auch sonstige Notenbanken – mitmachen noch ob genau die von der EZB für den Euroraum angepeilte Inflationsrate von zwei Prozent minus x zu erreichen ist. Inflation ist eben keine statische Zahl, sondern ein dynamischer Prozess.

Im Übrigen findet sie nicht allein als Indikator für Preise eines bestimmten Warenkorbs statt, sondern in mehrfacher Form auch als sogenannte Asset Inflation: etwa als Anstieg der Wertpapierkurse, der Immobilien-, Rohstoff- und Edelmetallpreise. Mal sind Edelmetalle und Rohstoffe an der Reihe (wie von 2001 bis 2011), mal deutsche Wohnimmobilien (wie seit 2009), mal amerikanische und europäische Aktien (ebenfalls seit 2009), Überschneidungen inbegriffen - demnächst womöglich wieder Edelmetalle und Rohstoffe, was ja ganz gut zum Streben nach Inflation durch die EZB und andere Notenbanken passen würde.

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