Gbureks Geld-Geklimper: Überall lauert Gefahr für Ihr Geld

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Überall lauert Gefahr für Ihr Geld

Kolumne von Manfred Gburek

Aktionäre jubeln über den Dax – eine Minderheit. Anleger tappen in Geldfallen – die Mehrheit. Kommunen spekulieren und bleiben straffrei, Anleger spekulieren und erleiden Verluste. 2015 wird ein gefährliches Jahr!

Was hat der Jubel der Börsianer vor der entscheidenden EZB-Sitzung an diesem Donnerstag mit den Frankenkrediten von Essen, Bochum und anderen Ruhrgebietsstädten gemeinsam? Ein milliardenschweres, teures Missverständnis.

Wer über den letzten Dax-Sprung jubelt, erwartet eine riesige Geldflut der Marke Mario Draghi. Und wer sich in Schweizer Franken verschuldet – dazu gehören neben klammen Kommunen auch Privatleute und Unternehmen -, rechnet mit einem gleichbleibenden Verhältnis zum Euro.

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Dass Privatleute und Unternehmen zu Währungsspekulanten werden, ist ihr Problem. Dass Kommunen es ihnen nachmachen wollen, ist das Problem ihrer Bürger – der entscheidende Unterschied.

Die Erhöhung der Grundsteuer, die den Kommunen zugute kommt, wird es schon irgendwie richten, spätestens nach der über Jahrzehnte verschleppten Reform dieser Steuer. Dann werden zur Begründung wieder einmal marode Straßen, fehlende Kitaplätze und kaputte Krankenhäuser herhalten, aber bestimmt nicht die für das Desaster verantwortlichen kommunalen Spekulanten.

Statements zur Franken-Freigabe der Schweizer Notenbank

  • "Entscheidung war längst überfällig"

    "Die Entscheidung der Schweizer Notenbank war längst überfällig. Ihre Wechselkurspolitik hat zwar in den vergangenen Jahren Schweizer Exporteure geschützt und deren Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwächeren Franken unterstützt. Diese Politik könnte sich jedoch als enorm teurer Fehler erweisen. Denn der Franken wird langfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Die Wertverluste auf die Devisenreserven könnten deshalb enorm groß werden. Der Zeitpunkt der Entscheidung ist sicherlich nicht zufällig. Die Erwartung eines Anleihenkaufprogramms der EZB sollte den Euro mittelfristig weiter schwächen, und damit die sonst notwendigen Ankäufe und diese Verluste für die Schweizer Notenbank erhöhen."

    DIW-Präsident Marcel Fratzscher

  • "Ein Zusammenhang mit den EZB-Maßnahmen liegt auf der Hand"

    „Ein Zusammenhang mit den zu erwartenden zusätzlichen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank liegt auf der Hand. Dies nicht zuletzt auch deshalb, als das von der SNB im Dezember eingeführte Instrument der negativen Zinsen genau am 22. Januar in Kraft tritt, exakt am Tag der EZB Entscheidung“
    Joachim Corbach, Währungsexperte der Fondsgesellschaft Swiss & Global Asset Management in Zürich

  • "Wirft ein schlechtes Licht auf die Lage der Eurozone“

    Mit der Freigabe des Wechselkurses läuft die SNB nun Gefahr, dass der Schweizer Franken
    massiv aufwertet. […] Bereits kurz nach der Entscheidung hat
    die SNB am Devisenmarkt interveniert, um die Aufwertung zu bremsen. […] Tatsächlich dürften sich die Schweizer Währungshüter von der Geldpolitik der EZB befreien wollen.[…] Damit könnte die SNB wieder eine unabhängige Geldpolitik betreiben. Letztlich wirft der heutige Schritt damit vor allem ein schlechtes Bild auf die Lage in der Eurozone“.

    Christoph Weil, Analyst Commerzbank

  • „Euro wird nicht ins Bodenlose fallen“

    Mit der unerwarteten Aufhebung des Mindestkurses riskiert die SNB nun ihre Glaubwürdigkeit. Schließlich versicherte sie bis zuletzt, dass der Mindestkurs zum Euro der zentrale geldpolitische Pfeiler sei. […]
    Auch wenn es nun keinen expliziten Mindestkurs zum Euro mehr gibt, dürfte die SNB auch in Zukunft den Franken nicht ins Bodenlose fallen lassen. […] Weitere Interventionen am Devisenmarkt hatte die SNB "bei Bedarf" explizit nicht ausgeschlossen.[…] Sollte sich der Kurs im Zuge eines voraussichtlichen Beschlusses der EZB, Staatsanleihen aufzukaufen und einer unübersichtlichen politischen Lage in Griechenland im Zuge der Neuwahlen (25. Januar) wieder merklich unter Parität bewegen, rechnen wir kurzfristig mit weiteren Deviseninterventionen der SNB.

    Manuel Andersch, BayernLB

  • „Schweizer Notenbank wird stärker am Devisenmarkt intervenieren müssen“

    Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass der Schweizer Franken immer eine der Währungen ist, die in Zeiten von Risikovermeidung, als sicherer Hafen dienen […] Die heutige Entscheidung geht auf die Kosten zukünftiger fester Wechselkursversprechen, in denen die SNB weniger glaubwürdig erscheinen wird. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie eine solche Maßnahme in den nächsten Jahren wiederholt. Folglich wird die SNB noch stärker auf den Devisenmärkten intervenieren müssen.“

    Karsten Junius, Chef-Ökonom der Bank J. Safra Sarasin

  • "Ein Befreiungsschlag der SNB"

    „Das ist ein überraschender Schritt der SNB. [...] Sie hätte aber auch eine sanftere Abkehr wählen können, etwa über eine Bindung an einen Währungskorb. Der völlige und abrupte Rückzug erscheint aktuell kontraproduktiv für die EZB. Es ist auch ein Befreiungsschlag der SNB. Sie kann sich nun wieder auf ihr geldpolitisches Mandat und die Makroökonomie konzentrieren. Die Frage ist nun, was das für die Realwirtschaft bedeutet. Der starke Ölpreisverfall zusammen mit `flash crash`-Aufwertung des Franken birgt eine sehr große Deflationsgefahr. Die Schweizer Unternehmen verlieren stark an Wettbewerbsfähigkeit. Und in der Finanzindustrie könnte es einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt haben. Auf das Vertrauen in Zentralbanken eine Anlagestrategie aufzubauen, ist hoch problematisch. Und natürlich stellt sich nun die Frage: Wie vertrauenswürdig sind Zentralbanken?“

    Dirk Aufderheide, Chief Currency Strategist Active der Deutschen Asset & Wealth Management (Deutsche AWM)

  • "Nach Übertreibungsphase wieder höher Kursniveaus"

    "Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Die Bevölkerung zeigt gegenüber dem Aufbau hoher Fremdwährungsbestände in Euro Skepsis. Letztlich hatte die SNB damit auch ein Legitimationsproblem.
    Zwar schreibt die SNB, dass die Schweizer Exportwirtschaft sich auf die neue Situation einstellen konnte, doch ob die Unternehmen mit Kursen von 0,92 gegenüber dem Euro klar kommen, bleibt fraglich. Da der Schweizer Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro/Franken einstellen."

    Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Group (Liechtenstein)

  • "Währungspolitik der Schweizer buchstäblich zerrissen"

    "Die Schweizer haben das Ausmaß der europäischen Probleme und die Trägheit der europäischen Politik unterschätzt. Die Schweizer Nationalbank ist ursprünglich davon aus gegangen, dass Europa seine Hausaufgaben machen und Strukturreformen durchführen würde. Das ist nicht schnell genug passiert. Hierdurch verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar bedeutend an Wert. Die Mindestkopplung zwischen Euro und Schweizer Franken zog den Franken mit in die Tiefe.
    Würde die Schweizer Nationalbank die Mindestkopplung weiter durchsetzen, müsste sie ihre Bilanz viel weiter aufblähen, als ursprünglich erwartet. Nach eigener Aussage wäre ihr das auf Dauer nicht nachhaltig möglich gewesen. Die Divergenz in der wirtschaftlichen Entwicklung von Europa und den USA hat die Währungspolitik der Schweizer buchstäblich zerrissen."

    Marcel van Leeuwen, Geschäftsführer der DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand GmbH

  • "Weckruf für Investoren, Zentralbanken nicht zu trauen"

    "Für uns ist dieser Paukenschlag folgerichtig. Die Schweizer wollen angesichts der aggressiven Geldpolitik der EZB, die erwartungsgemäß diese Woche einen Freibrief vorm Europäischen Gerichtshof für ihre Staatsanleihenkäufe ausgestellt bekam, mit dem Euro keine Schicksalsgemeinschaft bilden. [...] Der Schritt unterstreicht, dass Draghi in diesem Jahr "aus allen Rohren feuern" wird und die Schweizer diesen Schritt nicht mitgehen wollen! Sie wissen um die langfristig verheerenden Folgen dieser Politik. Viele Investoren hatten sich auf den Mindestkurs des Schweizer Franken zum Euro verlassen und dürften jetzt massive Verluste erleiden. Der heutige Schritt zeigt ein weiteres Mal: Wir dürfen den Versprechen der Zentralbanken nicht Glauben schenken!
    Ohnehin werden wir nicht müde, ständig den Ausspruch Marc Fabers zu zitieren: "Wer sein Gold verkauft, vertraut den Regierungen". Der heutige Paukenschlag der Schweizer Notenbank ist somit ein Weckruf für die Investoren, Zentralbanken und Regierungen nicht zu vertrauen! Gold und Silber verbriefen kein Schuldversprechen eines Dritten und sind das Investment für diejenigen, die Zentralbanken und Regierungen einen gesunden und völlig berechtigten Argwohn entgegenbringen."

    Thorsten Schulte alias "Silberjunge" in einer Sondermitteilung an seine Leser

  • "Euro schon vor Monaten zum Abschuss freigegeben"

    „Inhaltlich kann man den Schweizern ihre Entscheidung kaum übel nehmen. Die EZB hat den Euro schon vor Monaten zum Abschuss freigegeben und wird in Kürze ein Programm zur quantitativen Lockerung bekannt geben, in dessen Rahmen sie europäische Staatsanleihen aufkaufen wird. Tendenziell wird der Euro dadurch weiter geschwächt. Hätte die SNB ihre Bindung an den Euro aufrecht erhalten, wäre der Franken immer mehr zum rot-weiß lackierten Euro geworden. Natürlich hätte man von vornherein die Untergrenze gar nicht erst einziehen dürfen.“

    Daniel Kühn, Chefredateur des Finanzportals Godmode Trader

Die Stadtkämmerer gehören bestraft. Und die Banken, die ihnen Frankenkredite gewährt haben? Ebenfalls. Nur nach welchem Recht? Das müsste erst erfunden werden.

Darin besteht nachträglich betrachtet das Problem. Zudem können die Leute in den kommunalen Amtsstuben wie auch die Banker einfach argumentieren, der Euro werde sich schon irgendwie gegen den Franken erholen, das habe es ja auch früher gegeben, als die Mark den Franken zeitweise alt aussehen ließ. Aber eben die Mark, nicht der erst 1999 über uns hereingebrochene Euro.

Krumme Geschäfte bleiben ungesühnt

Unter denen, die sich von den früher optisch billigen Frankenkrediten blenden ließen, sind viele deutsche Bauherren zu finden. Ihnen ergeht es jetzt wie jenen Spekulanten, die zu Zeiten, als die Zinsen in der Schweiz den einen oder anderen Prozentpunkt niedriger waren als in Deutschland, Zinsdifferenzgeschäfte abschlossen.

Kauf von deutschen Bundesanleihen in Euro mit 5 Prozent Zinsen gegen einen Kredit zu 3 Prozent Zinsen in Franken macht 2 Prozent Gewinn – die seinerzeit gängige Milchmädchenrechnung. Anleger, die sich für besonders schlau hielten, überzogen dieses Spiel mit Dollaranleihen, die in manchen Jahren sogar 4 Prozent Gewinn versprachen. Das alles endete meistens mit einem dicken Minus: Franken gegen Euro oder Dollar rauf, Gewinn futsch, stattdessen unter dem Strich Verlust.

Gbureks Geld-Geklimper Worauf Sie bei der Geldanlage 2015 achten müssen

Die Deutschen haben Immobilien als Spekulationsobjekte entdeckt. Doch damit liegen sie nur zum Teil richtig. Worauf Sie 2015 am besten setzen sollten.

Gold und Schweizer Franken Quelle: dpa/Montage

Wer glaubt, es handle sich um exotische Beispiele, sollte mal einem Whistleblower zuhören, also einem Insider, der mit solchen Geschäften vertraut ist und nach zwei Gläsern Bier zu plaudern beginnt. Da tun sich wahrlich Abgründe auf.

Dubiose Firmen mit hohen Renditeversprechen, wie zuletzt Prokon und S&K, beherrschen zeitweise die Schlagzeilen, dann kehrt wieder Ruhe ein. Doch die unzähligen krummen Geschäfte der Banken mit Währungskrediten und Zinsdifferenzen, mit gefährlichen hochprozentigen Unternehmensanleihen und scheinbaren Alleskönnern wie Zertifikaten bleiben ungesühnt.

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